3. Geldwirtschaft

Als Lenkerin des Staatsschiffes muß die Aristokratie Konflikte bewältigen, die Folge der zugleich linear-austauschspezifischen und proportional-produktivitätsbedingten kommerziellen Akkumulation in der Polis sind. Während Handeltreibende und Teile der handwerklichen Produzenten von der ökonomischen Entwicklung profitieren und auf politische Mitwirkung pochen, sind die von der Entwicklung benachteiligten Gruppen die kleinen Landbesitzer der Mittelschicht und die wachsende städtische Unterschicht.

Das Sorgerecht für die neue Gemeinschaft, das der Aristokratie zufällt, das polisbezogene Pflegschaftsamt, das sie nolens volens übernimmt, es bereitet ihr bald schon mehr Sorgen als ihr lieb ist, nötigt ihr bald schon mehr Pflegeleistungen und politische Operationen ab, als sie sich hat träumen lassen. Mitnichten nämlich ist es der das Staatsschiff lenkenden, die arché ausübenden Aristokratie vergönnt, das Archontenamt und die übrigen Rats- und Staatsfunktionen routinemäßig, will heißen, ohne die Notwendigkeit einschneidender Entscheidungen und tiefgreifender Veränderungen, zu versehen und sich im übrigen auf den Nachweis ihrer Legitimation für das Amt, auf die Wahrnehmung liturgischer Aufgaben zu beschränken, dem etablierten Bürgerstand, dem leitos, als für ihn wirkende, Werke vollbringende Galionsfigur vorzustehen, mit anderen Worten Schiffe auszurüsten, die Stärke nach außen demonstrieren, und rituelle Aufführungen zu arrangieren, die internes ideologisches Selbstbewußtsein verbreiten. Vielmehr treten in der monarchielos neuen Gemeinschaft, dem um die Seehandelsfunktion zentrierten, aristokratisch regierten Verein aus stadtgebundenen, produktiv und zirkulativ direkt im kommerziellen Zusammenhang tätigen und landbesitzenden, in ihrem Konsum und zunehmend auch in ihrer Produktion auf den kommerziellen Zusammenhang angewiesenen Gruppen Spannungen auf, die, auch wenn sie qualitativ anderer Natur sind als die Sozialkonflikte ständehierarchisch-agrargesellschaftlicher Provenienz, doch aber quantitativ eine durchaus ähnliche Stärke und Virulenz an den Tag legen. So wahr die Polis durch die ihr dynamisches Zentrum bildende expansive Strategie einer mittels Befriedigung territorialherrschaftlicher Bedürfnisse bewirkten ständigen Umfunktionierung herrschaftlichen Reichtums in kommerziellen Reichtum, einer per Austausch betriebenen systematischen Akkumulation von Konsumgut in der Form von Handelskapital den in ihrem Kraftfeld siedelnden Gruppen immer neue produktive und zirkulative Erwerbsmöglichkeiten eröffnet, sie ihren alten agrargesellschaftlichen Wirtschaftsweisen und Subsistenzverhältnissen nur entreißt, um sie in profitablere handwerkliche und seehandelsspezifische Okkupationen einzubinden, und so wahr die Polis damit die typischen agrargesellschaftlichen Sozialkonflikte von sich fernhält und ausschließt, die entstehen, weil wachsende Produktivität sich in den traditionellen Rahmen direkter herrschaftlicher Reichtumabschöpfung gebannt findet und an die starren Grenzen beschränkten herrschaftlichen Konsums stößt und mangels Entfaltungsmöglichkeiten dazu führt, daß Teile der Gesellschaft dysfunktionalisiert und zu einer Pariaexistenz am Rande der Gesellschaft verdammt werden, so wahr handelt sich nun die Polis mit jener expansiven Strategie kommerziellen Austauschs neue und wenn auch, existentiell betrachtet, weniger kritische, den Betroffenen weniger direkt an Leib und Leben gehende, so doch, strukturell gesehen, höchst brisante, weil die Betroffenen teils in ihrem sozialen Status bedrohende, teils in ihren politischen Aspirationen behindernde Konfrontationen ein.

Ursache dieser polisspezifisch neuen Konflikte ist also eben das, was die Polis vor den territorialherrschaftlich alten Konflikten bewahrt: die expansive Strategie kommerziellen Austauschs und die in ihrer Form sich vollziehende Akkumulation von Reichtum in der Funktion von Handelskapital. Diese, wie man will, expansive Akkumulation oder akkumulative Expansion von kommerziellem Reichtum, die den dynamischen Kern bildet, um den herum das Kraftfeld der Polis sich aufbaut – sie ist es, die das für die Struktur des Feldes entscheidende ökonomische Kräfteverhältnis zwischen dem landbesitzenden aristokratischen Milieu mit seinem Anhang einerseits und andererseits dem handeltreibenden städtischen Komplex mit den ihm zuarbeitenden beziehungsweise in ihm tätigen Gewerken und Gewerben ebenso unaufhaltsam wie allmählich zugunsten des letzteren verschiebt. Mit wem auch immer die Handeltreibenden kontrahieren, mit wem auch immer sie ihre kommerziellen Geschäfte tätigen, Austausch treiben, ob mit den umliegenden Territorialherrschaften, ob mit der landbesitzenden Aristokratie, mit der sie politisch im Bund stehen, ob mit den Handwerkern im eigenen Haus, stets und in allen Fällen sorgt der Grundcharakter der Transaktion dafür, daß Mehrwert in ihre Hände gelangt und daß nämlich der Teil Reichtum, den sie aus dem Austausch zurückerhalten, den Teil Reichtum, den sie dafür zur Verfügung stellen, der Größe nach übertrifft, quantitativ übersteigt, daß sie mit anderen Worten an jedem Geschäft, das sie tätigen, profitieren, jedes Mal den potentiellen Reichtum in ihren Händen zu Lasten des aktuellen Reichtums in den Händen ihrer diversen Geschäftspartner vermehren. Und sie vermehren ihn nach der oben entwickelten Einsicht nicht, um ihn zu konsumieren, sondern um ihn in immer neue Transaktionen der gehabten Art zu investieren, ihn als kommerziellen Reichtum, als Handelskapital mehrwertzeugend zirkulieren zu lassen. Eben dies ist ja die zirkuläre, im Widerspruch zwischen unaufhebbar funktioneller Abhängigkeit und progressiv reellem Machtzuwachs sich verfangende Logik der von politischem Emanzipationsstreben angetriebenen ökonomischen Akkumulationsstrategie der Handeltreibenden: Wie ihnen der Austauschvorgang im Prinzip ausschließlich dazu dient, den potentiellen Reichtum in ihren Händen zu vermehren, so erschöpft sich der Sinn dieser Vermehrung im Prinzip ebenso ausschließlich darin, den Austauschvorgang jeweils auf der erweiterten Grundlage zu wiederholen. So gesehen, können die Handeltreibenden in der Tat gar nicht anders, als mit ihrem Kapital zu wuchern und das heißt, immer mehr gesellschaftlichen Reichtum in Gestalt von kommerziellem Reichtum in ihrer Hand zu versammeln.

Zu dieser absoluten oder linearen Anhäufung von Reichtum, die ex principio des Austauschgeschäfts die Handeltreibenden zu Lasten aller ihrer Handelspartner praktizieren, tritt aber nun noch eine relative oder proportionale Profitkomponente hinzu, die speziell zu Lasten der umliegenden Territorialherrschaften geht und die der Akkumulation vollends Beine macht. Sie ergibt sich aus den besonderen Bedingungen und Anreizen, die bei ihrer Entfaltung aus einem in der Hauptsache bloßen kommerziellen Dienstleistungszentrum in eine mit eigenen Produktionsquellen ausgestattete vollgültige Gemeinschaft die Polis für die auf ihrem Boden und in ihrem Kraftfeld angesiedelten Produktionsbereiche schafft. Während der Handel, den die Polis mit den Herrschaften der umliegenden Territorien beziehungsweise mit deren Kommissionären treibt, im Blick auf die Produktion dieser Territorien eine oberflächliche Abschöpfung wenn auch vielleicht nicht akzidentieller, so jedenfalls doch traditioneller Überschüsse bleibt und nur in Ausnahmefällen imstande ist, auf die Struktur und Funktionsweise jener Produktion ernsthaft Einfluß zu nehmen, greift dieser Handel durch die Geschäfte, die er mit den poliseigenen Produktionsquellen tätigt, in deren Beschaffenheit und Arbeitsweise um so nachhaltiger ein. Weil bei den polisinternen Geschäften die Handeltreibenden den Austausch nicht mit Herrschaften oder Kommissionären, sondern mit den unmittelbaren Produzenten abwickeln und weil also die Gegenleistung, die für ihre Produkte die Produzenten erhalten, keine nach einem für Fronarbeit herkömmlichen Entgelt sich richtende Abfindung, sondern eine am Wert der gelieferten Produkte selbst sich bemessende Vergütung ist, sind diese Produzenten unmittelbar am Austauschgeschäft interessiert, zumal sie durch die Lieferung marktgängiger Produkte und durch die Menge des Gelieferten beziehungsweise das Tempo der Lieferung im objektiven Entsprechungsverhältnis die Gegenleistung erhöhen, die Vergütung steigern können. Das aber bedeutet, daß sie als quasi teilhaberschaftlich engagierte Produzenten bereit sind, sich vom Handel die Bedingungen ihrer Produktion diktieren oder jedenfalls nahelegen zu lassen, will heißen, sich in der Art der Produkte an Marktchancen zu orientieren und ihre Produktion der Nachfrage des Marktes entsprechend ebenso arbeitstechnisch-inventorisch zu konzentrieren und zu perfektionieren wie arbeitspraktisch-organisatorisch auszubauen und zu beschleunigen. Die interessierte Rücksicht auf die Handelsfunktion unterwirft mit anderen Worten die dem Markte direkt zuarbeitenden Produzenten einem Prozeß fortlaufender Spezialisierung und nötigt ihnen mit der unwiderstehlich sanften Gewalt des eigenen Engagements eine allmähliche Steigerung der Produktionsleistung ab, die teils natürliche Konsequenz des Spezialisierungsprozesses als solchen, teils Reaktion auf den ständigen Anreiz ist, den die gewinnträchtige Nachfrage des Marktes darstellt.

Dieser polisspezifische, an die Wirtschaftsweise und die Austauschbedingungen des politischen Zusammenhangs des neuen Gemeinschaftstyps gebundene Produktivititätszuwachs sorgt nun aber im Handel mit den umliegenden Territorien für hohe Profitraten, weil er es den Handeltreibenden erlaubt, ihre in der Polis erzeugte Ware in jenen Territorialstaaten zu einem Preis zu verkaufen, der, während er dem dort durch Austausch bewährten Wert der betreffenden Ware entspricht, gleichzeitig doch den Wert übersteigt, den der polisinterne Austausch ihr konzediert.

Hohe Gewinnspannen sind im Handel mit traditionellen Territorialherrschaften, deren ebenso frondienstlich erzeugter wie herrschaftlich abgeschöpfter Reichtum, soweit er in Form von Überschüssen in den Austausch gelangt, eher unter dem qualitativen Gesichtspunkt einer Befriedigung herrschaftlicher Konsumbedürfnisse als nach der quantitativen Maßgabe einer Einlösung kommerzieller Äquvialente ausgetauscht wird und bei denen mit anderen Worten dank der Dominanz des herrschaftlichen Konsumaspekts das Interesse am konsumtiven Reiz der einzutauschenden Ware über die Rücksicht auf den kommerziellen Wert der auszutauschenden Ware triumphiert – hohe Gewinnspannen sind hier also für den Handeltreibenden ohnehin an der Tagesordnung. Aber was insofern ein bei aller Geläufigkeit von den Launen und konsumtiven Bedürfnissen der Herrschaft abhängiges, akzidentielles Ereignis bleibt, das läßt nun die sich öffnende Schere der auseinanderdriftenden Produktivkraftentwicklung zu einem ebenso systematischen wie objektiven Verhältnis werden. In dem Maß, wie die Schere sich öffnet, verkaufen die Handeltreibenden an die Territorialherrschaften Waren zu einem Preis, der unter Umständen weit über dem Wert liegt, den sie in der Polis haben, und kaufen zum Erlös dafür von den Territorialherrschaften Waren ein, deren Verkauf in der Polis und also Rückverwandlung in die als Maß fungierende Ausgangsware deutlich werden läßt, welch überproportional hohen Wertzuwachs ihnen die Ausnutzung teils in specie des herrschaftsordnungsbedingten Unterschieds in den Prioritäten, teils in genere des wirtschaftssystemspezifischen Gefälles in der Produktivität beschert.

Die Konsequenz aber des überproportional hohen Wertzuwachses, für den jene spezielle Abschöpfungstendenz des Außenhandels auf der Grundlage des generellen Akkumulationsprinzips des kommerziellen Austausches sorgt – die Konsequenz dieses Wertzuwachses ist, daß sich ein relativ immer größerer Teil des Gesamtreichtums, über den die Polis verfügt, in den Händen der Handeltreibenden versammelt und daß deren ökonomisches Gewicht entsprechend zunimmt, das ökonomische Kräfteverhältnis zwischen den anderen gesellschaftlichen Gruppen und ihnen sich immer stärker zu ihren Gunsten verschiebt. Die Handeltreibenden sind indes nicht die einzigen Nutznießer der durch den Außenhandel und seine Rückwirkungen auf die poliseigene Wirtschaft bedingten Entwicklung. Mit ihnen zusammen profitieren von der Entwicklung auch die Produzenten der Polis, soweit ihre Produkte dem Exportmarkt zufließen und auf ihm Absatz finden. Angebunden an einen im Maßstab des östlichen Mittelmeeres expandierenden Güteraustausch und ihm mit ihren eigenen Produkten zuarbeitend, haben diese polisinternen Produzentengruppen an den Segnungen des expansiven Prozesses in dem Maße teil, wie sie, durch ständige Nachfrage angetrieben und durch die Zuverlässigkeit ihrer Absatzchancen abgesichert, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Kräften, die bald schon nicht mehr nur die eigenen sind, ihre Produktion erweitern und ein entsprechend der vermehrten Produktmenge, die sie zu Markte tragen, vergrößertes Äquivalent nach Hause bringen, das sie, soweit sie es nicht nach Aristokratenart konsumtiv, will heißen, zur Verbesserung ihres Lebensstandards und Lebensstils und zur Erhöhung ihres politischen Einflusses beziehungsweise Hebung ihres sozialen Ansehens in der Stadt verwenden, dazu nutzen können, ihre Produktion durch den Erwerb neuer Arbeitsmittel und die Anstellung zusätzlicher Arbeitskräfte weiter auszubauen und so den Grund für eine neuerliche Umsatzsteigerung zu legen.

Und weil aber der Anreiz, die Produktion auszuweiten, untrennbar verknüpft ist mit dem Ansporn, sie arbeitspraktisch zu rationalisieren und technologisch zu perfektionieren, weil also der quantitative Ausbau der Produktion Hand in Hand mit der erwähnten qualitativen Erhöhung der Produktivkraft geht, kommt nun zu dem linear oder absolut vermehrten Wert, den die exportorientierten Produzenten erwirtschaften, noch der beschriebene proportionale oder relative Wertzuwachs hinzu, der sich der Ausnutzung des Produktivitätsgefälles zwischen der Polis und ihren territorialherrschaftlichen Handelspartnern verdankt und nämlich der Ausbeutung einer produktivitätsbedingten Wertdifferenz der von der Polis in die Territorialstaaten exportierten Waren, das heißt, der Abschöpfung des relativ höheren Werts entspringt, den die in der Polis erzeugten Waren außerhalb der Polis haben. Diejenigen, die den kommerziellen Austausch der Polis mit den Territorialstaaten abwickeln, die Handeltreibenden, sind es, die jenen mit dem linearen Handelsgewinn verknüpften proportionalen Zusatzprofit einstreichen. Aber angewiesen, wie sie sind, auf ihre polisinternen Lieferanten, die exportorientierten Produzenten, und mit ihnen in einer ausschließlich auf den gemeinsamen ökonomischen Vorteil gegründeten Interessengemeinschaft liiert, können die Handeltreibenden gar nicht anders, als diesen Zusatzprofit mit ihnen zu teilen, einen Teil des durch Ausnutzung der Systemdifferenz abgeschöpften Wertes an sie weiterzugeben. Und so kommt es denn, daß zugleich mit den Handeltreibenden und im Verein mit ihnen auch Teile der polisinternen Produzenten Reichtum anhäufen und als ökonomische Gewinner an der Verschiebung des Kräfteverhältnisses in der Polis teilhaben.

In dem Maß aber, wie Reichtum in ihren Händen sich sammelt und ihr ökonomischer Einfluß in der Polis wächst, wird diesen Gruppen zu einem Stein des Anstoßes, daß sie politisch in der Stadt wenig zu bestellen haben und herkömmlicherweise von der arché, der Lenkung des Staatsschiffes, ebenso ausgeschlossen bleiben wie von den dazu in aller Öffentlichkeit qualifizierenden liturgischen Funktionen. Mögen sie schon zur Bürgerschaft, zur Gemeinde, gehören und in der ekklesias, der Volksversammlung, Stand und Stimme haben, mit der arché, der Bekleidung öffentlicher Ämter, der Wahrnehmung der politischen Geschäfte, bleiben sie unbefaßt; diese ist nach wie vor Sache und Privileg der Reichen traditionellen Zuschnitts, der landbesitzenden Erben der in Konkurs gegangenen theokratischen Ordnung, der über oikoi, Hausgüter, verfügenden Aristokraten, die mit ihrem oikosentsprungenen, fronarbeitsgezeugten, herrschaftlichen Reichtum zur Polis übergelaufen, in die Stadt übergesiedelt sind und eben dadurch den im engeren Sinne politischen Grund für die Emanzipation der Polis von der territorialherrschaftlichen Vormundschaft des lokalen Monarchen und ihrer Konstitution als selbständige politische Einheit gelegt haben. Zum Lohn dafür, daß sie sich mit dem anderen grundlegenden Faktor, der als ökonomisches Konstitutiv der Polis firmierenden Handelsfunktion, in einem ebenso haltbaren wie spannungsreichen Zweckbündnis, einer ebenso inventorischen wie kontradiktorischen Interessengemeinschaft zusammenschließt und so die Entstehung der Polis überhaupt erst ermöglicht, erhält die Aristokratie unter den oben spezifizierten Bedingungen einer liturgisch gemeinnützigen Verwendung ihres ökonomisch fremdbürtigen Reichtums die Aufgabe zugewiesen, die politischen Geschäfte der Stadt zu führen, ihre öffentlichen Angelegenheiten zu verwalten, und findet sich damit – seltener Fall einer gelungenen Metamorphose von Bock in Gärtner! – aus einer ökonomischen Kraft, die aufgrund ihres oikosentsprungenen, größtenteils nicht ins kommerzielle Austauschsystem eingebundenen Reichtums der Polis beschwerlich und gar gefährlich zu werden droht, vielmehr in den öffentlich anerkannten Pfleger der Stadt, in ihren politisch vornehmsten Protagonisten und eifrigsten Sachwalter umfunktioniert.

Basis dieser der Aristokratie zugestandenen politischen Aufgabe und öffentlichen Pflegschaft ist, wie gesagt, das als kritische Masse im Austauschsystem der Stadt flottierende unverhältnismäßig große Quantum herrschaftlichen Reichtums, das die Aristokratie von außerhalb, von ihren territorialen Gütern, ihrem Oikos, in die Stadt hineinträgt und das, um nicht unfreiwillig zum Politikum zu werden und in den Händen seiner ehrgeizigen und geltungssüchtigen Eigentümer politische Zwietracht zu säen und sozialen Unfrieden zu stiften, vielmehr durch die Betrauung der Eigentümer mit politischer Prokura und öffentlicher Verantwortung einer gemeinnützigen Verwendung und sozialen Bindung überführt werden muß. Mittlerweile entspringen nun aber dem ökonomischen Quell des poliseigenen kommerziellen Austauschsystems ebenso große Anhäufungen von Reichtum wie dem traditionellen Frondienstsystem der mit der Polis durch die Aristokratie verknüpften territorialen Oikoi. Dank der geschilderten beiden Mechanismen des mit dem Handel im allgemeinen verknüpften Kapitalakkumulationsprinzips und der mit dem Außenhandel im besonderen sich bietenden Wertabschöpfungsgelegenheit sammeln sich in den Händen der Außenhandel treibenden Gruppen und der ihnen zuarbeitenden, exportorientierten Produzentenschichten Wertquanten, die den der Aristokratie verfügbaren oikosentsprungenen Reichtummengen durchaus das Wasser reichen können. Und in dem Maß, wie dies geschieht, vermögen die Handeltreibenden und die mit ihnen assoziierten Produzentenschichten natürlich nicht mehr einzusehen, warum sie von der arché, der Lenkung des Staatsschiffes, ausgeschlossen sein sollen und wieso ihnen trotz ihres Reichtums versagt und vorenthalten bleibt, was der Aristokratie wegen ihres Reichtums zugestanden und übertragen wird: das Recht auf politische Betätigung und die Pflicht zur öffentlichen Verantwortung, die Führung der politischen Geschäfte und die Sorge um das öffentliche Wohl. Sie können das um so weniger begreifen und akzeptieren, als der Prozeß, der ihnen einen der Vermögenslage der aristokratischen Elite ohne weiteres vergleichbaren Wohlstand beschert, tatsächlich ja – aufs Ganze der Bürgerschaft und ihrer Hauptgruppierungen betrachtet! – kein einfaches besitzstandsmäßiges Gleichziehen, keine bloße vermögenspraktische Gleichstellung der Gruppe der Gewerbetreibenden mit dem Stand der aristokratischen Landbesitzer, sondern eine veritable Umschichtung und Gewichtsverlagerung zugunsten der ersteren und zum Nachteil des letzteren bedeutet.

In der Tat nämlich wirkt sich eben derselbe Vorgang eines zunehmend florierenden kommerziellen Austauschs mit den umliegenden Territorialstaaten, der Handel- und Gewerbetreibenden als Vehikel ihres ökonomischen Aufstiegs dient und der den Grund zu ihrem Vermögen und Wohlstand legt, auf die ökonomische Grundlage der landbesitzenden Aristokratie, auf ihr der frondienstlich-agrarischen Produktion ihrer Oikoi, ihrer Landgüter, entspringendes Vermögen, eher nachteilig und beeinträchtigend aus. Der Grund für diese Beeinträchtigung und Schmälerung, die der Wohlstand der Aristokratie durch den Auf- und Ausbau der den dynamischen Kern der Polis bildenden kommerziellen Austauschverhältnisse im allgemeinen und überseeischen Außenhandelsbeziehungen im besonderen erfährt, liegt in der "Arbeitsteilung", die sich zwischen den am überseeischen Austausch Beteiligten, zwischen der Polis und ihren territorialherrschaftlichen Handelspartnern zwangsläufig herstellt, liegt darin, daß die Polis, soweit sie nicht bloß als territorienverbindender Zwischenhändler fungiert und über eigene Produktionsquellen verfügt, diese vornehmlich im handwerklichen Bereich, im Bereich der in ihrem Schutz und Dunstkreis niedergelassenen technischen Gewerke findet, und daß deshalb auch die Güter, die sie aus eigenem in den überseeischen Handel einbringt, will heißen exportiert, in der Hauptsache und in zunehmendem Maße handwerkliche Erzeugnisse sind, während umgekehrt der Beitrag der Territorialherrschaften zum kommerziellen Austausch im Einklang mit den natürlichen Gegebenheiten der wesentlich landwirtschaftlich oder zur Rohstoffgewinnung genutzten Flächenstaaten und mit dem ebenso natürlichen Lebensmittel- und Rohstoffbedarf der auf engem Raum wachsenden Polisbevölkerung in der Hauptsache und in zunehmendem Maße agrarische Erzeugnisse und Naturprodukte sind.

Diese im katalytischen Ferment des kommerziellen Austauschs vollzogene Aufspaltung der Warenzirkulation in einen Strom von aus der Polis in die Territorialherrschaften exportierten handwerklichen Produkten und einen gegenläufigen Strom von in die Polis aus den Territorialherrschaften importierten landwirtschaftlichen Erzeugnissen hat zur Folge, daß sich die beschriebenen Produktivitätsfortschritte, zu denen die Profitperspektive der Handelsfunktion motiviert, wesentlich im polissspezifisch handwerklichen Bereich abspielen, während der schwerpunktmäßig auf die Seite der Territorialherrschaften fallende und von den Konsuminteressen traditioneller Oberschichten beherrschte landwirtschaftliche Bereich eher in althergebrachten Arbeitsformen und gewohnten Produktionstechniken dahindümpelt. Und das wiederum bedeutet, daß die besondere Wertabschöpfung, zu der die Unterschiede in der Produktivität den Handeltreibenden der Polis im Austausch mit den territorialen Nachbarn Gelegenheit geben, ihren Ausdruck vornehmlich in den überproportional großen Quanten landwirtschaftlicher Erzeugnisse findet, die gegen die handwerklichen Produkte der Polis eingetauscht werden, daß also die zusätzliche Bereicherung, zu der das Produktivitätsgefälle zwischen der Polis und ihren territorialen Nachbarn den Handeltreibenden die Möglichkeit eröffnet, vornehmlich in der Weise Gestalt annimmt, daß für die handwerklichen Produkte, die in die Territorialstaaten ausgeführt werden, unverhältnismäßig mehr landwirtschaftliche Güter, als durch den polisinternen Stand der Produktivkraft gerechtfertigt, in die Polis hineinfließen. Die Konsequenz dieser der relativen Überbewertung der handwerklichen Exportgüter der Polis geschuldeten Überschwemmung der Stadt mit agrarischen Erzeugnissen aus den Territorialstaaten liegt auf der Hand: Die poliseigenen landwirtschaftlichen Erzeugnisse kommen unter Preisdruck, sind einem angebotsbedingten Wertverfall ausgesetzt, und ihre herrschaftlichen Erzeuger, die über Landbesitz verfügenden und ihn durch Sklaven, durch Fronarbeit, bewirtschaftenden Aristokraten, geraten ökonomisch ins Hintertreffen, verlieren als Warenanbieter, als aktive Teilhaber am kommerziellen Austausch, ebenso wie als Warenabnehmer, als passive Nutznießer des kommerziellen Austauschs, zunehmend an Gewicht und Einfluß. In dem Maß, wie die Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln zu einem integrierenden Bestandteil des Handels mit den territorialen Nachbarn wird und unter den besonderen Konditionen dieses Handels einen Charakter von relativer Überversorgung anzunehmen tendiert, sieht sich die landbesitzende Oberschicht gleichermaßen in der die Existenz der Polis sichernden strategischen Funktion, die sie beansprucht, in Frage gestellt und in der den eigenen Wohlstand garantierenden ökonomischen Rolle, die mit dieser Funktion Hand in Hand geht, bedroht.

Zwar nicht die Oberschicht insgesamt findet sich durch die Entwicklung bedroht. Diejenigen ihrer Mitglieder, die über ausgedehnten Landbesitz, große Güter, fruchtbare Anbauflächen verfügen – sie können den Verlust an Einkünften entweder verschmerzen, können die Einbußen an Reichtum verkraften, ohne daß ihre politische Macht und ihr soziales Prestige nennenswert darunter litten, oder sie können gar einen Teil ihrer landwirtschaftlichen Erzeugnisse auf die Handelsfunktion ausrichten und im Sinne von Marktchancen spezialisieren, können absatzgerecht, exportorientiert produzieren und damit, wie einerseits an der im handwerklichen Bereich ausgelösten Dynamik einer Steigerung der Produktivkraft auf ihre, agrarisch eigene Weise teilhaben, so andererseits von der geschilderten Gewinnperspektive, die sich dank der gesteigerten Produktivität eröffnet, auf gleiche Art wie das betroffene Handwerk profitieren. Die großen Landeigentümer und die mit ihnen weitgehend deckungsgleichen führenden aristokratischen Familien finden sich also durch die der "Arbeitsteilung" zwischen Polis und Territorialherrschaften entspringende polisinterne Verschiebung des ökonomischen Kräfteverhältnisses keineswegs in Nachteil und ins Hintertreffen gebracht, können vielmehr durch eine Anpassung ihrer umfangreichen agrarischen Gütererzeugung an die neuen Gegebenheiten des Markts, das heißt, durch eine Spezialisierung und damit einhergehende Rationalisierung von Teilen ihrer Produktion entsprechend den Absatzchancen, die sich im Außenhandel eröffnen, an der wirtschaftlichen Gewichtsverschiebung als Begünstigte und Gewinner partizipieren.

Das Gros der Oberschicht hingegen, die Masse der landbesitzenden Freien, deren Güter zu klein sind, um die Produktion dem Markt anzupassen, und deren traditionelle Erzeugnisse unter dem Konkurrenzdruck der Agrareinfuhren aus den Territorialstaaten an Tauschwert verlieren – dieser kleine Landadel, der bislang sein gutes Auskommen hatte und als waffentragende Partei der Führungsschicht, als politische Gefolgschaft der aus den vornehmsten aristokratischen Familien sich rekrutierenden Lenker des Staatsschiffes, ein gedeihliches, der Verwaltung des eigenen Oikos, dem geselligen Verkehr mit seinesgleichen und der in Muße gepflegten Anteilnahme an den Staatsgeschäften gewidmetes Leben führte – er findet sich durch die ökonomische Entwicklung durchaus benachteiligt und in seiner sozialen Existenz, wenn nicht überhaupt gefährdet, so jedenfalls doch zunehmend bedrängt und eingeschränkt. Damit ist das politische Dilemma, das die ökonomischen Folgen der kommerziellen Austauschtätigkeit der Polis für die aristokratische Führungsschicht heraufbeschwört, perfekt: Ein und dieselbe Entwicklung, die Handeltreibende und Handwerker zu Vermögen kommen läßt und ihnen in dem Maß, wie sie zu einer Schicht von Neureichen avancieren, Ansprüche auf öffentliche Geltung und auf Teilhabe an den Staatsgeschäften eingibt, treibt einen Keil zwischen diese aristokratische Führungsschicht und ihren Anhang, die sie traditionell tragende Gruppe der maßvoll begüterten, waffentragenden Freien, indem sie den letzteren den Wohlstand beschneidet und die ökonomische Basis untergräbt, während sie die erstere an der handelsbedingten Akkumulation von Reichtum partizipieren läßt. Im Spagat muß die Führungsschicht einen dem eigenen kommerziellen Interesse gemäßen politischen Ausgleich mit den Neureichen suchen und sich gleichzeitig bemühen, die eigene politische Fraktion, zu deren Lasten die Neureichen ökonomisch Karriere machen, in ihrem Besitzstand zu sichern und vor Unzufriedenheit und offener Empörung zu bewahren.

Und so, als wären der Molesten noch nicht genug, sieht sich schließlich die aristokratische Führungsschicht mit einem nicht minder gravierenden dritten Problem konfrontiert: mit der Entstehung einer Armenbevölkerung in der Stadt, einer weitgehend unbemittelten Unterschicht, die nicht zwar wie die Parias der ständehierarchischen Agrargesellschaft eine von der Gesellschaft zur Funktionslosigkeit verdammte und aus ihr ausgefällte marginale Kaste von Ausgestoßenen darstellt, wohl aber eine auf die Wahrnehmung der niedersten gesellschaftlichen Funktionen reduzierte und zum amorphen Bodensatz der Gesellschaft niedergeschlagene basale Klasse von Ausgebeuteten bildet. Der Zusammenhang, dem diese Armenschicht entspringt, ist einmal mehr die durch den kommerziellen Austausch gestiftete und bestimmte Dynamik. Hervorgetrieben nämlich wird diese Schicht durch den unersättlichen Bedarf der expandierenden Handelsfunktion und der ihr zuarbeitenden florierenden Handwerke an Hilfskräften und Handlangern, an Lastenträgern, Stauern, Schiffsleuten, Hilfsarbeitern in den Betrieben, Fuhrleuten, Laufburschen, an Menschen also, die sich, ohne über eigene Produktionsmittel zu verfügen, von ihrer Hände Arbeit ernähren müssen, die davon leben, daß sie als Hilfsarbeiter, Gelegenheitsarbeiter, Tagelöhner von anderen in Dienst genommen werden. Ist diese wachsende Zahl von abhängig Beschäftigten einerseits Ausdruck der Lebenskraft des ökonomischen Systems des neuen Gemeinschaftstyps, Beweis seiner Fähigkeit, Menschen, die in anderen wirtschaftlichen Bereichen der Polis überflüssig und als Arbeitskräfte freigesetzt werden oder die auf der Suche nach politischen, sozialen und ökonomischen Überlebensmöglichkeiten aus den benachbarten Territorien in die Polis kommen, aufzufangen und funktionell neu zu bestimmen beziehungsweise aufzunehmen und als Mitglieder der Gemeinschaft zu integrieren, so wird sie aber in dem Maß zum Problem, wie der Zustrom von Arbeitsuchenden den Bedarf übersteigt.

Und daß dies geschieht, dafür sorgt die Entwicklungsdynamik des Systems selbst, das teils durch den geschilderten außenhandelsbedingten Konkurrenzdruck, dem es den kleinen Landbesitz und seine Agrarproduktion aussetzt, Menschen aus diesem Bereich um ihren traditionellen Unterhalt bringt und dazu zwingt, sich in dem um Handel und Gewerbe entstandenen Lohnarbeitssektor eine Beschäftigung zu suchen, teils im Zuge der Ausdehnung des kommerziellen Austauschs mit den Nachbarterritorien und infolge des Eindrucks von Reichtum, Macht und Freiheit, den die Polis allenthalben verbreitet, eine immer größere Zahl von Menschen aus den umliegenden Gebieten dazu motiviert, ihre Zuflucht und ihr Glück in der Stadt zu suchen und sich dort nolens volens der Schar der im Umkreis von Handel und Gewerbe abhängig Beschäftigten beziehungsweise dort nach Beschäftigung Suchenden beizugesellen. Indem nun auch und sogar in diesem Bereich, der bislang dynamischer Kern der Aufnahme- und Entwicklungskapazität der Polis war, die Nachfrage nach Arbeit das Arbeitsangebot übersteigt, machen sich die Arbeitsuchenden gegenseitig Konkurrenz, unterbieten sich in den Konditionen, zu denen sie ihre Arbeitskraft verkaufen, und sorgen somit durch ihre schiere Vielzahl dafür, daß sie von der allgemeinen Wohlstandsentwicklung abgekoppelt werden, von einer Beteiligung am Wertzuwachs, den die Polis durch kommerziellen Austausch erzielt, ausgeschlossen bleiben, und daß ihre Einkünfte vielmehr zielstrebig nach unten tendieren, sich unaufhaltsam auf das Existenzminimum zubewegen und allmählich immer mehr von ihnen gezwungen sind, am Rande ökonomischer Not und sozialen Elends ihr Leben zu fristen. Mit der Not aber wächst die Unzufriedenheit, denn nicht zwar begreifen können die Vielen, wohl aber zu ressentimenterfülltem Herzen nehmen sie sich, daß sie ohnmächtig zusehen müssen, wie das florierende Wirtschaftssystem der Polis, zu dessen Gedeihen sie doch tatkräftig, nämlich durch ihrer bloßen Hände Arbeit, beitragen, statt ihnen ihre Mitwirkung zu vergüten, sie immer nur mit kargem Lohn abspeist, während es die Früchte seiner durch ihren Fleiß entfalteten Wirksamkeit in den raffgierigen Händen der Wenigen, in den Warenlagern und Scheuern führender Handeltreibender, großer Grundbesitzer und großgewordener Handwerksbetreiber versammelt.

Symptom der allgemeinen Unzufriedenheit ist das Auftreten von Tyrannen. Während das Problem der auf politische Mitwirkung dringenden Neureichen durch die Kleisthenische Reform gelöst wird, die eine Gleichstellung von herrschaftlichem und kommerziellem Reichtum nach sich zieht, hält die Befriedung der anderen beiden benachteiligten Gruppen schwerer, zumal in einem auf kommerziellen Austausch abgestellten System für andere, nichtkommerzielle Distributionsformen kein Platz scheint. Eine soziale Gruppe allerdings gibt es, mit der eine Distribution, die nicht in Gestalt des Austauschs materieller Güter, aber auch nicht in Form frondienstlicher Zuteilungen vor sich geht, bereits geübt wird: die Gruppe abhängig Beschäftigter, die keine sächlichen Güter zu Markte tragen, sondern persönliche Leistungen für den Markt erbringen.

Dies also ist das dreifältige Problem, mit dem die aristokratische Führungsschicht die Polis konfrontiert sieht, dies sind die drei Problemgruppen, durch deren Existenz sie ebensosehr die Stadt aus dem Gleichgewicht gebracht und in Unruhe versetzt wie sich selbst in ihrem politischen Führungsanspruch wenn nicht akut bedroht, so jedenfalls doch auf die Bewährungsprobe gestellt findet. Mit der Gruppe der auf politische Anerkennung dringenden Neureichen aus Handel und Gewerbe schließen sich die Gruppen der ökonomisch benachteiligten landbesitzenden Freien und der ökonomisch ausgebeuteten abhängig Beschäftigten zu einer unerklärten Allianz der Unzufriedenheit und des Bedürfnisses nach Veränderung zusammen und bringen die traditionelle liturgische Ordnung ins Wanken. Und daß diese Ordnung ins Wanken gerät, dafür ist sicherstes Symptom das Auftreten von persönlichen Machthabern, von privativ nach politischem Einfluß und sozialer Geltung strebenden einzelnen, will heißen, die Aufkündigung jenes mit der aristokratischen Oberschicht ebenso stillschweigend wie verbindlich geschlossenen Sozialkontrakts, der politische Autorität, amtliche Macht in dem Maße an eine polisspezifische Ruhmwürdigkeit des Betreffenden, seine liturgische Bewährung, seine mittels öffentlicher Werke erkaufte Anerkennung durch die Gesamtbürgerschaft knüpft, wie er diese Anerkennung zum ebenso alleinigen wie indirekten Beweis für die zum Streben nach Macht und Autorität überhaupt nur legitimierende wesenhafte Selbstmächtigkeit des Anerkannten erhebt. Daß aus der liturgisch gebundenen aristokratischen Führungsschicht einzelne ausscheren und persönlich die politische Macht an sich reißen, privativ den sozialen Vorrang vor ihresgleichen erringen, kurz, sich zu Tyrannen aufwerfen können, ist symptomatischer Ausdruck der Tatsache, daß die Bürgerschaft in sich zerfallen ist, sich in einander konfrontierende Parteien, einander beargwöhnende und ebensosehr mit politischen Forderungen wie sozialen Ressentiments traktierende Fraktionen aufgespalten hat.

Nicht, daß der Tyrann als Repräsentant einer der streitenden Parteien an die Macht gelangte, daß er seinen Aufstieg zur alleinherrschenden Figur in der Polis dem Triumph der einen Fraktion über die anderen verdankte! Vielmehr ist er nichts als Zerfallsprodukt, Konsequenz dessen, daß die Bürgerschaft in ihrer Zerfallenheit das Vermögen zur gemeinsamen Beratung und einheitlichen Willensbildung verloren hat, und stellt insofern eine Mischung aus negativer Zufallslösung für das Problem einer in der traditionellen Form gesamtbürgerschaftlicher Beschlußfassung unmöglich gewordenen politischen Bevollmächtigung und aus positivem Notprogramm für die Aufrechterhaltung eines in der Person des Tyrannen ebensosehr irrationalisierten wie verkörperten Minimums an intentionaler Gemeinsamkeit und verbindlicher Resolution dar. Will die aristokratische Führungsschicht der ihren Reihen entspringenden und aber ebensosehr ihre schichtspezifische Machtposition untergrabenden wie sie in ihrer liturgischen Verantwortlichkeit suspendierenden Tyrannenherrschaft Herr werden und will sie sich den als symptomatische Reaktion auf den Zwist in der Stadt auf den Plan tretenden Wechselbalg ihrer selbst, das Gespenst ihrer eigenen, entmischt herrschaftlichen Natur, ihres eigenen, unsublimiert reichtumgespeisten Machthungers und Geltungsdrangs, kurz, den Tyrannen, wieder vom Halse schaffen, so muß sie die Ursache für das Symptom beseitigen, muß den Zwist beilegen, muß, mit anderen Worten, die politischen und ökonomischen Probleme bewältigen und die dazugehörigen Problemgruppen befriedigen, mit denen die Entwicklung der Polis sie konfrontiert.

Die auf politischen Einfluß und auf Mitwirkung an der Lenkung des Staatsschiffes Anspruch erhebenden Neureichen aus Handel und Gewerbe sind dabei noch das geringste Problem. Was es, um die Ansprüche dieser Gruppe zu befriedigen, braucht, ist eine institutionelle Reform, eine Reorganisation der Staatseinrichtungen, eine Veränderung der Auswahlverfahren zu den politischen Entscheidungsgremien und der Zusammensetzung der letzteren selbst, die der neuen Gruppe den ihr bis dahin versperrten Zugang zu Staatsämtern öffnet und damit eine ihrer tatsächlichen ökonomischen Bedeutung halbwegs gemäße Mitwirkung an den Staatsgeschäften sichert. Dieses Erfordernis erfüllen die Kleisthenische Reform und die ihr folgenden weiteren Reformschritte. Ergebnis dieser konstitutionellen Veränderungen ist die allmähliche politische Gleichstellung von Grundbesitz und Handelskapital, herrschaftlichem und kommerziellem Reichtum, die ihren sozialen Ausdruck in der Herausbildung einer verbreiterten, aus Aristokratie und Neureichen gemischten Führungsriege, einer oligarchischen, nicht sowohl durch ihren sächlichen Stand als durch ihr tatsächliches Vermögen, nicht sowohl qualitativ durch die Art als vielmehr quantitativ durch die Menge ihres Reichtums definierten Oberschicht findet. Maßstab und zugleich Basis der politischen Gleichstellung und damit einhergehenden sozialen Angleichung der beiden ökonomisch führenden Gruppen ist dabei das in Quantifizierungen geübte und überhaupt aus ihnen sich speisende Handelskapital, das ja dank des von ihm veranstalteten und beherrschten Marktes ökonomisch längst die Vergleichsebene abgibt und nach dessen Bedingungen oder in dessen Münze nun auch die politische Neuformierung sich vollzieht: die Einteilung der Polisgesellschaft in Vermögensklassen, deren in der Münze seines potentiellen Austauschverhältnisses auf dem Markt, seines Wertes, gemessener Besitzstand sie als solche definiert und über ihre Beteiligung am politischen Entscheidungsprozeß und ihren Zugang zu Staatsämtern, kurz, über ihre Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zur Führungsschicht entscheidet.

Schwieriger als die auf Basis einer handelskapitalen Vergleichung von herrschaftlichem Reichtum und handelskapitalem Vermögen durchgesetzte Integration der politisch unzufriedenen Neureichen in die aristokratische Führungsschicht, schwieriger mithin als eine der Veränderung der ökonomischen Kräfteverhältnisse gemäße Neuordnung der politischen Repräsentanz und institutionellen Machtverteilung, stellt sich nun aber die Entschärfung der anderen beiden polisinternen Konfliktstoffe dar, die doppelte Aufgabe nämlich einer den traditionellen politischen Machtverhältnissen Tribut zollenden und der Drohung politischer Umtriebe begegnenden Umverteilung von Wohlstand zugunsten der ökonomisch in Nachteil geratenen unteren Riegen der Oberschicht einerseits und andererseits einer den neuen politischen Druckverhältnissen Rechnung tragenden und der Gefahr sozialer Unruhen vorbeugenden Unterstützung der am Rande materieller Not subsistierenden unteren Riegen der Unterschicht. Was die Bewältigung dieser doppelten Aufgabe so schwierig macht, ist die Tatsache, daß in dem für die Polis grundlegenden und für ihre besondere Form von Gemeinschaft maßgebenden kommerziellen Austauschsystem, im System einer ausschließlich auf den Austausch äquivalenter Güter, auf die Zirkulation wertgleicher sächlicher Leistungen gegründeten gesellschaftlichen Distribution, für einseitige Umverteilungen, ungleichgewichtige Umschichtungen eigentlich weder Raum vorhanden, noch ein Funktionsmechanismus vorgesehen ist. Wo gesellschaftliche Subsistenz und gesellschaftliche Reichtumbildung gleichermaßen davon abhängen, daß arbeitsteilig erzeugte Produkte auf dem Markt zusammengeführt und dort in ein als Wertrelation bestimmtes quantitatives Verhältnis zueinander gebracht werden, um sich nach Maßgabe dieser Wertrelation gegeneinander auszutauschen, und das heißt, in einem universalen Vergeltungszusammenhang nur unter der Bedingung von einer Hand in die andere überzuwechseln, daß kompensatorisch die entsprechende Proportion eines anderen Produkts aus der anderen Hand in die eine wechselt – wo dieser unmittelbare Zusammenhang zwischen sächlicher Austauschbeziehung und Sicherung der Subsistenz beziehungsweise Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum als Konstitutiv des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Kraft ist, da hält es schwer, sich Distributionsweisen vorzustellen, die von der Reziprozität solch wertbestimmt sächlicher, kommerzieller Austauschbeziehungen abweichen, ohne daß damit ein Rückfall in jene kultisch gestützten herrschaftlichen Aneingungs- und Zuteilungsformen impliziert ist, die durch den kommerziellen Austausch doch gerade überflüssig gemacht und als für die Struktur der Gesellschaft grundlegender Faktor entmachtet erscheinen.

Einen ökonomischen Sektor indes gibt es auch in der um das dynamische Zentrum des kommerziellen Austauschs organisierten Polisgemeinschaft, der dem Prinzip eines in der objektiven, wertbestimmten Reziprozität sächlicher Leistungen bestehenden Distributionssystems der Sache nach nicht entspricht und der deshalb nach einer Vermittlung mit dem System verlangt, die Übersetzung seiner Verfahrensformen in systemkonforme Funktionsbestimmungen nötig macht. Gemeint ist der Bereich der abhängig Beschäftigten, jener erwähnte Bereich der Gelegenheitsarbeiter und Tagelöhner, die vornehmlich in Handel und Schiffahrt, zunehmend aber auch in den dem Handel zuarbeitenden Gewerken als Hilfskräfte und Handlanger, als Lastenträger, Stauer, Schiffsleute, als Hilfsarbeiter in den Betrieben, als Fuhrleute und Laufburschen gebraucht werden. Was diese Lohnarbeiter von ihren Arbeitgebern erhalten, sind sächliche Leistungen, sind die materiellen Mittel, die sie für ihre Subsistenz, ihren Lebensunterhalt, brauchen. Was sie ihren Arbeitgebern im Austausch gegen die Subsistenzmittel, als Äquivalent für sie, liefern, sind indes keine sächlichen Leistungen, keine Arbeitsprodukte, sondern sind vielmehr persönliche Dienste, reine Arbeitsleistungen, ist Muskelanspannung, physisches Funktionieren, aufgewandte Körperkraft. Anders als die normalen Mitwirkenden im kommerziell organisierten, qua Polis etablierten Verbund aus arbeitsteilig erwirtschafteter Subsistenz und marktförmig akkumuliertem Reichtum, anders mithin als die von den Erzeugnissen der Arbeit ihrer Hände lebenden Handwerker leisten diese, von ihrer Hände Arbeit in abstracto lebenden Mitarbeiter zu dem in den Händen der Handeltreibenden akkumulierten potentiellen Reichtum, den auf dem Markt versammelten Waren, keinen sächlichen Beitrag, sind sie am materialen Aufbau und am substantiellen Erhalt des für die Subsistenz der Arbeitenden und für den herrschaftlichen Konsum gleichermaßen verfügbaren Fundus an Gütern nicht beteiligt. Beteiligt sind sie vielmehr bloß am funktionellen Betrieb und an der technischen Verwaltung jenes Güterfundus. Nur dafür, daß sie die von anderen hergestellten oder kommerziell beschafften Subsistenzmittel und Konsumgüter transportieren, depeschieren, organisieren, sortieren, registrieren, erhalten sie aus dem Fundus der also betreuten Güter ihren für die eigene Subsistenz erforderlichen Anteil.

So gesehen, findet in diesen Fällen aber auch kein Austausch im handgreiflichen Sinne statt, kein reziprokes, am herkömmlichen Wertverhältnis sächlicher Leistungen sich bemessendes Geben und Nehmen, bei dem marktförmig organisierter Kommerz und handwerklich differenzierte Arbeit, Zirkulation und Produktion in einem systematischen Interessenverbund zusammengeschlossen sind, der den Vertreter des Markts, den Handeltreibenden, in der zweifachen Funktion ausweist, ebensosehr zu Lasten der Produzenten Reichtum zu akkumulieren, wie zum Nutzen der Produzenten Subsistenzmittel zu distribuieren, während er dem handwerklich Arbeitenden, dem Produzenten selbst, die Doppelrolle zuweist, gleichermaßen durch die von ihm zur Verfügung gestellten Produkte zum Vorteil des Handeltreibenden den Markt zu konstituieren, wie zu seinem eigenen Nutzen an den durch den Markt verfügbar gemachten Gütern zu partizipieren. Von solch sächlich bestimmtem Geben und Nehmen kann bei den Lohn- und Gelegenheitsarbeitern, die der kommerzielle Handel und Wandel der Polis auf den Plan ruft und in Brot setzt, keine Rede sein. Was diese abhängig Beschäftigten nehmen, ist das gleiche, was auch die arbeitsteilig Güter für den Markt erzeugenden handwerklichen Produzenten nehmen: Subsistenzmittel, die sie qua Markt versammelt finden. Was sie dafür geben, sind hingegen keine handwerklich erzeugten Güter; vielmehr geben sie ihre abstrakte Arbeitskraft, die sie im Dienste nicht der Konstituierung und Erhaltung des Markts, sondern bloß seiner Organisation und Verwaltung betätigen, die also nicht die substantielle Existenz des kommerziellen Systems zu begründen taugt, sondern nur seine funktionelle Konsistenz zu gewährleisten dient. Weit entfernt davon, nach Art der handwerklichen Produktion eine bei aller Bedingtheit und Geprägtheit durch das kommerzielle System eigenständige Sphäre zu bilden, die mit letzterem kontrahiert und das heißt, zu ihm eine auf Reziprozität, auf vergleichbare sächliche Leistungen, auf Äquivalententausch gegründete und deshalb formell zumindest gleichberechtigte Beziehung unterhält, fällt diese Dimension der abhängigen Beschäftigung von vornherein auf die Seite des kommerziellen Systems, ist sie ein ganz und gar integrierender Bestandteil des letzteren, ein in seinem Rahmen gesetztes und sich entfaltendes Moment, ist sie, mit anderen Worten, kein objektiver Kontrakt, keine im Vergleich von Äquivalenten, in der Relation von Arbeitsprodukten zu Gütern des Markts, bestehende mittelbar-unpersönliche Sachbeziehung, sondern eine Dienstleistung von Subjekten, ein an ein und demselben sächlichen Substrat, den Gütern des Markts, sich abspielendes unmittelbar-persönliches Arbeitsverhältnis. Weit entfernt davon, daß es wie bei der Sphäre des unabhängigen Äquivalententauschs bei dieser Dimension abhängiger Arbeitsverhältnisse darum zu tun wäre, durch die

Belieferung des Marktes mit Arbeitsprodukten einen am Maßstab der Wertbestimmung der letzteren sich bemessenden Anspruch auf die in den Händen der Handeltreibenden befindlichen, als Handelsgüter auf dem Markt bereits vorhandenen Produkte zu erwerben, geht es hier ausschließlich darum, nach Maßgabe der den Handeltreibenden geleisteten Dienste, der in ihrem Auftrag verrichteten Arbeit, an jenen bereits in den Händen der Handeltreibenden befindlichen Produkten, jenen kommerziellen Gütern zu partizipieren, sich das Anrecht auf einen Teil davon zu sichern.

Die Maßgabe allerdings, nach der das geschieht – sie eben ist das Problem. So unzweifelhaft und klar der Maßstab traditionell bewährter Wertrelationen ist, nach dem sich Arbeitsprodukte und Handelswaren, Güter in den Händen der Produzenten und Güter in den Händen der Handeltreibenden gegeneinander austauschen, so zweifelhaft und unklar ist auf den ersten Blick das Maß, nach dem sich die im Umkreis von Handel und Gewerbe Raum greifende neue Spezies ebenso sekundärer wie unentbehrlicher Hilfsdienste, ebenso systematisch konkreter wie objektiv abstrakter Arbeitsleistungen gegen die als Subsistenzmittel benötigten kommerziellen Güter, um derentwillen die Leistungen erbracht werden, tauschen läßt. Sicher ist auf den ersten Blick nur, daß die Maßgabe auf keinen Fall dort gesucht werden darf, wo sie dank der Tatsache, daß die neue Spezies von Arbeitsleistungen in der gesellschaftlichen Form eines nicht sächlich vermittelten, sprich persönlichen, Abhängigkeitsverhältnisses auftritt, am leichtesten zu finden und am ehesten zu haben scheint: in der Orientierung nämlich am Modell und Vorbild des traditionellen herrschaftlichen Frondienstes, der um nichts als um der eigenen Subsistenz willen geleisteten Arbeit im Dienste herrschaftlicher Reichtumbildung. Dieses Modell knechtischer Fronarbeit, wie es in den der Polis angegliederten Oikoi nach wie vor Norm ist, dieses Modell also eines aller reziproken Tauschbeziehung baren Ausbeutungsverhältnisses, in dessen Rahmen Arbeit im Dienste des Herrn durch einen beziehungslos absoluten Anteil an den Früchten der Arbeit entlohnt, das vom Knecht geschaffene Mehrprodukt ohne Rücksicht auf seine relative Größe mit einem als subsistentielle Notwendigkeit anerkannten herkömmlichen Fixum vergolten, kurz, alles, was die traditionelle Subsistenz übersteigt, vom Herrn als sein eigen, als Reichtum, abgeschöpft wird – dieses Modell paßte partout nicht in den auf reziproke Leistungsbeziehungen gegründeten sozialen Zusammenhang der Polis, widerstritte eklatant ihrer den sozialen Zusammenhalt stiftenden und im Äquivalententausch, in der Vergeltung von Gleichem mit Gleichem bestehenden Konstitution. Die an ihm orientierten, an ihm das Maß sich nehmenden abhängigen Arbeitsverhältnisse wären ein Fremdkörper im Corpus der Polis, der, solange sie die Ausnahme und auf kleinere Teilbereiche beschränkt blieben, vielleicht noch eine erträgliche Moleste, ein vernachlässigenswertes Übel wäre, der aber in dem Maß, wie sie sich ausbreiteten und zu einem der Tauschbeziehung ebenbürtigen Regelfall des Wirtschaftslebens der Polis würden, nur zu rasch zu einem die Lebensfähigkeit des neuen Gemeinschaftstyps bedrohenden Pfahl im Fleisch sich auswachsen müßte. Und daß die abhängigen Arbeitsverhältnisse sich ausbreiten, daß sie zu einem den sächlichen Tauschbeziehungen das Wasser reichen könnenden Paradigma werden, dafür sorgt ja nun das Tauschsystem selbst, das im Zuge seiner seehandelsgestützt-marktmäßigen Entfaltung eben solch abhängige Arbeitsverhältnisse in Gestalt von funktionellen Hilfs- und organisatorischen Handlangerdiensten systematisch hervortreibt und zur durchaus typischen Erscheinung werden läßt. Würde also die Maßgabe für die Entlohnung solcher Arbeitsverhältnisse im traditionellen Frondienst gesucht und gefunden, die Polis schaufelte sich ihr eigenes Grab und züchtete im dynamischen Zentrum ihres Bestehens eben die herrschaftliche Sozialformation wieder heran, deren Ausschluß aus ihrem Zusammenhang sie ihre selbständig-neuartige Existenz doch gerade verdankt.

Dabei ist gegen das Erfordernis eines von der Maßgabe herrschaftlicher Fron unterschiedenen und mit dem Vergütungskriterium des sächlichen Äquivalententauschs kompatiblen Maßstabs für die Entlohnung abhängig-abstrakter Arbeitsleistungen keineswegs ein Einwand, daß sich, wie oben bemerkt, diese Entlohnung faktisch oder der empirischen Relation nach zunehmend den alten Bedingungen herrschaftlicher Ausbeutung annähert. Dank einerseits der Freisetzung von Arbeitskräften, die das kommerzielle System der Polis intern bewirkt, und dank andererseits der Anziehungskraft, die es extern auf Arbeitskräfte ausübt, sorgt es im Blick auf die rasch wachsende Zahl von abhängigen Beschäftigungen, Lohnarbeitsverhältnissen, die es kreiert, für eine sogar noch rascher wachsende Zahl von Bewerbern und setzt diese damit unter einen Konkurrenzdruck, der ihm erlaubt, ihren Lohn zunehmend auf ein Minimum, die nackte Subsistenz, herunterzudrücken und insofern materiell eine der herrschaftlichen Ausbeutung vergleichbare Situation, die Situation nämlich einer gegen nichts als die Subsistenz aufgewogenen Reichtumproduktion, einer relationslos-abstraktiven Abschöpfung des vom Produzenten geschaffenen Mehrprodukts, herzustellen. Aber weit entfernt davon, daß dies von den Betroffenen akzeptiert und als ein nur eben nicht am Äquivalententausch, sondern an Fronarbeit orientierter, mithin der traditionellen Maßgabe herrschaftlicher Verhältnisse verpflichteter Regelfall gelten gelassen würde, fordert es sie vielmehr als anstößige Regelwidrigkeit und schreiende Ungerechtigkeit heraus und erzeugt bei ihnen jenes Gefühl ökonomischer Benachteiligung, jenes soziale Ressentiment, das in dem Maße, wie es die Züge eines vom ökonomischen System der Polis quasi automatisch aufgebauten politischen Spannungspotentials annimmt, aus ihnen die dritte der den Zusammenhalt und Bestand der Polis gefährdenden Problemgruppen werden läßt, von denen oben die Rede war. So gesehen, ist aber die tendenzielle Koinzidenz hier der minimalen Entlohnung der im Rahmen des kommerziellen Systems geleisteten abhängigen Arbeit mit dort der subsistentiellen Abfindung einer im Dienste herrschaftlichen Konsums verrichteten Fronarbeit in der Tat kein Einwand gegen das Erfordernis eines von der Maßgabe des herrschaftlichen Ausbeutungsmodells unterschiedenen und der Norm des Äquivalententauschs entsprechenden Maßstabs für die Entlohnung polisintern abhängiger Arbeit, sondern im Gegenteil die Bestätigung dafür: Eben weil im Rahmen der Polis ein anderes Modell als das des auf Reziprozität der Leistungen abgestellten Austauschs nicht mehr akzeptabel ist und der Konstitution der Polis wesentlich widerstreitet, erfahren die Lohnarbeitenden ihre situativ bedingte und nämlich durch die eigene Überzahl und Konkurrenz verschuldete subsistentielle Minimalisierung und Annäherung an herrschaftliche Fronverhältnisse als Zumutung und Unrecht, Diskriminierung und Deklassierung, und reagieren darauf mit der Ausbildung eines für die Einheit und den Bestand der Polis gefährlichen Ressentiments und Oppositionsbewußtseins.

Das Maß für die Entlohnung der abhängig Arbeitenden ist die Verausgabung von Körperkraft in der quantitativen Bestimmung ihrer zeitlichen Dauer. Indem dieses in den sächlichen Produkten für den Markt nur erst latente Maß in den persönlichen Leistungen für den Markt manifest wird, schlägt die Stunde des Geldes. Bis dahin ist das Geld nichts weiter als ein kommodes Zirkulationsmittel. Als wechselweise symbolischer Repräsentant und reales Äquivalent der den Markt passierenden Produkte ist das Geld bloß katalytisches Zirkulativ, das durch die Aufspaltung des Austauschprozesses den Austausch erleichtert und die Austauschmöglichkeiten totalisiert.

Worin besteht nun also das von der Richtschnur der frondienstlich-bloßen Subsistenz unterschiedene Maß für die Entlohnung ihrer abstrakten Arbeitsleistungen, auf das sich die abhängig Arbeitenden in der Polis ex negativo ihres Ressentiments und ihrer politischen Oppositionshaltung berufen? Wie kann dieses Maß dem Maßstab des kommerziellen Äquivalententausches entsprechen, obwohl es doch abstrakte Arbeitsleistungen, reine Verausgabungen von Körperkraft, und keine materiellen Produkte, keine sächlichen Beiträge sind, was die abhängig Arbeitenden zum Austausch bringen? Genau dies indes, daß sie Körperkraft aufwenden, Körperfunktionen ausüben, körperliche Tätigkeit verrichten müssen, ist ja eigentlich alles andere als ein ausschließliches Kennzeichen der abhängig Arbeitenden, ist ja im Gegenteil etwas, das sie mit den unabhängig Produzierenden verbindet, ist, recht besehen, eine zwischen den einen und den anderen als Vergleichsebene oder Maßgröße geltend zu machende Gemeinsamkeit. Zwar bringen im Unterschied zu den abhängig Arbeitenden die unabhängig Produzierenden fertige Produkte, materielle Güter zum Austausch, aber um diese Güter zu verfertigen, haben ja auch sie Arbeitskraft verausgaben, Körperfunktionen ausüben, körperliche Tätigkeiten verrichten müssen. So gesehen, reduziert sich der Unterschied zwischen beiden darauf, daß im einen Fall die Arbeitskraft für die Produktion der Güter verausgabt wird und bereits in ihnen steckt, wenn sie in die Zirkulation kommen, auf dem Markt erscheinen, während sie im anderen Falle für die Zirkulation der produzierten Güter verausgabt, in sie hineingesteckt wird, während sie sich bereits auf dem Markt befinden. Um Arbeitskraft, körperliches Funktionieren, Tätigkeit des Subjekts handelt es sich im einen wie im anderen Fall, und damit scheint in der Tat denn der gemeinsame Nenner vorhanden, der als verbindliches Maß für die sächlichen Leistungen unabhängiger Produzenten und für die persönlichen Dienste abhängig Beschäftigter taugt.

Dabei ist, was an diesem gemeinsamen Nenner nun als Zählgröße reklamiert, an diesem formell Gleichnamigen als reell Gleichförmiges in Anspruch genommen, an diesem qualitativen Maß verausgabter Arbeitskraft als quantifizierbare Maßbestimmung geltend gemacht wird, etwas der Sache reichlich Äußerliches und an ihr denkbar Abstraktes: die Dauer der Verausgabung, dies, wieviel von der ihm zu Gebote stehenden Zeit der produktiv oder zirkulativ Arbeitende für seine sächliche oder persönliche Arbeitsleistung aufwendet. Diesem Zeitfaktor der Arbeit, diesem Aspekt der Dauer bei der Verausgabung von Arbeitskraft als dem im Rahmen des Arbeitstages em ehesten kalkulierbaren, am leichtesten quantifizierbaren Moment des Arbeitsprozesses – ihm wird nun die Last der Vergleichung, die Sicherstellung von Äquivalenz beim Austausch sächlicher Leistungen und persönlicher Dienste aufgebürdet. Ausgetauscht werden in der konkreten Gestalt von produzierten Gütern ebenso wie in der abstrakten Form von zirkulativen Diensten Zeitquanten, Anteile des nach seinem zeitlichen Ablauf, seiner lebenszeitlichen Dimension für alle gleichen Arbeitstages, Proportionen jenes auf seinen abstrakten Erstreckungscharakter, seinen egalen Kontinuumsprospekt reduzierten gemeinsamen Nenners verausgabter Arbeitskraft, der eben durch solche Reduktion als ein zwischen den unterschiedlichen Arbeitsleistungen im ökonomischen System der Polis nicht nur formelle Gleichnamigkeit stiftender, sondern mehr noch reelle Gleichförmigkeit schaffender Maßstab sich bewährt.

Wie reell ist indes solche Gleichförmigkeit, wie sachgetreu ist der in ihr Gestalt gewinnende Maßstab? Sind nicht die in verschiedenen gesellschaftlichen Tätigkeitsbereichen und unter unterschiedlichen gesellschaftlichen und natürlichen Reproduktionsbedingungen aufgewendeten Arbeitskräfte und dementsprechend auch die durch sie erbrachten Leistungen ihrer Art und Intensität nach im Sinne qualitativer Unreduzierbarkeit voneinander verschieden? Ist nicht, so gesehen, die Behauptung einer ebenso kontinuierlich-homgenen wie einheitlich-allgemeinen Arbeitskraft, die sich bloß nach ihrer zeitlichen Länge abmessen, nach der Dauer ihrer Ausübung portionieren läßt, schierer Nominalismus, ein bodenloses Konstrukt, das durch Rückführung des vielen qualitativ Verschiedenen auf den alleräußerlichsten gemeinsamen quantitativen Aspekt nichts als einen Schein von Vergleichbarkeit herstellt? Und kann, wenn dieser Schein nun auch Realität gewinnt und für den Austausch des vielen Verschiedenen maßgebende Bedeutung erlangt, ernsthaft von Reziprozität, von Äquivalententausch, von einem gerechten Aufwiegen der wechselseitigen Leistungen die Rede sein? So berechtigt indes solche Skepsis grundsätzlich sein mag, so wenig ist sie de facto der ökonomischen Situation der Polis am Platze, so sehr ist vielmehr die Ausbildung der abstrakten Arbeitszeit zum verbindlichen Maßstab für verschiedene polisinternen Arbeitsleistungen als empirische Widerlegung jenes skeptischen Einwandes zu verstehen. Schließlich ist dieser für den Austausch der verschiedenen Arbeitsleistungen maßgebende abstrakte Maßstab keine willkürliche Setzung, nicht Resultat einer systematischen Verfügung, sondern unwillkürliche Erscheinung, Konsequenz einer empirischen Entwicklung. Was er anzeigt, ist die tatsächliche Homogenisierung, der in der wesentlich auf handwerkliche Produktion abgestellten Ökonomie der Polis die Arbeit unterliegt, die wirkliche und ins Detail der Arbeitsprozesse ausgeführte Vergleichbarkeit, die sie hervorkehrt; wofür er also steht, ist die Tatsache, daß sich ebensosehr als Paradigma wie als Regelfall ökonomischer Tätigkeit in der Polis zunehmend die mit Hilfe von Werkzeugen geübte Handarbeit, die relativ autonome, weil von nichtmenschlichen Vorgängen, äußeren Naturprozessen weitgehend unabhängige, und relativ intensive, weil auf eine ebenso dosiert-kontinuierliche wie routiniert-eigeninitiative Anwendung körperlicher und geistiger Kräfte angewiesene, Bearbeitung anorganischer und organischer Rohstoffe und Objekte herausstellt.

Dieser Typus der ausschließlich werkzeugvermittelten, routiniert- selbstgesteuerten handwerklichen Arbeit ist es, der als Musterfall des ökonomischen Tuns in der Polis eine handgreifliche Homogenität und empirische Gleichartigkeit zwischen den verschiedenen Tätigkeiten stiftet und der, indem er die gleichermaßen abstrakt-autonome und kontinuierlich-intensive Ausübung von menschlicher Arbeitskraft als einen alle objekt- und funktionsspezifischen Besonderheiten der Gewerke überwiegenden gemeinsamen Nenner zum Tragen bringt und als ein alle qualitativen Unterschiede in den Arbeitsverfahren zu sekundären Tätigkeitsmerkmalen herabsetzendes durchgängiges Charakteristikum in den Vordergrund rückt, der im Umkreis von Handel und Gewerbe Raum greifenden neuen Klasse abhängig Arbeitender in der Tat die Handhabe bietet, sich auf ihn als auf ein ebensowohl das eigene Procedere repräsentierendes Grundmodell zu berufen und in der für die Bewertung seiner sächlichen Leistungen maßgebenden kontinuierlich-intensiven Verausgabung von Arbeitskraft auch und gerade das Maß für die Veranschlagung der eigenen, in nichtsächlicher Form von ihnen erbrachten Dienste zu finden. Weit entfernt also, daß die abhängig Arbeitenden, um die von ihnen erbrachten Leistungen mit den Beiträgen der unabhängig Werkenden in Vergleich setzen und an dem von letzteren betriebenen Austauschsystem nach dessen spezifischen Konditionen partizipieren zu können, den qua verausgabte Arbeitskraft geltend gemachten gemeinsamen Nenner oder Vergleichsmaßstab den unabhängig Werkenden oktroyieren, sie über ihn als über einen von Haus aus fremden Leisten schlagen müßten, drängt sich ihnen im Gegenteil dieser Maßstab als eine in der vergleichsweisen Homogenität der polisintern handwerklichen Produktion und in der relativen Intensität und Kontinuität der Arbeiten, die im Zusammenhang solcher Produktion verrichtet werden, ebenso strukturell angelegte wie kommerziell entfaltete Realabstraktion auf; statt den unabhängigen Werktätigen eine Gemeinsamkeit nachweisen zu müssen, die sich über die Vielfalt und die qualitativen Besonderheiten ihrer einzelnen Gewerke hinwegsetzte und ihnen Gewalt antäte, können die abhängigen Beschäftigten vielmehr auf ein im Schoße der ebenso relativ homogenen wie vergleichsweise autonomen Produktionssphäre der Polis entwickeltes und in der Maske sächlicher Werte längst für den Austausch der Produkte maßgebendes Realsubstrat zurückgreifen, um es der Verborgenheit seiner es als Wert verkörpernden sächlichen Masken zu entreißen und im direkten Vergleich mit der sans phrase erscheinenden Arbeitskraft der abhängig Beschäftigten selbst, im umstandslosen Austausch mit den Verausgabungen ungegenständlichen Arbeitskraft, die letztere zu Markte tragen, als das gemeinsame Maß des Austauschs, das es bereits ist, offenbar werden zu lassen.

Und nicht nur das Maß, die verausgabte Arbeitskraft, auch die Maßbestimmung, die sie praktisch zum Maßstab macht, die Arbeitszeit, an der sie bemessen wird, ist mitnichten von der Art, daß sie den unabhängig Handwerkenden von den abhängig Beschäftigten zum Zwecke der Integration der letzteren in den Vergleichs- und Austauschzusammenhang der ersteren allererst zwangsweise nachgewiesen, sprich, oktroyiert werden müßte. Schließlich sind im polisinternen System eines auf handwerklich-arbeitsteiliger Produktion basierenden Austauschs bestimmend für den Wert des Ausgetauschten nicht mehr wie im rein auf herrschaftlichen Konsum abgestellten Austauschsystem die Menge überschüssiger eigener Güter, die für den Austausch zur Verfügung stehen, und die Größe des konsumtiven Bedürfnisses nach anderen, gegen die eigenen Überschüsse einzutauschenden Gütern; weil vielmehr das, was die beteiligten Produzenten hier zu Markte tragen, arbeitsteilig erzeugte und eben dieser arbeitsteiligen Erzeugung wegen auf den Austausch angewiesene Subsistenzmittel, zum eigenen Lebensunterhalt nötige, aber nur im Austausch mit anderen als Lebensmittel realisierbare Produkte sind und weil also das Bedürfnis nach anderen Gütern kein bloß konsumtives Genußstreben mehr, sondern das immer gleich große und immer gleich dringliche Verlangen nach Subsistenz, nach Erhaltung des Lebens ist, kann hier nun bestimmend für den relativen Wert der auszutauschenden Güter nicht diese als im Prinzip ständig gleich und immer unverändert vorauszusetzende subsistentielle Notwendigkeit sein; statt dessen wird, wie gesagt, maßgebend für jenen austauschrelativen Wert die zur Herstellung und Beschaffung der Subsistenzmittel, will heißen, zur Befriedigung des subsistentiellen Bedürfnisses nötige Anstrengung von Körper und Geist, kurz, die zur Hebung der Lebensnot aufzuwendende Arbeitskraft. Und woran läßt sich nun aber unter der Voraussetzung von im übrigen annähernd gleichen Arbeitsbedingungen, das heißt, unter der Voraussetzung der relativen Homogenität und kontinuierlichen Intensität der Formen, in denen sie ausgeübt wird, diese Arbeitskraft leichter bemessen, woran läßt sich leichter die für sie als praktischer Maßstab erforderliche quantitative Bestimmung finden, als an der für ihre Verausgabung aufgewendeten Zeit? So gewiß die Formen, in denen im handwerklich dominierten Produktionssystem der Polis Arbeitskraft verausgabt wird, bei aller Verschiedenheit der Arbeitswerkzeuge, Arbeitstechniken und Arbeitsmaterialien sich im Blick gleichermaßen auf die dispositionelle Souveränität und die kontinuierliche Intensität der Verausgabung als relativ gleichförmig erweisen, so gewiß bietet sich an und bleibt mangels kraftspezifischerer Meßmethoden eigentlich auch nur übrig, als Maßbestimmung den äußeren Zeitrahmen zu akzeptieren, in dem die Arbeitsprozesse sich abspielen, als Meßlatte das abstrakte Zeitkontinuum gelten zu lassen, in dem die Verausgabung der Arbeitskraft stattfindet. Welchen Wert die Produkte relativ zueinander haben und gegen wieviel von den anderen Produkten sie sich jeweils austauschen, darüber entscheidet also in dem nicht mehr durch herrschaftliche Konsumbedürfnisse auf Basis frondienstlicher Überschüsse, sondern durch handwerkliche Subsistenzerfordernisse auf der Grundlage einer arbeitsteiligen Mehrproduktion geregelten internen Austauschsystem der Polis der für die Herstellung des jeweiligen Produkts durchschnittlich verausgabte Teil der Gesamtarbeitskraft, die dem Produzenten für die Sicherung seiner Subsistenz zur Verfügung steht, dargestellt in dem Quantum Zeit, das der Produzent von seinem Arbeitstag, von dem ihm zur Verausgabung seiner Arbeitskraft zur Verfügung stehenden Gesamtzeitraum, im Durchschnitt dafür aufwenden muß.

Nicht, daß dieser im Blick auf die Wertbestimmung, die Austauschqualität der Produkte, in der Polis vollzogene Paradigmenwechsel weg von der als Bestimmungsgrund figurierenden Größe herrschaftlicher Konsumbedürfnisse und Stärke herrschaftlicher Konsumgewohnheiten und hin zu dem nunmehr als Maßstab firmierenden Quantum handwerklicher Arbeitszeit in den zum Austausch kommenden Produkten selbst sichtbar würde oder auch nur den Austauschenden als ein fait accompli bewußt wäre. Weil ja, was sich an jenem Bestimmungsgrund oder an diesem Maßstab bemißt, immer gleich als Wert erscheint und das heißt, in objektivierter Gestalt, in der Form einer dinglichen Eigenschaft oder eines sächlichen Verhältnisses auftritt, weil es sich also kraft des Austauschzusammenhanges, in dem es überhaupt nur virulent wird, je schon als vergegenständlichte Austauschproportion, als ein im Reziprozitäts- oder Äquivalenzverhältnis zu anderen Produktquanten begriffenes bestimmtes Quantum des jeweiligen Produktes darstellt – weil sich das so verhält, kann der Maßstab hier wie dort im Verborgenen und sein Wechsel praktisch unbemerkt bleiben. Daß der Wechsel indes vollzogen ist und daß der Wertmaßstab Arbeitszeit de facto der Austauschproportion der auf dem Markt zirkulierenden Güter Geltung gewonnen hat, dafür liefert den indirekten, aber deshalb nicht weniger schlüssigen Beweis eben die Leichtigkeit, mit der die im polisinternen Kraftfeld von Handel und Gewerbe rasch Raum greifende Gruppe der abhängig Beschäftigten oder im Lohnverhältnis Dienstleistenden sich in den durch Handel und Gewerbe konstituierten Austauschzusammenhang einfügt, mit welcher Selbstverständlichkeit sie die abstrakten Arbeitsleistungen, die sie erbringt, analog zu den konkreten Arbeitserzeugnissen der handwerklichen Produzenten in einer bestimmten Menge der auf dem Markt zirkulierenden Güter ihr Äquivalent, in einem bestimmten Quantum vergegenständlichten Wertes ihren Ausdruck finden läßt. Weil der Maßstab, an den sich zur Bemessung des Entgelts für ihre nicht sowohl produktiven als vielmehr zirkulativen Dienstleistungen die abhängig Beschäftigten nolens volens halten müssen, nämlich die abstrakte Arbeitsleistung als solche, die verausgabte Arbeitskraft in der Maßbestimmung der für ihre Verausgabung aufgewendeten Zeit – weil dieser Maßstab bereits das im Leben der Polis allgemein Geltung beanspruchende heimliche Vergleichsmaß und Austauschkriterium ist, das auch und nicht zuletzt maßgebend für den Wert der auf dem Markt zirkulierenden Güter ist und in ihm sich Ausdruck verschafft, eben deshalb wird, daß die abhängig Beschäftigten diesen Maßstab für die Festsetzung ihres Entgelts und Lohnes in Anspruch nehmen und sich auf diesem Wege, ohne über ein greifbares, sächlich ausweisbares Äquivalent zu verfügen, in den Äquivalententausch eingliedern, von allen Beteiligten einschließlich der abhängig Beschäftigten selbst nicht als problematisches Verhalten oder als außergewöhnlicher Vorgang, sondern als das Selbstverständlichste von der Welt, als ganz und gar logisches Verhältnis erfahren.

Wie fern den abhängig Beschäftigten selbst die Vorstellung liegt, dem kommerziellen Austausch der Polis durch ihre massierte Dazwischenkunft einen neuen, heteronomen Maßstab aufzudrängen, und wie sehr sie im Gegenteil ihre umstandslos Teilhabe am Äquivalententausch als eine dem ökonomischen System der Polis von Haus aus gemäße Konsequenz empfinden, dafür ist deutlichstes Symptom die Unzufriedenheit und Empörung, mit der sie auf die dem Konkurrenzdruck, unter den sie durch ihre Massierung sich selber setzen, geschuldete Tendenz reagieren, den Preis ihrer Arbeitskraft auf das Existenzminimum oder in dessen Nähe herunterzudrücken: Gegen diese Tendenz, sie praktisch oder empirisch aus dem äquivalenzbestimmten Austauschzusammenhang auszugliedern und in alte, quasi-herrschaftliche, subsistenzorientierte Ausbeutungsverhältnisse zurückzustoßen, pochen sie auf den theoretischen oder systematischen Wert, den ihrer Arbeitskraft der Umstand verleiht, daß alle im kommerziellen Austauschsystem der Polis zirkulierenden Güter eben in ihrer Werteigenschaft überhaupt nichts anderes sind als zeitlich gemessene Quanten verausgabter Arbeitskraft und also in letzterer ihr allgemeines Äquivalent, ihren Maßstab haben.

So gesehen, finden demnach die im Rahmen von Handel und Gewerbe abhängig Dienstleistenden, was sie als Maß ihres Anspruchs auf die auf dem Markt versammelten Subsistenzmittel geltend machen, nämlich die von ihnen verausgabte abstrakte Arbeitskraft, gemessen in der zeitlichen Dauer der Verausgabung, je schon als allgemein den kommerziellen Austausch bestimmenden Maßstab und als auch und nicht zuletzt für den Wert der handwerklichen Produkte, die zu Markte getragen werden, maßgebende Größe vor und können sich deshalb mit ihren statt der sächlichen Werte zum Austausch gebrachten persönlichen Leistungen ebenso unauffällig wie umstandslos in das ökonomische System der Polis eingliedern. Weit entfernt davon, eine neue Bezugsgröße und Bemessungsgrundlage in den aus zirkulativen Gütern oder sächlichen Werten gestifteten Austauschzusammenhang der Polis einführen zu müssen, um mit ihrer Hilfe das Lohnarbeitsverhältnis als auch eine Art von reziproker Vergütung oder Äquivalententausch geltend machen zu können, brauchen sie tatsächlich bloß auf das in effigie der zirkulativen Güter oder sächlichen Werte bereits vorhandene Maß zu rekurrieren, um es der Konkretion, in der es sich dort als verkörperter Wert, als quasi-dingliche Eigenschaft verbirgt, zu entreißen und in der des Lohnes werten eigenen abstrakten Arbeitsleistung als den für alles marktbezogen ökonomische Tun verbindlichen Maßstab manifest werden zu lassen. Allerdings geht, wie stets in solchen Fällen, das Manifestmachen in einem einfachen, folgenlosen Sichtbarmachen nicht auf, ist kein bloßes, die Sache selbst unberührt lassendes, das vorher Verborgene unverändert reproduzierendes Zutagefördern. Indem der allgemeine Maßstab, der im sächlichen Wert der Arbeitsprodukte der handwerklich Tätigen latent vorhanden ist, in der nach gleichem Schema vollzogenen Bewertung der persönlichen Dienstleistungen der abhängig Beschäftigten manifest wird, wirkt diese seine Manifestation verändernd auf sein latentes Dasein, seine Form als sächlicher Wert zurück. Was sich verändert, ist die systematische Rolle, die der sächliche Wert, der den Maßstab latent verkörpert, für den Marktzusammenhang spielt, und damit zugleich auch die strategische Stellung, die die handwerklich Tätigen, die Produzenten des sächlichen Werts, gegenüber dem Marktganzen einnehmen.

Anders als für die handwerklich Tätigen liegt ja für die persönlich Dienstleistenden, die das in den sächlichen Werten der ersteren nur erst latent vorhandene Maß, das den Austausch bestimmt, qua Lohnverhältnis manifest werden lassen, ihre Teilhabe am Verteilungsmechanismus des Marktes, an seiner Distribution, nicht darin begründet, daß sie zur materialen Schaffung des Marktes, zu seinem substantiellen Aufbau etwas beitrügen, sondern ausschließlich darin, daß sie sich um den funktionellen Betrieb des Marktes, seinen modalen Bestand verdient machen. Ihnen, den abhängig Beschäftigten, bietet sich deshalb auch der Markt selbst nicht mehr wie den unabhängig Produzierenden in einem ebenso empirisch-sinnenfälligen wie systematisch-täuschenden Sinne als ihr eigenes Werk dar, erscheint ihnen nicht mehr wie jenen als ein distributiver Zusammenhang, den sie ebensowohl bewirken, ins Leben rufen und mit Substanz versehen, wie sie sich seiner bedienen, um ihren Lebensunterhalt aus ihm zu ziehen, sich durch ihn die für ihre Subsistenz erforderlichen Güter zu sichern. Vielmehr präsentiert sich ihnen dieser Markt als etwas fix und fertig Vorausgesetztes, ein von ihrem Tun unabhängiges Gebilde sui generis, mit dem sie einen auf es bezogenen Leistungskontrakt schließen, um an der Distribution der in seinem Rahmen versammelten, mit ihm als ein ganz und gar objektives Faktum gegebenen Subsistenzmittel teilnehmen zu können. Was die im Dienste von Handel und Gewerbe abhängig Beschäftigten leisten, begründet einen Anspruch auf Vergütung, qualifiziert sie zur Teilnahme an der Distribution der qua Markt versammelten Güter, aber es ist kein produktiver Beitrag zu eben dieser Güteransammlung, ist nichts, was sie, die materialen Nutznießer des Marktes und von ihm distributiv Versorgten, zugleich als dessen reale Urheber und konstitutive Veranstalter ausweisen könnte. Sie erwerben sich, mit anderen Worten, zwar Anspruch auf die qua Markt versammelten Güter, haben aber keinen Anteil daran, sind zwar tauschpartnerschaftliche Teilnehmer, nicht aber genossenschaftliche Teilhaber am Markt.

Seinen systemspezifisch-praktischen Ausdruck findet dieser grundlegende Perspektivenwechsel, durch den der Markt für die abhängig Dienstleistenden aller Konnotationen einer quasi genossenschaftlichen Veranstaltung, einer wenn schon nicht seinen formalen Bedingungen, so jedenfalls doch seinen materialen Bestimmungen nach von den Arbeitenden selbst ins Leben gerufenen Konsumeinrichtung entkleidet und in eine objektive Gegebenheit oder eigenständige Totalität verwandelt erscheint, auf deren Versorgung sie, statt kraft produktiver Sachbeiträge primär Anteil an ihr zu haben, nurmehr mittels zirkulativer Dienstleistungen sekundär Anspruch erheben können – seinen systemspezifischen Ausdruck findet dieser Perspektivenwechsel darin, daß die Leistung, die von den abhängig Beschäftigten im Augenblick des Austauschakts als anspruchsbegründendes Faktum zur Geltung, die von ihnen als Äquivalent für die Subsistenzmittel, die sie vom Markt beanspruchen, zum Austausch gebracht werden, nicht wie bei den selbständig Arbeitenden ein als sichtbare Wirkung präsentes Produkt, ein in materialer Kontinuität mit der Güteransammlung, als die der Markt erscheint, erkennbares und ins Kontinuum dieser Ansammlung als realer Bestandteil überführbares Gut, sondern vielmehr ein als vergangenes oder zukünftiges Wirken absenter Prozeß, eine je schon ins Bestehen des Marktes übergegangene und zur unsichtbaren Identität mit dem Marktsystem als solchem verschwundene Tat ist. Nicht, daß nicht die Leistungen, die den Anspruch der abhängig Beschäftigten auf ein kommerzielles Äquivalent begründen, im Zusammenhang des Marktes höchst real und für dessen Bestand in der Tat unabdingbar sind! Aber eben weil diese Leistungen nicht der sächlichen Konstituierung und substantiellen Erhaltung des Marktes, sondern bloß seiner sachlichen Organisation und funktionellen Verwaltung dienen, sind sie im Augenblick des Austauschs der Äquivalente auch nicht als sinnenfälliger Beitrag des Arbeitenden präsent, stellen sie keine eigenständige Objektivität dar, mit der sich jener in aller Gegenwärtigkeit den Zugang zum Markt erkaufte, sondern präsentieren sich vielmehr als bereits in den Markt hinein Aufgehobenes, vom Marktsystem sei's aktuell oder per praeteritum Absorbiertes, sei's potentiell oder pro futuro Reklamiertes, sind je schon integrierendes Moment und struktureller Bestandteil eben des Distributionsmechanimus, für den sie der Arbeitende als Gegenleistung erbringt und dem er sie zum Austausch anbietet. Weit entfernt davon, daß die abhängig Beschäftigten mit den persönlichen Arbeitsleistungen, die sie zu Markte tragen, sich als seine substantiellen Stifter und materialen Urheber anschaulich zu bewähren und ihn selber damit als ihr genossenschaftliches Werk unter Beweis zu stellen vermöchten, kurz, einen markttranszendent oder produktionsbegründet sächlichen Anteil an seiner Distribution erwürben, zieht jede dieser Arbeitsleistungen, weil sie sich als je schon zum funktionellen Moment und strukturalen Bestandteil des Marktes selbst verflüchtigt und sei's modo praeterito von ihm absorbiert, sei's modo futuro von ihm reklamiert erweist, vielmehr immer nur eine Verstärkung des Eindrucks unvermittelter Eigenständigkeit und objektiver Gegebenheit nach sich, den er auf die abhängig Beschäftigten ohnehin macht, und sorgt dafür, daß diese dem durch ihr eigenes Tun als eine Totalität sui generis reaffirmierten kommerziellen System mit nichts als mit einem marktimmanent oder zirkulationsbedingt förmlichen Anspruch auf seine distributiven Segnungen gegenübertreten.

Wenn das aber so ist, wenn die abhängig Beschäftigten nicht einen in anschaulich gegenwärtigen Arbeitsprodukten bestehenden konkret-sächlichen Anteil an der Distribution geltend machen, sondern bloß einen aus absent vergangener oder künftiger Arbeit herrührenden abstrakt-förmlichen Anspruch auf Distribuiertes anmelden können, wie macht sich der angemeldete Anspruch dann eigentlich geltend, wie stellt er sich im Austauschakt dar, wie gewinnt er die für die kommerziellen Transaktion, den Wechsel der Äquivalente erforderliche Anschaulichkeit und Präsenz? Wie läßt sich die qua Anspruch angemeldete vergangene oder zukünftige Leistung gleichzeitig durch den Anspruch repräsentieren und als Äquivalent in den Austauschakt einbringen? Dies nun ist die Stunde des Geldes und der Anfang seiner atemberaubenden Karriere. Nicht, daß im Sinne einer allgemeinen Äquivalentform das Geld zu diesem Zeitpunkt nicht schon in Erscheinung getreten und auf dem Markt als fester Bestandteil des Austauschmechanismus vorhanden wäre! In diesem Sinne einer allgemeinen Äquivalentform entsteht das Geld quasi naturwüchsig auf dem Markt, wird es mit empirischer Zwangsläufigkeit aus den kommerziellen Austauschprozessen herausprozessiert, weil es als kommodes Zirkulationsmittel dazu taugt, materiale Beschränkungen des formalen Äquivalententauschs zu überwinden, subsistentiell bedingte Hindernisse beim kommerziell betriebenen Güterwechsel aus dem Weg zu räumen. Schließlich können der handwerkliche Produzent mit seinem arbeitsteilig erzeugten Produkt beziehungsweise der aristokratische Oikosbesitzer mit seiner marktbezogenen Agrarproduktion oder auch der territoriale Herr mit seinen Reichtumsüberschüssen nicht damit rechnen, als Äquivalent für die Güter, die sie zu Markte tragen beziehungsweise tragen lassen, auf Anhieb und umstandslos das von ihnen benötigte Subsistenzmittel oder den von ihnen gewünschten Konsumartikel vorzufinden. Damit sie in solchen Fällen nicht gezwungen sind, einen mehr oder minder komplizierten und wegen der Provision, die für jeden einzelnen Austauschakt der Marktrepräsentant einbehält, kostspieligen Ringtausch auf sich zu nehmen oder aber auf ihrem Produkt sitzenzubleiben und sich – im Zweifelsfall zum Schaden des Gebrauchswerts ihres Produktes – so lange in Geduld zu fassen, bis das ungleichzeitige Äquivalent, das sie haben wollen, auf dem Markt erscheint, kommt es zur Entwicklung eines markteigenen allgemeinen Äquivalents, eines als Übergangs- oder Überbrückungsstadium, als Zwischen- oder Parkstation firmierenden ubiquitären Gutes, mit dem sich das zu Markte getragene besondere Produkt erst einmal vergleicht und austauscht, in das es sich erst einmal übersetzt und verwandelt, um in seiner Gestalt sei's unmittelbaren Zugang zu allen auf dem Markt vorhandenen Subsistenzmitteln und Konsumartikeln zu gewinnen, sei's eine im Blick auf abwesende Bedürfnisbefriedigungsmittel dem Anspruch nach ebenso anerkannte wie der Geltung nach haltbare Warteposition zu beziehen.

Als allgemeines Äquivalent vertritt dieses dem handwerklichen Produzenten oder herrschaftlichen Konsumenten (beziehungsweise dessen Kommissär) auf dem Markt begegnende ubiquitäre Gut die Totalität der im kommerziellen Zusammenhang aktuell oder potentiell zirkulierenden Güter und gewährleistet deren aktuelle oder potentielle Zugänglichkeit und Verfügbarkeit. Zwar ist das allgemeine Äquivalent selbst von Haus aus ein bestimmtes Gut mit bestimmten Gebrauchseigenschaften, aber die Rolle eines allgemeinen Gegenwerts übernimmt es unter Hintansetzung seiner besonderen Eigenschaften, seines Charakters als Gebrauchsgegenstand, und vielmehr dank seiner Eignung, die anderen Güter auf dem Markt symbolisch zu repräsentieren, stellvertretend darzustellen. Zu sagen, woher ihm, dem besonderen Gut, dem Metall in genere und Edelmetall in specie, diese Eignung, als kommerzielles Symbol zu firmieren, kommt, hält im Prinzip der dafür erforderlichen sachlichen und gesellschaftlichen Grundbedingungen ebenso leicht wie im Detail der empirischen Umstände und historischen Motive, mittels deren diese Grundbedingungen sich konditionierend zur Geltung bringen, schwer. Physiologisch-äußere Gründe, die Haltbarkeit, Teil- und Quantifizierbarkeit, Verbreitung, Beweglichkeit des Edelmetalls, mischen sich mit psychologisch-inneren Motiven, vor allem der Bedeutung, die es als traditioneller Repräsentant herrschaftlichen Reichtums und als in dieser Form eines Reichtumsymbols im Opferkult bewährte Gabe an die Götter hat. Aber diese empirischen und historischen Wurzeln der Eignung des Edelmetalls, als allgemeines Äquivalent für die Vielzahl anderer Güter auf dem Markt zu firmieren, gehen uns hier nichts an und sind, wenn ihnen mit der Erwartung nachgeforscht wird, die marktspezifische Karriere des Geldes aus ihnen erklären zu können, eher dazu angetan, das aus den Marktmechanismen selbst und aus deren gesellschaftlichen Auswirkungen sich herleitende strukturell Neue und funktionell Entscheidende an der Karriere, die das als allgemeines Äquivalent vom Markt vereinnahmte Edelmetall qua Geld beginnt, zu verdunkeln und der Erkenntnis zu entziehen.

Genug also, daß seine naturalen Eigenschaften und seine kulturelle Vorgeschichte das Edelmetall dazu disponieren, als symbolischer Repräsentant für die Vielzahl der kommerziell versammelten Güter zu firmieren! Indem das Edelmetall als dieser symbolische Repräsentant auf dem Markt in Erscheinung tritt und eine Rolle zu spielen beginnt, erfüllt es eine ganz und gar marktimmanente, strikt zirkulative Funktion. Der Handeltreibende, der dem handwerklichen Produzenten oder herrschaftlichen Konsumenten als Gegenwert für dessen zu Markte gebrachtes Produkt oder Gut ein Quantum Edelmetall überläßt, tut das im expliziten Bewußtsein, daß es dabei nicht um dies besondere Gut, nicht um das Edelmetall als solches, sondern um es als allgemeines Äquivalent geht – wobei die Allgemeinheit des Äquivalents eben darin besteht, daß es als stellvertretende Erscheinung, als symbolischer Repräsentant für die Gesamtheit der aktuell oder potentiell auf dem Markt verfügbaren besonderen Produkte und Güter einsteht. Weil das Subsistenzmittel, das der Produzent (um ihn hier als pars pro toto derer, die Güter zu Markte tragen, gelten zu lassen) gegen sein Produkt eintauschen möchte, sich im kommerziellen System an anderer Stelle befindet und von dort nur durch umständliche, intermediäre Austauschprozesse herbeiholen läßt oder im Augenblick gar nicht vorhanden und erst in Zukunft wieder verfügbar ist, bietet der Handeltreibende dem Produzenten ein als Verpflichtungserklärung zu verstehendes Stellvertreterobjekt, das heißt, ein Unterpfand dafür oder einen Wechsel darauf, daß der Markt dem Produzenten das an dieser Stelle oder zu diesem Zeitpunkt nicht vorhandene Subsistenzmittel umstandslos an anderer Stelle oder unverzüglich bei nächster Gelegenheit zur Verfügung stellt.

Und diese in der Erscheinungsform eines Quantums Edelmetall vom Handeltreibenden abgegebene Verpflichtungserklärung, für die der Produzent ein im Werte entsprechendes Quantum seines Produkts ausliefert und ins kommerzielle System überwechseln, Bestandteil des Marktes werden läßt – sie verwandelt sich nun in der Hand des Produzenten in einen Berechtigungsausweis, in eine Option oder einen Titel auf ein im Werte dem Wertquantum des eigenen Produkts entsprechendes Quantum der Subsistenzmittel und Güter, die der Markt aktuell oder potentiell zu bieten hat. Das heißt, das in der Hand des Handeltreibenden als Verpflichtungserklärung erscheinende Edelmetall verwandelt sich, indem es in der Hand des Produzenten zum Berechtigungsausweis wird, aus einem symbolischen Repräsentanten der Güter auf dem Markt, der in Stellvertretung der letzteren als Äquivalent für das vom Produzenten angebotene Produkt fungiert, in einen symbolischen Repräsentanten dieses gegen es ausgetauschten Produkts, der an dessen Stelle als Äquivalent für die vom Produzenten nachgefragten Marktgüter figuriert. Sobald das nachgefragte Gut auf dem Markt vorhanden ist, tauscht der Produzent es mittels des Edelmetalls in seiner Hand ein, vollzieht also nach dem ersten Äquivalententausch, durch den das, was er dem Markt geben kann, dem Markt einverleibt wird, einen zweiten Äquivalententausch, durch den das, was er vom Markt haben will, aus dem Markt ausgelöst wird, und läßt das in beiden Fällen jeweils wechselweise als symbolischer Repräsentant und als reales Äquivalent dienende Tauschmittel damit an seinen Herkunftsort, in die Hand des Handeltreibenden, zurückkehren, wo es für eine abermalige Verwendung im gleichen Sinne zur Verfügung steht. Das Edelmetall in seiner Rolle als allgemeines Äquivalent tut, so gesehen, nichts weiter, als daß es zur Vermeidung von Umwegen beziehungsweise zur Überbrückung von Ungleichzeitigkeiten in der Zirkulation den ursprünglichen, einfachen Tauschakt in zwei systematisch getrennte und nach Bedarf räumlich oder zeitlich unabhängig voneinander vollziehbare Handlungsteile zerfallen läßt.

Dabei wird im ersten Teil der Handlung der Äquivalententausch nur nach der Seite des vom Produzenten dem Markt angebotenen Produkts wirklich abgewickelt, das aus der Hand des Produzenten in die des Handeltreibenden überwechselt und damit in die Zirkulation eingespeist wird, während er nach der anderen Seite, nach der Seite dessen, was der Produzent vom Markt für sein Produkt haben will, symbolisch, nämlich durch das allgemeine Äquivalent, das als Stellvertreter oder Übergangsobjekt für das vom Produzenten eigentlich verlangte Gut einspringt, vollzogen wird. Hingegen wird nun im zweiten Handlungsteil der Äquivalententausch nur nach der Seite des vom Produzenten verlangten Guts wirklich durchgeführt, das der Markt dem als Konsument auftretenden Produzenten überläßt, während sich auf der anderen Seite, der Seite der dem Produzenten vom Markt abverlangten Gegenleistung, jetzt das allgemeine Äquivalent befindet, das symbolisch für das bereits im ersten Handlungsteil dem Markt übergebene Produkt des Produzenten einsteht und symbolisch den Übergang dieses Produkts nachvollzieht. Das vom kommerziellen System in Gestalt des Edelmetalls installierte allgemeine Äquivalent bescheidet sich demnach ursprünglich mit der streng marktimmanenten Funktion eines katalytischen Zirkulativs, das dadurch, daß es den unmittelbaren Austauschvorgang aufspaltet, um die separaten Glieder zu zwei gleichartigen Vorgängen zu ergänzen und in der Rolle erst eines symbolischen Repräsentanten für das eine, und eines realen Äquivalents für das andere Glied und dann eines symbolischen Repräsentanten für das andere und eines realen Äquivalents für das eine Glied miteinander zu vermitteln, Austauschprozesse ermöglicht, die andernfalls wegen ihrer Umständlichkeit schwierig oder aus Gründen der Ungleichzeitigkeit unmöglich wären.

Der Eindruck der strukturellen oder formellen Gleichartigkeit der beiden separaten Vorgänge darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, daß sie funktionell oder reell durchaus unterschieden sind, insofern nämlich die beiden Aspekte der akkumulativen Mehrwertaneignung durch den Markt, die für den Austauschprozeß eine maßgebende Rolle spielen und die in seiner unmittelbaren Fassung noch unauflöslich vereint sind: der Erwerb von Mehrwert und seine Realisierung, jetzt ihrerseits separiert und auf die beiden Austauschvorgänge verteilt sind. Die Aneignung des Wertanteils, auf den der Handeltreibende Anspruch erhebt, findet dabei im ersten Abschnitt des durch das allgemeine Äquivalent vermittelten Austauschprozesses statt, wo der Produzent das von ihm auf den Markt gebrachte Produkt dem Handeltreibenden überläßt und dafür in Form des symbolischen Repräsentanten der auf dem Markt versammelten Güter nur ein uneigentlich so zu nennendes und nämlich um jenen Wertanteil gekürztes allgemeines Äquivalent erhält. Der zweite Abschnitt dagegen, in dem der Produzent als Konsument auftritt und das als symbolischer Repräsentant des Produkts, das er dem Handeltreibenden überlassen hat, fungierende allgemeine Äquivalent auf den Markt zurückbringt, um es dort gegen Subsistenzmittel oder Güter, die er benötigt, auszutauschen – dieser zweite Abschnitt dient ausschließlich der Realisierung des im ersten Abschnitt vollzogenen Werterwerbs: Obwohl der als Konsument auftretende Produzent jetzt in Gestalt von besonderen Äquivalenten den vollen Gegenwert für sein allgemeines Äquivalent erhält, ist, weil er im ersten Abschnitt dem Markt mehr Wert zugeführt hat, als er ihm jetzt im zweiten Abschnitt entzieht, das Ergebnis dies, daß der Markt mit einem Mehr an Wert, einer insgesamt vergrößerten Wertmasse aus dem Austauschprozeß hervorgeht. In beiden Hinsichten aber, in specie des in die Vermittlungstätigkeit des allgemeinen Äquivalents eingebetteten und in seinen zwei Momenten auf die beiden Etappen dieser Vermittlungstätigkeit aufgeteilten Aneignungsverfahrens nicht weniger als in genere der mit dem allgemeinen Äquivalent als symbolischem Repräsentanten durchgeführten Vermittlungsprozedur selbst, ist dies allgemeine Äquivalent, solange es marktimmanent und das heißt, auf den Güterverkehr beschränkt bleibt, ein stellvertretendes Objekt und Hilfsmittel, das, sosehr es als katalytisches Zirkulativ den Austauschprozeß begleitet, ihn ermöglicht und in Gang hält, doch himmelweit entfernt davon ist, ihn als synthetisches Konstitutiv zu bedingen, sich zu seiner Grundlage zu machen und seine Richtung zu bestimmen.

Das Nebeneinander von selbständigen Produzenten und abhängigen Dienstleistenden macht, daß das Geld gleichermaßen als symbolischer Repräsentant von konkreten Produkten und als reale Verkörperung abstrakter Arbeit fungiert. Indem es die Ansprüche beider Gruppen an den Markt vertritt, wird es zum synthetischen Konstitutiv, zu Geld im eigentlichen Sinne; das heißt, es befindet über den Wert der auf dem Markt versammelten Güter nach Maßgabe der allererst in ihm zusammengeführten und sich vergleichenden Totalität von Arbeitsleistungen, die einen Anspruch auf die Güter begründen. Die Wertkonstitution ist also nicht schon mit dem Akt der Güterproduktion abgeschlossen, sondern zeigt sich per medium des Geldes wesentlich in den Austauschprozeß hineinverlagert.

Genau das indes ändert sich mit der im kommerziellen System zunehmenden Einbürgerung und Verbreitung persönlicher Dienstleistungen, die von ihren Urhebern ganz ebenso wie die sächlichen Arbeitsprodukte handwerklicher Produzenten zu Markte gebracht oder, besser gesagt, für den Markt erbracht werden, um dort gegen die für den Lebensunterhalt der Dienstleistenden nötigen Subsistenzmittel ausgetauscht zu werden, und die aber, weil sie ja keine gegenwärtige, vorliegende Wirklichkeit, kein dingliches Sein, sind, sondern nur eine vergangene oder zukünftige Wirksamkeit, ein zeitliches Tun, darstellen, sich auch nicht als konkret-sächlicher Anteil am Markt beweisen, sondern nur als abstrakt-förmlicher Anspruch auf ihn behaupten können. Treten nun diese persönlichen Leistungen in den Äquivalententausch ein und treffen dort auf das als katalytisches Zirkulativ, als marktimmanentes Tauschmittel firmierende allgemeine Äquivalent, gewinnt letzteres für sie eine über die Stellvertreterfunktion oder symbolische Repräsentation weit hinausgehende Bedeutung. Indem sie sich gegen das als symbolischer Repräsentant der Totalität der Marktgüter firmierende allgemeine Äquivalent austauschen, damit es als ihr symbolischer Repräsentant den Marktgütern in der Rolle des allgemeinen Äquivalents gegenübertritt, kommt jener Austausch einer veritablen Wandlung, jene Transaktion einer regelrechten Transformation, um nicht zu sagen Transsubstantiation gleich. Weil anders als die handwerklich-sächlichen Produkte diese betrieblich-persönlichen Leistungen nicht ins kommerzielle System überwechseln, um als handgreifliche Güter auf dem Markt präsent zu sein, sondern auch nach dem Austausch nicht weniger als vorher nur als ein in seiner Vergangenheit oder Zukünftigkeit ebenso körperlich-immaterielles wie gesellschaftlich-reelles Faktum existieren, kann das gegen sie eingetauschte allgemeine Äquivalent sie nun auch nicht bloß symbolisch repräsentieren, stellvertretend zur Geltung bringen; vielmehr stellt es sich zwangsläufig als ihre vollgültige Ersatzfunktion, ihr, paradox ausgedrückt, realer Repräsentant heraus. Statt sich gegen das allgemeine Äquivalent auszutauschen und als ein hiernach auf dem Markt zirkulierendes Gut durch das vom Arbeitenden für es eingetauschte allgemeine Äquivalent symbolisch repräsentieren, als Anteil des Arbeitenden am Markt stellvertretend zur Geltung bringen zu lassen, gehen diese persönlichen Dienstleistungen im Austauschakt umstandslos in ihr Gegenüber ein, heben sich als solche in ihm auf und sind nurmehr im allgemeinen Äquivalent, mit dem sie sich nicht sowohl wechselseitig-kommerziell ausgetauscht als vielmehr leibhaftig-reell vertauscht haben, präsent, sind in ihm verkörpert, in ihm Gestalt geworden. Dies Gestaltwerden der abstrakt-persönlichen Dienstleistungen im allgemeinen Äquivalent löst also das oben im Blick auf die Leistungen registrierte Präsenzproblem in der Weise, daß es den ersten Teil des äquivalenzvermittelten Austauschprozesses, den ersten Abschnitt der durch das katalytische Zirkulativ skandierten kommerziellen Transaktion zu einer veritablen Präsentationsveranstaltung werden läßt, das heißt, zu einem Repräsentationsvorgang, der sich als epiphanisches Ereignis entpuppt und an dessen Ende nämlich das Repräsentierende das Repräsentierte restlos in sich aufgenommen hat und in ausschließlich eigener Gestalt verkörpert. Fortan vertritt in der ununterscheidbaren Selbigkeit seiner gediegenen Physis das in die Hände derer, die dem Markte zuarbeiten, gelangende allgemeine Äquivalent nicht mehr nur symbolisch-zeichenhaft die in den materiellen Gütern des Markts als Wert sich niederschlagende und erscheinende Arbeit der Produzenten, sondern verkörpert auch und ebensosehr epiphanisch-leibhaftig die im strukturellen Gebilde des Marktes als solchem investierte und aufgehobene und deshalb aber als Wert nurmehr im Äquivalent selbst sich darstellende und Gestalt annehmende Arbeit der Dienstleistenden.

Damit ist nun zwar das Problem der austauschrelevanten Präsenz jener zweiten, um sich greifenden Form von marktbezogen verausgabter, abhängig dienstleistender Arbeitskraft gelöst, aber gleichzeitig auch ein neues, größeres Problem geschaffen, eben das Problem der zwieschlächtigen Natur, die sich das allgemeine Äquivalent auf diesem Wege einhandelt. Nicht, daß die zwieschlächtige Natur, für sich genommen, schon eigentlich das Problem wäre! Daß sich das allgemeine Äquivalent gleichermaßen als symbolischer Repräsentant des Wertes von materiellen Gütern und als epiphanische Verkörperung des Wertes struktureller Leistungen, anders gesagt, in der Doppelrolle eines für Werterscheinungen einstehenden stellvertretenden Wertausdrucks und der für Wertsubstanz stehenden originären Wertform etabliert, ist ja nur Konsequenz der oben konstatierten Tatsache, daß den sächlichen Beiträgen oder materiellen Gütern einerseits und den persönlichen Leistungen oder strukturellen Diensten andererseits ein und derselbe Wertmaßstab, ein und dieselbe, in verausgabter Arbeitskraft bestehende Wertsubstanz zugrundeliegt oder daß, besser gesagt, diese Substanz, die für den Wert der nicht in sächlichen Produkten resultierenden Dienstleistungen abhängig Beschäftigter maßgebend ist, auch und ebensosehr das Maß für den Wert der aus den Arbeitsleistungen unabhängiger Handwerker resultierenden sächlichen Produkte abgibt. Daß diese gemeinsame Substanz, all ihrer ansichseienden Einheitlichkeit zum Trotz, dem allgemeinen Äquivalent der Werterscheinungen nun einen doppelsinnigen Charakter verleiht und es nämlich zum einen als symbolischen Repräsentanten der Werterscheinungen, mithin als Ausdruck vorhandener Werte, und zum anderen aber als epiphanische Verkörperung der Substanz als solcher, mithin als reine Wertform, als Substanz in der einfachen Objektivität einer sie als solche setzenden, das heißt, als Wert präsent machenden Materie oder als Maß in der unmittelbaren Bestimmtheit einer es als solches nehmenden, das heißt, als Maßstab zur Geltung bringenden Gestalt, mit Beschlag belegt, ist eben nur dem besprochenen Umstand geschuldet, daß diese wertbildende und als Wert den Maßstab des kommerziellen Austauschs abgebende Substanz, die verausgabte Arbeitskraft, in zunehmendem Umfang nicht mehr nur als sächlicher Arbeit entspringendes Produkt, als materielles Gut in Erscheinung, sondern als produktloser, aber für die Produktion zugleich unabdingbarer persönlicher Dienst, als strukturelle Leistung auf den Plan tritt, die, um im kommerziellen Austausch als Wert präsent zu sein und sich zur Geltung bringen zu können, eine den Werterscheinungen entsprechende sächliche Gestalt annehmen muß, die sie im allgemeinen Äquivalent beziehungsweise in dessen materieller Basis, dem Edelmetall, findet. Das also, insofern sich darin ja erst einmal nur die mehr und mehr Raum gewinnende Realität des marktvermittelt ökonomischen Systems der Polis widerspiegelt und artikuliert, ist nicht schon das Problem.

Zum Problem wird der zwieschlächtige Charakter, den das allgemeine Äquivalent als einerseits Wertausdruck, Repräsentant von Werten, und andererseits Wertform, Verkörperung von Wert, annimmt, vielmehr erst dadurch, daß die so vom allgemeinen Äquivalent vertretenen oder verkörperten Ansprüche an den Markt sich auf ein und dasselbe mittels Markt gegebene Substrat, nämlich auf die den einen der beiden Ansprüche, für die das Äquivalent einsteht, begründenden Werterscheinungen als auf ihr ebenso gemeinsames wie identisches Objekt beziehen. Wie ist das zu verstehen? Indem das allgemeine Äquivalent als symbolischer Repräsentant der Gütertotalität des Marktes per Austausch in die Hände derer, die dem Markt zuarbeiten, überwechselt, wird es dort zum Repräsentanten oder zur Verkörperung der Beiträge und Leistungen, die von den Arbeitenden für den Markt erbracht worden sind. Es vertritt oder verkörpert die in zeitlich verausgabter Arbeitskraft bestehende Substanz, die auf dem Markt als Wert erscheint. Es vertritt sie in einer den materiellen Gütern, die sie als Wert, als quasi materielle Qualität erscheinen lassen, gemäßen, austauschgerechten Weise: als Wertausdruck oder als Wertform. Und zwar vertritt es die Substanz, die verausgabte Arbeitskraft, um die Anteile am Markt oder die Ansprüche an ihn, die sich die Arbeitenden kraft ihrer erworben haben, gegen den Markt geltend zu machen, sie in den Austausch mit der Gütertotalität des Marktes einzubringen, sie gegen Teile dieser Totalität auszutauschen. In der Tat ist ja das allgemeine Äquivalent, wie zum einen Repräsentant, so zum anderen Äquivalent, will heißen, Repräsentant oder Verkörperung des Werts, den die Arbeitenden geschaffen haben und den sie nun in der Gestalt des Äquivalents als Gegenwert für die auf dem Markt erscheinenden Werte, die sie als Subsistenzmittel brauchen, zum Austausch bringen. Vertritt oder verkörpert das allgemeine Äquivalent in den Händen der Arbeitenden den Wert im Sinne der Anteile am Markt oder der Ansprüche auf ihn, die sich die Arbeitenden durch seine in ihren Sachbeiträgen oder Dienstleistungen bestehende Schaffung erworben haben, so vertritt es ihn aber als Äquivalent, das heißt, als Gegenwert für den Wert der zuvor aus den Händen der Arbeitenden im Austausch gegen allgemeines Äquivalent auf den Markt übergewechselten und dort als Gütertotalität versammelten Werterscheinungen. Das aber bedeutet, daß von einem wirklichen Äquivalenzverhältnis unmittelbar gar keine Rede sein kann, daß vielmehr im kommerziellen Austauschverhältnis offenbar Ungleiches aufeinander bezogen wird. Auf der einen Seite der Gleichung steht das als symbolischer Ausdruck des Wertes von Sachbeiträgen und als epiphanische Form des Wertes von Dienstleistungen firmierende allgemeine Äquivalent; auf der anderen Seite dagegen stehen nur die vom Äquivalent als Wertausdruck symbolisch vertretenen Sachbeiträge, die Totalität von Gütern, während der im Äquivalent als Wertform verkörperte, mittels Dienstleistungen erzeugte Wert auf dieser anderen Seite gar nicht auftaucht, als materielle, austauschbare Realität überhaupt nicht existiert. So gewiß das allgemeine Äquivalent in den Händen der Arbeitenden gegenüber dem Markt die Gesamtheit der in Gestalt von materiellen Produkten und in Form von strukturellen Leistungen geschaffenen Werte und der in ihnen begründeten Anteile am Markt und Ansprüche an ihn vertritt, so gewiß bezieht es sie, indem es sie gegenüber dem Markt vertritt, auf nur einen Teil dieser Werte, nämlich auf sie nur, insofern sie als materielle Güter, als für die leiblich-seelische Subsistenz taugliche Werterscheinungen existieren.

Diese augenscheinliche, weil quasi logisch bedingte Ungleichheit im vorgeblichen Äquivalenzverhältnis, worin der erste Abschnitt des durchs allgemeine Äquivalent als katalytisches Zirkulativ vermittelten kommerziellen Austauschprozesses nun also dank der neuen Gruppe marktbezogener Dienstleistender resultiert und wovon der zweite Abschnitt ausgeht, ist, um Mißverständnissen vorzubeugen, kein materielles, die Versorgung aller Beteiligten mit Subsistenzmitteln und Konsumgütern betreffendes Problem, kein Problem eines Übermaßes an konsumtiven Ansprüchen, die in Form von allgemeinem Äquivalent an den Markt herangetragen werden, und eines korrespondierenden Zuwenig an materiellen Gütern, die in Gestalt von Werterscheinungen auf dem Markt vorhanden sind. Die Entstehung der neuen Gruppe von direkt oder indirekt in Diensten des Marktes Beschäftigten ist ja Ausdruck und in der Tat Folge der Expansion des Marktes und der durch diese Expansion und die vermehrten Absatzchancen, die sie eröffnet, angetriebenen Erhöhung der Produktivkraft. Weil so die Einbeziehung der neuen Beschäftigtengruppen mit einer nicht nur absoluten, sondern auch und vor allem relativen Vergrößerung der Gütermenge, einer produktivitätsbedingt-proportionalen Erhöhung der dem Markt eigenen Versorgungskapazität Hand in Hand geht und in der Tat ersteres die Konsequenz von letzterem ist, gibt es im Zweifelsfall, der der Regelfall ist, kein Ungleichgewicht zwischen den mittels allgemeinem Äquivalent angemeldeten Bedürfnissen der Beteiligten und den qua Werterscheinungen auf dem Markt vorhandenden Mitteln zur Befriedigung dieser Bedürfnisse. Nicht also aus materiellen, sondern aus formellen Gründen erscheint die Ungleichheit im Äquivalenzverhältnis als Problem, nicht weil es nicht genug zu verteilen gibt, sondern weil der Modus der Verteilung in Frage steht – kurz, nicht das materielle Vorhandensein der auf dem Markt gesammelten Güter, sondern ihre kommerzielle Verfügbarkeit bereitet die Schwierigkeiten. Was in der allgemeinen oder abstrakten Form des in die Hände der Arbeitenden übergewechselten Wertausdrucks wertbildende Arbeit in beiderlei Gestalt, Wertsubstanz in der Gestalt sächlicher Beiträge ebenso wie in der Funktion persönlicher Leistungen, und also die Gesamtheit des damit gesetzten konsumtiven Wollens oder individuellen Anspruchs symbolisch repräsentiert beziehungsweise epiphanisch verkörpert, das bezieht sich in seiner Rolle als Äquivalent ausschließlich auf jenen Teil Wert gewordener Arbeit oder vergegenständlichter Wertsubstanz, der in der besonderen oder konkreten Form von Werterscheinungen, in der Gestalt der sächlichen Beiträge, das produzierte Sein oder soziale Haben darstellt: Wie soll nun in diesem Bezugspunkt, den auf der einen Seite bloß der Wert der Werterscheinungen, die von den Produzenten in Gütern vergegenständlichte Arbeit bildet, jene aus produktiver Arbeit und Dienstleistungstätigkeit konkreszierte Wertgesamtheit, die auf der anderen Seite das allgemeine Äquivalent repräsentiert oder verkörpert, per Austausch zum Tragen kommen und sich als Gegenwert zur Geltung bringen?

So logisch-mathematisch das Problem sich darbietet, so logisch-mathematisch erweist sich auch seine Lösung! Damit sich die vom allgemeinen Äquivalent repräsentierte und verkörperte Gesamtheit der Wert gewordenen gesellschaftlichen Arbeit in jenem Teil Wert, den die unmittelbar in den Werterscheinungen des Marktes vergegenständlichte Arbeit der Produzenten darstellt, angemessen zur Geltung bringen und also aus dem Ungleichverhältnis zwischen beidem eine wirkliche Gleichung, eine so zu nennende Äquivalenzbeziehung werden kann, muß sich letzterer, der in den Werterscheinungen vergegenständlichte Teilwert, in eine auf ersteren bezogene variable Größe, eine abhängige Funktion des vom allgemeinen Äquivalent ausgedrückten Gesamtwerts verwandeln. Wenn demnach die Produzenten ihre Produkte zu Markte bringen, um sie gegen ein entsprechendes Quantum allgemeines Äquivalent auszutauschen und so den ersten Abschnitt des kommerziellen Austauschprozesses abzuwickeln, ist unter den neuen Bedingungen der marktentsprungenen Gruppe abhängig Beschäftigter dieses Quantum allgemeines Äquivalent, das sie für ihr Produkt erhalten, weit entfernt davon, den tatsächlichen Wert ihres auf dem Markt als Werterscheinung firmierenden Produkts, abzüglich des Wertanteils, den der Handeltreibende einstreicht, zu repräsentieren; was vielmehr dieses den marktbezogen Werktätigen unmittelbar überlassene allgemeine Äquivalent verkörpert, ist nur der im Produkt enthaltene Anteil Wert, zu dem ihre verausgabte Arbeitskraft sich niedergeschlagen, ihre geleistete Arbeit sich vergegenständlicht hat, während der Wert des Produkts als solchen und als ganzen sich erst in Relation zu dem als Gegenleistung für ihre verausgabte Arbeitskraft den Arbeitenden insgesamt vom Markt überlassenen allgemeinen Äquivalent ergibt, das heißt, erst als Resultat der Gesamtheit der im ersten Abschnitt des kommerziellen Prozesses getätigten Austauschakte ermittelt wird. Mit anderen Worten ist, weil neben den konkreten, materiellen Beiträgen der marktbezogen-unabhängigen Produzenten ja nun auch die abstrakten, aber deshalb nicht weniger realen strukturellen Leistungen der marktentsprungen-abhängigen Beschäftigten im Blick auf die auf dem Markt versammelten Konsumgüter und Subsistenzmittel als Anspruchsfaktor im Spiel sind und bei der Verteilung der Güter berücksichtigt werden müssen, der Wert der letzteren bei ihrem per Austausch gegen allgemeines Äquivalent bewerkstelligten Eintritt in die Zirkulation unmittelbar noch gar nicht vollständig gesetzt und noch gar nicht definitiv gegeben, sondern steht erst fest, wenn der Gesamtvorgang des Austauschs von allgemeinem Äquivalent gegen Arbeitsleistungen, seien diese nun abstrakt-struktureller oder konkret-materieller Natur, abgeschlossen ist und das den Arbeitenden übereignete allgemeine Äquivalent auf den Markt zurückkehrt, um dort den Wert der Werterscheinungen als seinen Gegenwert, das heißt, als eine von ihm, dem allgemeinen Äquivalent, her bestimmte abhängige Funktion, als eine an seinem Volumen sich bemessende Größe zu reklamieren.

Damit aber hört nun das allgemeine Äquivalent offenbar auf, bloßer symbolischer Repräsentant von je schon vorausgesetzten und unmittelbar auf dem Markt gegebenen Wertrelationen zu sein und wird vielmehr zu einem faktischen Agenten eben dieser Wertverhältnisse, zu einem aktiven Bestimmungsgrund ihrer Herausbildung. Anders gesagt, hört das allgemeine Äquivalent auf, ein die Äquivalenzbeziehung zwischen Arbeitsleistungen und Werterscheinungen, zwischen Beiträgen zum Markt und Vergütungen durch den Markt, ebenso essentiell unbeeinflußt lassendes wie funktionell vermittelndes, dienendes Instrument, ein, wie oben formuliert, katalytisches Zirkulativ der Werte zu sein, und verwandelt sich in einen das Äquivalenzverhältnis ebenso systematisch organisierenden wie empirisch artikulierenden lenkenden Intendanten, in ein, wie sich sagen ließe, synthetisches Konstitutiv des Werts. Konstitutiv ist die Rolle, die das allgemeine Äquivalent nunmehr spielt, weil es kraft seiner Eigenschaft als epiphanische Wertverkörperung, kraft seiner Funktion als präsentatives Substitut von ausschließlich durch es erinnerten und zur Geltung gebrachten Arbeitsleistungen eine für die Wertbildung auf dem Markt maßgebende, eine im Blick auf die kommerziellen Werterscheinungen wertsetzende Bedeutung erlangt. Und synthetisch ist diese konstitutive Rolle des allgemeinen Äquivalents, weil sie der Notwendigkeit entspringt und Genüge tut, die für das Funktionieren des Marktes unentbehrlichen strukturellen Leistungen der abhängig Beschäftigten mit den für die Existenz des Marktes unabdingbaren materiellen Beiträgen der unabhängig Werktätigen gleichzusetzen und gleichzubehandeln, kurz, zu synthetisieren, um den durch beide Leistungsformen begründeten Ansprüchen auf Gegenleistungen des Markts, den kraft beider erhobenen Forderungen nach Beteiligung am Konsum Geltung zu verschaffen und zu ihrem Recht zu verhelfen.

In der Tat ist ja genau dies der politische Sinn und gesellschaftliche Nutzen der neuen, wertkonstituierenden Rolle, die das allgemeine Äquivalent übernimmt, daß es dadurch zum Ort des Ausgleichs von Gruppeninteressen, zum Vehikel der Vermittlung unterschiedlicher gesellschaftlicher Ansprüche wird, zu einem locus communis ante portas des Marktes, an oder vielmehr in dem die durch Beteiligung sei's an der produktiv-materiellen Errichtung, sei's an der zirkulativ-strukturellen Erhaltung des Marktes begründeten Forderungen an den Markt und Zugriffe auf ihn vorweg miteinander verglichen, gegeneinander abgewogen und in ihrem tatsächlichen Umfang festgestellt werden, um anschließend in Gestalt eben des allgemeinen Äquivalents auf dem Markt in Erscheinung zu treten und sich in tatsächlichen Äquivalenbeziehungen zur Geltung zu bringen.

In dieser neuen Bedeutung, in der das allgemeine Äquivalent aufhört, bloß ein als symbolischer Repräsentant von Werterscheinungen figurierendes marktinternes katalytisches Zirkulativ zu sein, und zu einem als praktischer Agent von Arbeitsleistungen firmierenden markttranszendental synthetischen Konstitutiv wird, indem es nämlich die Funktion übernimmt, nicht mehr nur bereits gegebene und auf dem Markt erscheinende Werte und die aus ihnen sich herleitenden Ansprüche gegeneinander zu vertreten und aufzuwiegen, sondern die in der Wertbildung involvierten Leistungen überhaupt erst wertförmig zu ermitteln, ihrer Größe nach gegeneinander festzulegen und dann gegenüber dem am Ergebnis jener Ermittlung sich bemessenden Wert der Erscheinungen auf dem Markt als anteilsmäßigen Anspruch zur Geltung zu bringen – in dieser neuen Eigenschaft also ist das allgemeine Äquivalent Geld, ein gegenüber dem Markt betriebenes bevollmächtigtes Geltendmachen wertkonstitutiver subjektiver Arbeit, statt bloß ein im Rahmen des Marktes sich haltendes stellvertretendes Repräsentieren arbeitsresultativer objektiver Werte.

Daß auch diese neue, durch die Erweiterung des Teilnehmerkreises am kommerziellen Prozeß über die direkt oder indirekt, handwerklich oder herrschaftlich, produktiven Gruppen hinaus erforderlich werdende Funktion, die Funktion einer den unmittelbaren Austauschzusammenhang transzendierenden, aus der Immanenz einer bloßen Zirkulation gegebener Werte herausspringenden, weil hinter der Camouflage einer bloßen Zirkulation von Werten konstitutiv tätigen und nämlich die Wertbildung selbst nach Maßgabe der zugrundeliegenden Arbeitsleistungen, wie man will, rekonstruierenden oder revidierenden Integration unsichtbar konkurrierender Interessen oder Synthesis unterschiedlich artikulierter Ansprüche – daß auch diese neue gesellschaftliche Integrations- oder politisch-ökonomische Synthesisfunktion sich der Camouflage des kommerziellen Austauschzusammenhanges bedient und, indem sie das allgemeine Äquivalent und dessen Vermittlerrolle zu ihrem Vehikel, ihrem Forum macht, sich in quasi gegenständlicher Form vollzieht, daß auch sie, die allererst die Beteiligung der einzelnen an der Wertbildung ermittelt und ermißt, statt ihnen bloß abschließend ihren Anteil am gebildeten Wert zuzumessen und zu übereignen, nicht etwa in Form von dem kommerziellen Austauschprozeß vorgeschalteten subjektiven Verhandlungen und quasijuridischen Vergleichsverfahren, sondern in Gestalt von dem Austauschprozeß eingeschriebenen objektiven Transaktionen und quasimathematischen Gleichungskalkülen wirksam wird, ist dabei nicht weiter verwunderlich und liegt vielmehr ganz und gar in der Konsequenz der Entwicklung.

Schließlich nimmt das Maß, das über die Distribution der arbeitsteilig produzierten und deshalb austauschbedürftigen Subsistenzmittel und Konsumgüter entscheidet, ja von Anfang an den Charakter eines quasiobjektiven, den Subsistenzmitteln und Gütern als quasidingliche Eigenschaft anhaftenden oder innewohnenden Merkmals an, stellt sich mit anderen Worten die für die Produktion der Güter verausgabte Arbeitskraft, die in der quantitativen Bestimmung der für die Verausgabung aufgewendeten Zeit als Maß für den Austausch fungiert, von Anfang an als Wert, als ein im Produkt vergegenständlichtes Moment, ein in die Sache selbst übergegangener Maßstab dar. Und das mit gutem Grund, mit ersichtlicher Rationalität: So gewiß es beim Austausch um die Distribution der als Subsistenzmittel oder Konsumgüter benötigten materiellen Produkte geht und so gewiß der auf das Maß der Arbeitszeit rekurrierende Distributionsmechanismus, das Bemessungssystem des Austauschs, eine zuarbeitende Funktion und Hilfskonstruktion ist, die dem einzigen Zweck dient, die Beteiligten möglichst rasch, effektiv und gerecht mit den benötigten materiellen Produkten zu versorgen, so gewiß bietet es sich an, das Maß der Distribution, die in Arbeitszeit bemessene Kraftaufwendung, qua Wertbestimmung in die zum Austausch anstehenden Güter einfließen und als quasiobjektive Qualität den Austausch unmittelbar regulieren zu lassen, statt die Zumessung erst einmal unabhängig von dem, worum es dabei geht, den zuzuteilenden Gütern, durchzuführen und dann das Ergebnis auf die Güter zu übertragen und als Schlüssel für die Ermittlung der dem einzelnen zustehenden Gütermenge zu verwenden. Unbeschadet dessen, daß sich empirisch dies Maßsystem der kommerziell organisierten Güterdistribution ohnehin in Form von gütergebundenen Erfahrungswerten, nämlich in der objektiven Gestalt von herkömmlicherweise als äquivalent zu behandelnden und gegeneinander austauschbaren Gütermengen herausgebildet haben dürfte und vermutlich auch gar nicht anders hätte herausbilden können und daß also am Anfang nicht ein bewußter Vergleich von Arbeitsquanten steht, die sich in Gütermengen niederschlagen, in denen sie sich qua Wert artikulieren, sondern als Wertverhältnis formulierte bewährte Äquivalenzbeziehungen zwischen Gütermengen, in denen sich die Erfahrung der für die letzteren aufgewandten Arbeitszeit bewußtlos Ausdruck verschafft und als für den Austausch maßgebende Größe blind zur Geltung bringt – unbeschadet dieser empirischen Naturwüchsigkeit des als Maßstab der Distribution erscheinenden Wertesystems liegt auch aus systematischer Sicht oder sub specie der von der Wertefunktion wahrgenommenen distributiven Aufgabe der gute Grund für die unmittelbare Übersetzung der subjektiven Kraftaufwendung in eine objektive Wertbestimmung, die Rationalität der Tatsache, daß unmittelbar maßgebend für den Austausch der materiellen Güter nicht die ihnen zugrundeliegenden Arbeitsquanten, sondern sie selbst qua Werterscheinungen sind, auf der Hand und schließen in diesem Fall also Naturwüchsigkeit und bewußtloses Prozedieren Zielstrebigkeit und innere Folgerichtigkeit keineswegs aus.

Daran ändert sich auch nichts, wenn das in der Eigenschaft eines katalytischen Zirkulativs sich bewährende allgemeine Äquivalent in den kommerziellen Austauschzusammenhang Einzug hält. Als symbolischer Repräsentant sei's der auf dem Markt bereits vorhandenen, sei's der allererst zu Markte getragenen Güter und als eine Instanz, die im Bedarfsfall einfach nur die eine, nicht mehr oder noch nicht präsente Güterklasse als Gegenwert gegenüber der anderen, präsenten vertritt, fügt sich das allgemeine Äquivalent bruchlos in jenen Distributionsmechanismus ein, der als Austausch von Werten funktioniert, weil er das in der Arbeitsleistung der Subjekte bestehende Maß für die Zuteilung der Güter unmittelbar als einen in den Gütern selbst vorfindlichen Maßstab realisiert. Und wenn nun aber dies allgemeine Äquivalent sich als tauglich erweist, auch die neue Funktion, die durch das Aufkommen einer im kommerziellen Prozeß tätigen und zunehmend größer werdenden Gruppe von marktentsprungenen abhängig Beschäftigten virulent wird, die Funktion nämlich einer Vorausermittlung der in den Wert der Güter einfließenden Arbeitsleistungen aller an der Entstehung der Güter Beteiligten, einer Vorabklärung des respektiven Anteils aller Beteiligten an der Wertbildung – wenn also das allgemeine Äquivalent sich als tauglich erweist, jene neue Funktion mit zu übernehmen und in den herkömmlichen Austausch von Werten ebenso unauffällig wie umstandslos zu integrieren, sie mit anderen Worten unter der Camouflage eines zwischen dem Markt und denen, die dem Markt zuarbeiten, gepflogenen normalen Äquivalententausches abzuwickeln, was ist da natürlicher, was könnte da mehr im Sinne des auf Schnelligkeit, Effektivität und Gerechtigkeit der Güterdistribution erpichten blind-zielstrebigen intersubjektiven Erfinders des mit Werten operierenden kommerziellen Distributionsmechanismus liegen, als dem allgemeinen Äquivalent die Wahrnehmung der neuen Funktion tatsächlich zu übertragen und es damit, wie gesagt, aus einem als katalytisches Zirkulativ firmierenden, rein marktimmanenten ökonomischen Hilfsmittel zu einem als synthetisches Konstitutiv fungierenden, markttranszendental politisch-ökonomischen Instrument avancieren, kurz, zum Geld werden zu lassen.

In seiner Rolle als synthetisches Konstitutiv wird das Geld für alle zum Vermittler, durch den und in dem sie ihre Ansprüche an den Markt geltend machen müssen, während das für den Markt geschaffene Produkt zur Ware, zu einer Erscheinungsform des Geldes wird. Das Geld hört auf, ein Hilfsmittel zur Erlangung von Gütern zu sein, die alle das Maß ihres Austausches in sich tragen, und wird zu einem Schlüssel zur Verteilung von Waren, die allesamt in ihm ihren Maßstab, ihren Tauschwert, finden. Wenn das Geld im Blick auf den Markt als synthetisches Konstitutiv firmiert, so im Blick auf die dem Markt Zuarbeitenden als analytisches Distributiv.

So systematisch folgerichtig und methodisch einsichtig indes die mittels des allgemeinen Äquivalents in seiner Rolle als Geld vollbrachte umstandslose Integration der neuen sozialen Synthesisfunktion in den gegebenen Zusammenhang der Zirkulation von Werten, den traditionellen Austausch von sächlichen Äquivalenten, auch sein mag, sie bedeutet hinter der Fassade von prozessualer Kontinuität einen radikalen Bruch in der Entwicklung des kommerziellen Systems, weil sie auf eine fundamentale Veränderung des bis dahin geltenden Verhältnisses zwischen Produzenten und Markt, zwischen arbeitsteiliger Gütererzeugung und kommerzieller Distributionseinrichtung hinausläuft. Und zwar deshalb, weil der Deckmantel, unter dem die neue Synthesisfunktion eingeführt und ausgeübt wird, nämlich der Äquivalententausch, der sich zwischen Produzenten und Markt scheinbar unverändert fortsetzt, eben nurmehr eine Fassade ist, ein Schein von Kontinuität, der nicht Wahrheit darstellt, sondern sie bloß kaschiert. Die Wahrheit aber ist, daß mit der Integration der neuen Synthesisfunktion in den herkömmlichen Austauschzusammenhang und mit der darin beschlossenen Verwandlung des allgemeinen Äquivalents in Geld der Äquivalententausch aufhört, im traditionellen Sinne einer zu sein, weil das Geld, das nun der Produzent für das Produkt, das er zu Markte bringt, erhält, gar nicht mehr Äquivalent im gewohnten Sinne eines Gegenwerts zum Wert seines Produktes ist, sondern höchstens noch und nurmehr Äquivalent in der rechenkünstlerischen Bedeutung eines Titels auf den Teil des Produktwerts, den er sich durch seine Mitwirkung an der Wertbildung, durch seine Arbeitsleistung, gutschreiben kann. Weil als Geld das allgemeine Äquivalent jene neue konstitutive Synthesisfunktion übernimmt, weil es also dazu dient, den Anspruch an den Markt, den sich der Produzent durch seine unmittelbar-materiell im Produkt vergegenständlichte Arbeitsleistung sichert, mit den Ansprüchen, die sich die übrigen am kommerziellen Prozeß Beteiligten durch ihre indirekt-strukturell ins Produkt einfließenden Arbeitsleistungen erwerben, abzugleichen und im Zuge dieses synthetischen Vergleichsverfahrens den wahren Wert des Produktes zu konstituieren, sprich, festzustellen und auf dem Markt zur Geltung zu bringen, ist in dem Augenblick, in dem es in die Hand des Produzenten überwechselt, das Geld, allem Anschein zum Trotz, nicht Gegenwert des Produktwerts, sondern bloß Gegenwert des Wertbestandteils, den durch seine produktive Arbeitsleistung der Produzent zur Bildung des Produktwerts beiträgt.

Und sowenig das Geld im Augenblick des Austausches ein wirkliches Äquivalent zum Produkt ist, sowenig ist es danach symbolischer Repräsentant des Produkts, sosehr ist es epiphanische Verkörperung jenes Wertteils, der zwar in dem als Werterscheinung in die Hände des Marktes übergegangenen Produkt enthalten ist, dessen einen Anspruch und Titel begründende Realität aber nicht mehr die vermeintlich durchs Geld repräsentierte Werterscheinung, sondern nurmehr das den Wertteil des Produzenten als eigenständiges Faktum verkörpernde und als ebenso sinnenfälligen Bestand wie fälligen Wechsel präsentierende Geld selbst ist. Weit entfernt davon, daß die Produzenten im ersten Abschnitt des Gesamtaustauschvorganges, in dem sie ihr Produkt dem Markt gegen Geld überlassen, noch immer einen durch das Geld als symbolischen Repräsentanten des Wertes ihres Produkts verbürgten Anteil am Markt erwürben, erwerben sie jetzt nichts mehr als einen Anteil am Geld selbst als epiphanischem Agenten und inkarniertem Garanten ihrer produktiven Beteiligung an der Wertbildung und begründen einzig und allein durch diesen ihren Anteil am Geld einen Anspruch an den Markt und seine Werterscheinungen. So gesehen aber unterscheiden sich die produktiv Arbeiten, die unabhängig Werktätigen in nichts mehr von den zirkulativ Wirkenden, den abhängig Beschäftigten, sehen sich die ersteren mit ihren konkret-materiellen Beiträgen genauso wie die letzteren mit ihren abstrakt-strukturellen Leistungen an das zum Geld avancierte allgemeine Äquivalent als an den ausschließlichen Beweis, die epiphanische Verkörperung ihrer Beitragsleistung zum Markt und ihres darin gegründeten Anspruchs auf Gegenleistungen des Marktes verwiesen. Sosehr auch nach dem Auftreten und der Dazwischenkunft der marktabhängig-zirkulativ Beschäftigten die marktbezogen-produktiv Arbeitenden Geld immer noch als Äquivalent für den Wert des Produkts, das sie zu Markte tragen, zu erhalten scheinen und sosehr insofern allem Anschein nach empirischer Beweis für ihren im Geld manifesten Anspruch ihr als Werterscheinung auf den Markt übergewechseltes Produkt ist, sosehr hat sich doch in Wirklichkeit als in der qua Geld manifesten Wahrheit des Austauschvorganges durch die Dazwischenkunft der zirkulativ Tätigen die Situation auch für sie, die produktiv Arbeitenden, grundlegend geändert, ist nun auch für ihren Anspruch an den Markt maßgebend nicht mehr der als Vergegenständlichung ihrer Arbeitsleistung a priori feststehende Wert ihres auf dem Markt als Werterscheinung firmierenden Produkts, den das Geld nur symbolisch repräsentiert, sondern vielmehr der allein im Geld epiphanisch präsente Teil des Gesamtwerts ihres Produkts, den, nachdem die Arbeitsleistung aller an der Wertbildung Beteiligten ihn erwirkt und produziert hat, das Geld a posteriori als auf dem Markt in Erscheinung tretendes Resultat zu ermitteln, eben als Wert der Werterscheinung zu konstituieren dient, und ist also auch für sie, die unabhängig Werktätigen, nicht weniger als für die abhängig Beschäftigten unreduzierbar empirischer Beleg und unmittelbar objektiver Garant ihres Anspruchs an den Markt nicht mehr das, wofür sie Geld erhalten, sondern das Geld selbst, das sie, gleichgültig wofür, bekommen.

In dem Augenblick, in dem der Produzent sein Produkt auf den Markt bringt und dort gegen Geld austauscht, ist es auch schon nicht mehr seines, ist es vielmehr als die Werterscheinung, als die es sich durch den Akt des Austauschs erweist oder besser bewährt, Ware, ein Gut, das keinesfalls mehr vermittels des Geldes als symbolischen Repräsentanten den in ihm qua Wert verkörperten Anspruch seines Produzenten an den Markt zur Geltung bringt und dem Produzenten insofern einen in ihm bestehenden Anteil am Markt verschafft, sondern das die qua Wert geübte Anspruchsverkörperungsfunktion jetzt vollständig an das Geld selbst als an seinen faktischen Agenten und Generalbevollmächtigten delegiert hat und dessen eigene Rolle sich dementsprechend darauf reduziert, den im Geld verkörperten Wert auf dem Markt zur Erscheinung zu bringen und dort als Äquivalent des Geldes, als Geldeswert, für den zweiten Abschnitt des Austauschprozesses, das heißt, für die der Auslösung der Werterscheinung zu Zwecken des Konsums komplementäre Einlösung ihres Werts, seine Rückführung in seine wahre Gestalt, die Geldform, zur Verfügung zu stehen. In der Tat erweist sich so für alle Teilnehmer am kommerziellen Prozeß, für die selbständig Arbeitenden oder Erzeuger materieller Beiträge nicht weniger als für die abhängig Beschäftigten oder Erbringer struktureller Leistungen das zum Geld avancierte allgemeine Äquivalent der Werterscheinungen als die verbindliche Ebene, auf der sich Arbeitsleistungen als objektiv distributive Bestimmung, als Maßstab der Zuteilung, als Wert, verkörpern und artikulieren und reduzieren sich damit die Werterscheinungen selbst auf eine qua Warensammlung abhängige Funktion und spiegelbildliche Entsprechung oder rückbezügliche Darstellungsebene des als Geld verkörperten Werts.

Mag die Produktion von Werterscheinungen, die Wertbildung, dem Austauschakt, in dem die Produzenten die Werterscheinung, ihr Produkt, gegen die Münze des Marktes, gegen allgemeines Äquivalent, austauschen, noch so sehr empirisch vorausgehen – so gewiß diese Vertauschung der besonderen Werterscheinung mit allgemeinem Wertäquivalent nicht bloß für den Markt der Anlaß ist, sich seinen Anteil am Wert der Werterscheinung anzueignen, sondern mehr noch und vor allem Gelegenheit bietet, die an der Produktion der Werterscheinung mittelbar Beteiligten in den kommerziellen Distributionsmechanismus einzubeziehen und ihren Anteil an der Wertbildung mit dem der unmittelbaren Produzenten abzugleichen und zu synthetisieren, so gewiß ist das eben dadurch zum Geld avancierende allgemeine Äquivalent nun die Ebene, auf der der empirisch in Gestalt der Werterscheinung gebildete Wert allererst systematisch ermittelt und nämlich als ein nicht bloß materiell erscheinendes unbestimmtes Quantum, sondern formell zum Ausdruck kommendes bestimmtes Maß festgesetzt wird, auf der sich also das an sich Produzierte überhaupt erst für die Beteiligten in seiner maßstäblichen Größe konstituiert, und erweist sich von daher die Sphäre des Geldes als der locus communis, an dem das über die Verteilung der Produkte entscheidende Maß, das Zeitquantum verausgabter Arbeitskraft, seine qua Austausch nachgereichte eigentliche Verkörperung als Wert, seine Vergegenständlichung als über die Distribution bestimmender Maßstab erfährt, während die ihrer empirischen Entstehung nach vorausgesetzten Werterscheinungen, die als Niederschläge der wertbildenden Substanz Arbeitskraft unmittelbar erscheinenden Produkte der Produzenten, sich systematisch auf die qua Waren wahrgenommene Rolle von abhängigen Ausdrücken, spiegelbildlichen Materialisierungen des als Geld epiphanierten, als Geld Gestalt gewordenen Wertes, von am Maßstab des Geldes sich bemessenden und bestimmenden variablen Größen beschränkt finden. Nur insofern deshalb die am kommerziellen Prozeß beteiligten, dem Markte zuarbeitenden Gruppen Anteil am Geld als an der wahren Gestalt, am Wesen des in den Werterscheinungen nur erst gestaltlos erscheinenden Werts erlangen, gewinnen sie Anspruch auf die vom Geld als seine Erscheinungen, seine materiellen Ausdrücke, kurz, als Waren konstituierten und mit Beschlag belegten Arbeitsprodukte, nur in dem Maß, wie sie über Geld als über das aus den Werterscheinungen herausgetretene und diesen als eigenständige Realität vorgesetzte, weil als synthetisches Konstitutiv gegen sie geltend gemachte Distributiv Wert verfügen können, erhalten sie Zugriff auf die zum bloßen Epiphänomen des Geldes, zu Sachwerten, die nichts als Geldwert ausdrücken, relativierten materiellen Güter – gleichgültig, ob sie im empirischen Entstehungsprozeß der Güter direkt engagiert, Erzeuger von materiellen Produkten sind, die sie zu Markte tragen, oder ob sie als Erbringer struktureller Leistungen an der Produktion nur mittelbar beteiligt sind und mit den von anderen hergestellten Produkten unmittelbar gar nichts oder höchstens sekundär zu schaffen haben.

In diesem spezifischen, als Verwandlung des allgemeinen Äquivalents in Geld, als Überführung des nur erst katalytischen Zirkulativs in ein mehr noch synthetisches Konstitutiv bestimmten Sinne also bedeutet die durch den Eintritt der neuen Gruppen abhängig Tätiger in den kommerziellen Prozeß erzwungene Etablierung des bis dahin im Tauschwert der Produkte bloß latent gegebenen Maßes der Distribution als manifesten und für Produzenten und Nicht-Produzenten, Werktätige und Beschäftigte, gleichermaßen verbindlichen distributiven Maßstabs eine grundlegende Veränderung auch und gerade der Situation der Produzenten und eine völlige Neuordnung ihres Verhältnisses zu den eigenen Produkten. Weil wegen der Beibehaltung der Wertform des distributiven Maßes, wegen der Aufrechterhaltung der im Objekt der Distribution unmittelbar gegenständlichen Fassung des Distributivs dessen Manifestation als gruppenübergreifend verbindlicher Maßstab sich in unmittelbar gegenständlicher Form, nämlich als Gestaltwerden in der Münze des Markts, als epiphanische Verkörperung im eben dadurch zum Geld avancierenden allgemeinen Äquivalent vollzieht, wird nun dieser epiphanisch verbindliche Maßstab der Distribution, das Geld, für die Produzenten ebenso wie für die übrigen Gruppen zum entscheidenden Ausweis ihrer Ansprüche an den Markt und wird also für sie nicht weniger als für die übrigen die Handlung, durch die sie Anteil am Geld gewinnen, der Austausch ihrer Produkte gegen den Wertkörper Geld, zum systematisch eigentlichen Akt des Werterwerbs, während das, was sie als Gegenwert für den Wertkörper Geld in Tausch geben und was insofern die Bedingung der Möglichkeit ihres Werterwerbs darstellt, nämlich der in ihren Produkten als Werterscheinungen steckende Wert, sich in actu des Austauschs als eigenständiger Gegenwert zum Wertkörper Geld aufhebt und in eine durch den letzteren konditionierte Wirklichkeit verkehrt, sich in actu des Austausches mithin aus der kraft Produktionsprozeß geschaffenen und dem Austausch empirisch vorausgesetzten Substanz ihres Produkts in die durch den Konstitutionsakt des Austauschs systematisch gesetzte und in Geldeswert, in ein Geschöpf des Wertkörpers Geld umgewandelte Essenz einer Ware des Marktes transsubstantiiert.

Auch für die selbständigen Produzenten, die damit allen direkten Anteil am Markt, den sie bis dahin durch ihre Produkte noch hatten, einbüßen und sich, was ihre Stellung zum Markt betrifft, voll und ganz in die Schar der abhängig Beschäftigten einreihen, verwandelt sich also in dem Maße, wie durch die abhängigen Beschäftigungsverhältnisse die zeitlich bemessene Arbeitsleistung als allgemeines Maß der Distribution manifest wird, und unter den gegebenen Austauschbedingungen heißt das: in Gestalt des allgemeinen Äquivalents, in der Münze des Marktes, ihre epiphanische Verkörperung gewinnt, dieses allgemeine Äquivalent in Geld; anders gesagt, es hört auch für sie auf, ein bloßer Gutschein zu sein, der den Wert ihres Beitrags zum Markt bestätigt und so ihren Anspruch auf andere Werte des Marktes begründet, und wird zu einem Guthaben, das den Wert ihres Beitrags zum Markt überhaupt erst bestimmt und so über ihren Anspruch auf entsprechende Werte des Marktes entscheidet, hört auch für sie auf, ein Hilfsmittel zur Erlangung von Gütern zu sein, die alle das Maß ihres Austausches in sich tragen, und wird zu einem Schlüssel zur Verteilung von Waren, die allesamt in ihm ihren Maßstab, ihren Tauschwert, finden.

Diese distributive Schlüsselstellung, die so für alle am kommerziellen Beteiligten die als Geld zur Geltung kommende Münze des Marktes gewinnt, ist unmittelbare Konsequenz oder vielmehr einfache Kehrseite der konstitutiven Synthesisfunktion, die sie im Blick auf den distributiven Maßstabs aller in den kommerziellen Prozeß eintretenden Produkte, ihren Wert, übernimmt. So gewiß mittels des Geldes bestimmt wird, wie hoch der Wert des vom Produzenten zu Markte getragenen Produkts unter Berücksichtigung der Leistung aller am Produktionsprozeß Beteiligten in Wahrheit ist und wie hoch die einzelnen Leistungen, die ihn bilden und aus denen er sich zusammensetzt, zu bewerten sind, so gewiß entscheidet das Geld zugleich auch darüber, auf wieviel von den Werterscheinungen des Marktes der einzelne kraft des Geldes, gegen das er seine unmittelbar oder mittelbar ins Produkt eingebrachte Arbeitsleistung im Sinne eines epiphanischen Verkörperungsakts austauscht, Anspruch hat, welche Proportion davon er nun im zweiten Teil des Gesamtaustauschvorgangs, in dem er nicht mehr als Erbringer von Arbeitsleistungen, als unmittelbarer oder mittelbarer Produzent, mithin als Beiträger zur Distributionseinrichtung Markt, sondern als Abholer von Subsistenzmitteln oder Konsumgütern, als unterschiedsloser Konsument, mithin als Nutznießer der Distributionseinrichtung Markt, auftritt, gegen das Geld eintauschen und mit nach Hause nehmen kann. Weil das Geld im ersten Abschnitt des Austauschprozesses, in dem es selbst gegen Arbeitsleistungen eingetauscht wird oder vielmehr die letzteren sich in seine Gestalt, die reine Wertform, überführt finden, als synthetisches Konstitutiv fungiert, das heißt, über den wirklichen Wert der auf dem Markt als Werterscheinungen firmierenden Produkte entscheidet und diesen Wert in der artikulierten Form der Anteile, die die einzelnen an ihm haben, gegenüber den dadurch zu Funktionsausdrücken seiner selbst, zu Waren, werdenden Werterscheinungen zur Geltung bringt, erweist es sich zwangsläufig im zweiten Abschnitt des Austauschprozesses als analytisches Distributiv, das heißt, es läßt die Werterscheinungen, die Erscheinungen des Werts sind, den es in seiner Form verkörpert, denen, die über es verfügen, im Austausch gegen es und nach Maßgabe des Anteils an ihm, über den sie verfügen, als die Subsistenzmittel und Konsumartikel, deren sie bedürfen, zukommen. Wie das vom marktimmanent katalytischen Zirkulativ zum Markttranszendental Geld avancierte allgemeine Äquivalent als synthetisches Konstitutiv die Funktion erfüllt, die Ansprüche aller beteiligten Gruppen an den damit als spiegelbildliche Erscheinung des Geldes, als Warensammlung, gesetzten Markt wertförmig zu bestimmen und mit dem in seiner Gestalt bestehenden Brief und Titel zu versehen, so nimmt es nun auch uno actu oder besser secundo actu des aus zwei Teilen zusammengesetzten einen Austauschprozesses die Aufgabe des analytischen Distributivs wahr und dient also qua Äquivalent dazu, den einzelnen nach Maßgabe des Anteils, den sie an ihm gewonnen haben, seine spiegelbildlichen Erscheinungen auf dem Markt, die Waren, zugänglich zu machen und per Austausch zu übereignen.

Wie das Geld die Gruppe der abhängig Beschäftigten und ihre Ansprüche in den kommerziellen Distributionszusammenhang zu integrieren dient, so subsumiert es zugleich diese Ansprüche unter das Prinzip der kapitalen Akkumulation. An der Akkumulation selbst ändert sich nichts, höchstens an ihrem Tempo.

Daß die verschiedenen Ansprüche an den Markt nicht als das gesellschaftliche Verhältnis, das sie an sich darstellen, als die Beziehung zwischen Subjekten, die sie eigentlich sind, angemeldet werden und zur Sprache kommen, daß sie vielmehr von vornherein in der Camouflage des kommerziellen Austauschprozesses, in der Maske sächlicher Transaktionen, ermittelt und zur Geltung gebracht, kurz, in der objektivierten Gestalt der Wertform, in der Münze des Marktes, wortwörtlich ausgehandelt werden, liegt, wie gesagt, in der Natur der Sache – in der Natur der Tatsache nämlich, daß die Ansprüche nicht nur in den Objekten, den per Markt zu distribuierenden Gütern, ihren ausschließlichen und möglichst rasch zu realisierenden Inhalt haben, sondern daß sie sich ursprünglich auch unmittelbar in der sächlichen Form jener Güter, nämlich als der den Gütern qua Wert inhärente Maßstab der Distribution präsentieren, und daß es insofern gleichermaßen im Sinne rationeller Aufwandsersparnis wie im Interesse traditioneller Kontinuität liegt, wenn die als allgemeines Äquivalent der Güter auf dem Markte zirkulierende Münze neben der alten Funktion einer symbolischen Repräsentation und transaktiven Einlösung wertförmig gegebener primärer Ansprüche nun mehr noch als Geld auch die neue Aufgabe einer epiphanischen Überführung sekundärer Ansprüche in die Wertform und ihrer intersubjektiven Vergleichung und Geltendmachung auf dem Markt übernimmt und in den kommerziellen Austauschprozeß umstandslos integriert. Indem aber nun die Münze des Marktes für die Integration der neuen Beteiligtengruppen und ihrer Ansprüche in den gegebenen kommerziellen Distributionszusammenhang sorgt, sorgt sie zwangsläufig auch für die Subsumtion dieser Ansprüche unter das der Entstehung des kommerziellen Zusammenhangs als förmliche Konstitutionsakte eingeschriebene Prinzip der kapitalen Akkumulation oder systematischen Anhäufung potentiellen Reichtums.

Schließlich entsteht der kommerzielle Zusammenhang, der Markt, ja nicht als eine freie Stiftung der an ihm als Werktätige und als Dienstleistende, produktiv und zirkulativ, Beteiligten, die sich in ihm eine kommunale Einrichtung zur Distribution ihrer arbeitsteilig erzeugten Subsistenzmittel und Konsumgüter schaffen. Vielmehr hat er seinen Ursprung in der Sphäre herrschaftlicher Überschüsse und nimmt seinen Anfang mit der Entschlossenheit derer, die für ihre Herren die Überschüsse vertreiben, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit zusätzlicher Handelsmöglichkeiten in eigener Sache tätig zu werden und den Gewinn, den sie aus ihrem kommissarischen Wirken im Herrendienst ziehen, statt ihn mit der Konsequenz einer der herrschaftlichen Existenzweise angenäherten Lebensführung zu konsumieren, vielmehr zum Grundstock einer auf eigene Faust fortlaufend vermehrten Handelstätigkeit und eines dadurch im eigenen Interesse, will heißen selbstzweckhaft, immer wieder vergrößerten Gewinns zu machen. Treibender Grund und entscheidendes Motiv dieses mittels kommerzieller Tätigkeit sich befriedigenden Gewinnstrebens, das in Wahrheit keine Befriedigung kennt, weil es jedesmal wieder in ein Streben nach kommerzieller Tätigkeit, in ein Streben nach sich selbst umschlägt, und das eben deshalb aber in einer unablässigen Ausdehnung des kommerziellen Zusammenhangs, in einer unaufhörlichen Überführung von aktuellem in potentiellen Reichtum, von Herrengut in Handelskapital resultiert – entscheidendes Motiv dieses Gewinnstrebens also ist die Hoffnung der Handeltreibenden, genug Reichtum zu akkumulieren, um sich auf seiner Basis von der Herrschaft überhaupt emanzipieren und ihr gegenüber ebenso politisch unabhängig wie ökonomisch eigenständig behaupten zu können. So eitel wegen der substantiellen Abhängigkeit und funktionellen Untrennbarkeit des Handelskapitals vom herrschaftlichen Reichtum diese im kommerziellen Gewinnstreben versteckte strategische Hoffnung auf Emanzipation auch ist und so gewiß sie das Gewinnstreben in einen schlecht unendlichen Progreß verstricken muß, so sicher ist nun allerdings Konsequenz dieses Progresses wenn schon keine vom herrschaftlichen System emanzipierende ökonomische Eigenständigkeit und politische Unabhängigkeit, so immerhin doch zunehmende ökonomische Macht im herrschaftlichen System selbst und wachsender Einfluß auf seine politische Entwicklung. In dem Maß, wie das Handelskapital durch die Entfaltung des herrschaftlichen Bedürfnisssystems und die Beförderung einer regionenübergreifenden Arbeitsteilung die traditionelle Herrschaft in immer größere Abhängigkeit von sich und der von ihm betriebenen Form der Güterdistribution bringt, avanciert es zu einer Macht im Staate, die, weil es ihr unter den besonderen Bedingungen der Anrainerschaft ans Meer und der dadurch eröffneten Seehandelsperspektive gelingt, nicht nur das kommerzielle System beispiellos zu expandieren und damit die Akkumulation von Reichtum ungeahnt voranzutreiben, sondern mehr noch auf dieser akkumulierten Reichtumsbasis Menschen aus den umliegenden Territorien eine Zufluchtsstätte zu bieten und mit Hilfe der Zuwanderer Zentren des Güterumschlags und des Gewerbefleißes zu stiften, in der Tat eine ökonomisch fundierte relative politische Unabhängigkeit gewinnt und zu einem Staat im Staate oder, besser gesagt, zu einem Staat zwischen den Staaten traditioneller Prägung und herrschaftlich-territorialer Provenienz wird, kurz, sich als Polis etabliert.

Für die unter dem Schutz und Schirm der Polis lebenden und arbeitenden Gruppen, das heißt für die dank der regionalen Arbeitsteilung, die der Handel zwischen Polis und Territorialherrschaften durchsetzt, zunehmend handwerklich tätigen, polisinternen Produzenten stellt der als Konstitutiv der Polis firmierende kommerzielle Zusammenhang, der Markt, etwas ganz anderes als für seine herrschaftlichen Zulieferer und Nutznießer dar, ist er nicht bloß ein mit der Verwandlung von nutzlosen Überschüssen in nützliche Konsumgüter befaßter, ebenso fremdartig-marginaler wie traditionell-unentbehrlicher Dienstleistungsbetrieb, sondern eine mit der Überführung von marktgängig arbeitsteiligen Produkten in lebenswichtig vielfältige Subsistenzmittel beschäftigte vertraut-kommunale Versorgungseinrichtung und zentral-wichtige distributive Organisation. So gewiß der Markt die in seinem Kraftfeld siedelnden, ihm unmittelbar zuarbeitenden und an dem politischen Freiraum, den er schafft, teilhabenden Produzenten in eine an der Verbesserung der Absatz- und Gewinnchancen durch Erhöhung der Produktivkraft ausgerichtete fortschreitende funktionelle Arbeitsteilung hineintreibt, so gewiß bringt er sie in immer größere Abhängigkeit von sich und wird zu einer für die ganze Ökonomie ihres Daseins grundlegenden Vermittlungsinstanz, zu einem ihr gesamtes praktisches Leben beherrschenden Sammel- und Verteilungsort, den sie durch ihrer Hände Arbeit stiften, damit wiederum er durch seine Distributionstätigkeit ihre Existenz sichert, den sie mit ihren Arbeitsprodukten beliefern und in Gang halten, damit er umgekehrt mit seinen Subsistenzmitteln sie versorgt und am Leben erhält.

Aber mag auch den polisinternen Produzenten der polisstiftende Markt empirisch noch so sehr als hiernach ihr eigenes Werk und als wesentlich auf sie gemünzter Lebensmittelpunkt vorkommen, mag er von ihnen noch so sehr in der neuen Funktion einer nicht mehr sowohl peripher herrschaftsvermittelnden als vielmehr originär geselschaftsstiftenden Einrichtung reklamiert werden – systematisch gesehen bleibt er mitsamt der Polis, die er stiftet, nicht nur nach außen eingebettet in den traditionellen Herrschaftszusammenhang der territorialherrschaftlichen Nachbarn, mit denen er Handel treibt, sondern mehr noch nach innen eingebunden in den Kontrakt mit den aristokratischen Erben der traditionellen Herrschaft, die sich durch die konsumtiven Befriedigungsformen und die ökonomischen Bereicherungschancen, die er ihnen eröffnet, zum Bündnis mit ihm verführen lassen und dadurch überhaupt erst das Entstehen des neuen Gemeinschaftstyps Polis politisch ermöglichen. So aber in doppelter Hinsicht der alten Herrschaft verbunden und dienstbar, hat der Markt nicht den mindesten Anlaß, sich als ein wesentlich nurmehr seiner neuen Klientel, den polisinternen Produzenten, verpflichtetes Gebilde zu etablieren und die Fasson eines über seine naturwüchsig-spontane Gemeinschaftsstiftungsfunktion hinaus gruppenspezifisch-planvolle Gemeinnützigkeit beweisenden distributiven Instituts zum Wohle der Polis hervorzukehren, hat er vielmehr allen – nicht allein seine Inkrafterhaltung, sondern überhaupt seinen Fortbestand betreffenden – Grund, seiner vom ebenso wirksamen wie irrationalen Motiv eines Strebens nach quasiherrschaftlicher ökonomischer Selbständigkeit und politischer Unabhängigkeit angetriebenen Strategie der handelskapitalen Akkumulation, der Anhäufung von kommerziellen Gütern, potentiellem Reichtum, als dem Grundprinzip all seines Tuns und Lassens, seiner prima causa und ultima ratio, treu zu bleiben.

Diesem höchsten Verstand seines Daseins, dieser motivationalen Grundbedingung seines Funktionierens unterwirft deshalb der Markt seine neue Klientel, die polisinternen Produzenten, genauso wie seine alte Kundschaft, die außerhalb der Polis residierenden herrschaftlichen Konsumenten, in dieser entscheidenden Hinsicht einer fortgesetzten Anhäufung von potentiellem Reichtum, einer dauernden Aufstockung des bereits vorhandenen Grundstocks der kommerziellen Tätigkeit bedient sich der Markt der handwerklichen Produzenten geradeso wie der herrschaftlichen Konsumenten, kontrahiert er mit den ersteren auf absolut demselben Fuße wie mit den letzteren. Mögen sich die polisinternen Produzenten dem Markte, dem sie ihre Produkte liefern und der sie dafür mit Subsistenzmitteln versorgt, noch so nah und unmittelbar verbunden fühlen, mögen sie empirisch noch so sehr den Eindruck gewinnen, daß der qua Markt organisierte kommerzielle Zusammenhang ihre hauseigene Einrichtung, ein ebensosehr für wie durch sie geschaffenes Instrument zur Erhaltung und Entfaltung ihres ökonomischen Wohlstands und politischen Bestehens darstellt, kurz, daß er der dienstbare Geist der Polis ist – systematisch gesehen kennt der Markt weder nah noch fern, weder Freund noch Feind, sind ihm vielmehr alle seine Handelspartner, die herrschaftlichen und die handwerklichen, die seinen Aktivitäten vorausgesetzten und die durch seine Aktivitäten gesetzten, gleich lieb, weil gleich nützlich zu dem einen großen boden- und endlosen Geschäft, dem er sich verschrieben hat: der Anhäufung potentiellen Reichtums zwecks Erreichung aktuellen Eigentums, der Akkumulation funktioneller Machtfülle zwecks Erlangung substantieller Selbstherrlichkeit, der Sammlung systemimmanent-ökonomischen Einflusses zwecks Gewinnung systemtranszendent-politischer Freiheit.

Nicht daß der von den polisinternen Produzenten kultivierte empirische Eindruck einer besonderen Affinität zum Markt und tiefen Verbundenheit mit ihm einfach falsch wäre! Tatsächlich bringt ja der kommerzielle Zusammenhang, der sich qua Markt organisiert, die Polis mit der in ihr Platz greifenden herrschaftsunabhängigen Produktionssphäre allererst hervor, und wie einerseits er das ökonomische Instrument ist, das der Polis ermöglicht, sich als die besondere Hervorbringung, die sie darstellt, als der neue Gemeinschaftstyp, der sie ist, inmitten des traditionell territorialherrschaftlichen Zusammenhangs der Nachbarn erfolgreich zu behaupten und gedeihlich zu erhalten, so ist andererseits sie das politische Fundament, das ihm erlaubt, sich relativ ungestört, relativ unbehindert durch herrschaftlich-traditionelle Willkür und gesellschaftlich-institutionelle Zwänge zur Geltung zu bringen und zu entfalten. So gesehen, bilden Polis und Markt in der Tat eine enge, in diesem Stadium der Entwicklung sogar unauflösliche, Zweckgemeinschaft, auf die beide angewiesen sind und von der beide profitieren. Aber wohlgemerkt, eine Zweckgemeinschaft bilden sie, das heißt einen Verbund, in dem beide einander Mittel, beide einander von Nutzen sind, um ihren jeweils eigenen, keineswegs im anderen aufgehenden Zweck zu verfolgen. Mag deshalb die Polis und mögen zumal die polisinternen Produzenten durch den Markt noch so sehr ihren im ökonomischen Wohlergehen und in der politischen Selbstbestimmung bestehenden Zweck gefördert sehen und mögen sie deshalb im Markte noch so sehr eine ihnen dienstbare Einrichtung, ein für sie wie geschaffenes Mittel gewahren – was der Markt für sie tut, ist eher Nebenprodukt als zentrales Telos seines Agierens, und für seinen eigentlichen, in die Kapitalbildung, die Akkumulation von potentiellem Reichtum, gesetzten Zweck sind sie, die polisinternen Produzenten, ihm geradesosehr Mittel wie er für ihre Absichten ihnen und gelten sie ihm auch geradesoviel wie die polisfremden Gruppen, mit denen er kontrahiert, die herrschaftlichen Konsumenten.

Und an dieser Präokkupation des als Markt organisierten kommerziellen Zusammenhangs mit dem Akkumulationsprinzip, dem er dient, und das er als seinen eigentlichen Zweck, sein spezifisches Telos verfolgt, ändert sich auch kein Jota dadurch, daß im Zuge der Expansion des Marktes der Kreis derer, die ihm polisintern zuarbeiten, sich erweitert, daß zu der Schar von materiell Werktätigen, von ebenso marktbezogen wie unabhängig in der Produktion Arbeitenden, neue Gruppen von strukturell Dienstleistenden, von ebenso abhängig wie marktentsprungen in der Zirkulation Beschäftigten, hinzutreten und daß gegenüber der Gesamtheit dieser am Aufbau und am Betrieb, an der Erhaltung und der Verwaltung des Marktes beteiligten Personen nunmehr das zum Geld avancierende allgemeine Äquivalent die Doppelrolle des den tatsächlichen Wert der Güter auf dem Markt stipulierenden synthetischen Konstitutivs und des die Anteile der einzelnen an diesem Wert artikulierenden analytischen Distributivs übernimmt. Auch der durch Geld vermittelte oder vielmehr neubegründete Austausch bleibt dem obersten Prinzip aller kommerziellen Transaktion, der Anhäufung von potentiellem Reichtum, verpflichtet. Auch nun, da sich die Handeltreibenden ihre Geschäfte mit der erweiterten und weiter wachsenden Schar von Beiträgern zum Markt durch Geld regulieren oder besser von Grund auf reorganisieren lassen, bleibt höchstes Ziel dieser Geschäfte die Vermehrung der als die Waren, die das Geld repräsentiert, bloß noch vorübergehend erscheinenden und im Geld selbst ihre jeweils wahre Gestalt annehmenden Wertmenge des Marktes.

Das einzige, was sich ändert, ist der Modus und dadurch tendenziell auch das Ausmaß und das Tempo der Vermehrung. Solange die Arbeitenden noch durchweg als unabhängige, wenngleich marktbezogene Produzenten eigene Produkte zu Markte tragen, deren durch Gewohnheit bewährter Tauschwert beim Eintritt in den kommerziellen Austausch bereits feststeht, fällt es ihnen nicht schwer, den Überblick über die Aneignungsprozedur zu behalten, mittels deren die Handeltreibenden die Vermehrung der vom Markt verwalteten Wertmenge, eben die Kapitalbildung, ins Werk setzen. Sie brauchen im Prinzip nur den Preis, den die Handeltreibenden ihnen für ihr Produkt zahlen, mit dem Preis, zu dem das von den Handeltreibenden angeeignete Gut anschließend auf dem Markt feilgeboten wird, zu vergleichen, um genau zu wissen, wie hoch der von den Handeltreibenden einbehaltene Anteil am Wert der Werterscheinung ist, in welcher Proportion also die Werterscheinung Mehrwert abwirft, Kapital bildet, und um vor allem ohne Mühe sehen und beurteilen zu können, wann sich die Preisgestaltung aufgrund sekundärer, dem kapitalen Gewinnstreben der Handeltreibenden günstiger Faktoren vom soliden Fundament des anerkannten Wertverhältnisses löst und entweder durch Beschneidung des den Produzenten verbleibenden Wertanteils oder durch eine wertunabhängige Verteuerung der Werterscheinung zur Bodenlosigkeit unverhältnismäßiger Profitspannen versteigt. Nun aber, da die Verschiedenartigkeit der mittlerweile am Markt beteiligten Gruppen und Interessen das allgemeine Äquivalent in der Rolle des Geldes auf den Plan ruft, und da das Geld dafür sorgt, daß der Wert der Produkte nicht mehr im wesentlichen vor dem Austausch feststeht, sondern im Gegenteil Sache eines Feststellungsverfahrens ist, das im ersten Abschnitt des Austauschprozesses selbst, im Austausch der Produkte gegen Geld besteht – nun ist es mit solch einfacher Kontrollmöglichkeit im Blick auf die Akkumulationstätigkeit der Handeltreibenden vorbei.

Nicht nur und nicht primär empirisch-technisch, das heißt, aufgrund der mit der Umstellung auf Geldwirtschaft Hand in Hand gehenden zunehmenden Umfänglichkeit, Diversität und Unüberschaubarkeit der Warensammlung, die der Markt ist, hören das Produkt, das der Produzent zu Markte trägt, beziehungsweise das Wertquantum, das er dafür erhält, und das Produkt, das ihm dann auf dem Markte entgegentritt, beziehungsweise die Summe aus Wertanteil des Produzenten und Mehrwert, die es als marktspezifische Werterscheinung darstellt, auf, beziehbar aufeinander zu sein – beide verlieren auch und entscheidender aus den geschilderten systematisch-praktischen Gründen alle Vergleichbarkeit: So gewiß der Wertanteil, den in Geldform der Produzent für sein Produkt erhält, alles andere als der tatsächliche Wert des Produktes ist und so gewiß dieser tatsächliche Wert sich allererst über eine Vielzahl von Geld involvierenden Austauschakten herausstellt, weil seine Bildung in Wahrheit nicht nur Sache des Produzenten ist, sondern weil daran auch andere, zwar nicht unmittelbar mit der Produktion des Produkts, wohl aber mittelbar mit seiner Zirkulation befaßte Arbeitende beteiligt sind und weil im übrigen auch der Wertanteil, den andernorts, außerhalb der Polis, Produzenten für die gleiche Produktart erhalten, als kalkulatorisch bestimmender Faktor in die Wertbildung einfließen – so gewiß dies der Fall ist, so gewiß dirimiert sich dem Produzenten, was er zu Markte trägt und was ihm auf dem Markte dann wieder entgegentritt, in zwei völlig verschiedene, miteinander unvergleichbare Existenzen und erfährt er dies ihm Entgegentretende als eine relationslos rekonstruierte Erscheinung des Geldes selbst, als absolutes Geschöpf des Marktes, als Ware, deren Wert für ihn in keinem nachweisbaren, geschweige denn nachvollziehbaren Verhältnis steht zu dem Wertanteil, den er für sein Produkt erhielt, als er es zu Markte trug, und dementsprechend auch keinerlei Auskunft mehr gibt über den Anteil, der den Handeltreibenden bei der Transaktion zufällt, den Mehrwert, den sie kraft kommerzieller Funktion und zwecks kapitaler Akkumulation abschöpfen. Was sein Wertanteil an dem Produkt, den er in Geldform erhält, tatsächlich wert ist, das heißt, wieviel von dem in Geldform verkörperten Gesamtwert des Produkts dieser Anteil vertritt und qua Äquivalent verfügbar macht, erweist sich für ihn definitiv erst im zweiten Abschnitt des Austauschaktes, dort nämlich, wo der Produzent mit seinem Wertanteil, seinem Quantum Geld, auf den Markt geht, um es gegen Waren auszutauschen, Werterscheinungen für es einzutauschen.

Das Geld ermöglicht zwei neue Akkumulationsstrategien. Die eine dieser Strategien, die Mehrwertaneignung mittels Preiserhöhung, ist eine der Existenz des Geldes geschuldete Kopfgeburt, ergibt allerdings nur einen Sinn, wenn es darum geht, neue Konsumenten- und Produzentengruppen ins Marktsystem zu integrieren, wofür in der antiken Polis die Voraussetzungen fehlen.

Die Undurchsichtigkeit des durch das Geld vermittelten Austausches, die letzteren eigentlich erst zur Transaktion stricto sensu werden läßt und die ihren Grund eben in der synthetisch-konstitutiven Bedeutung und der dazugehörigen analytisch-distributiven Funktion des Geldes hat, eröffnet nun also den Handeltreibenden im Blick auf die im kommerziellen Austauschprozeß einbegriffene kapitale Aneignungsprozedur völlig neue Perspektiven. Indem durch die Dazwischenkunft des Geldes den Produzenten die Proportion zwischen ihrem Wertanteil und dem Marktwert des Produkts als Kriterium für die Kontrolle der Gewinnspanne der Handeltreibenden verloren geht und sie sich mit der Tatsache abfinden müssen, daß ihr als Geld verkörperter Wertanteil wenig oder nichts über den in Geld ausgedrückten Marktwert ihres zur Ware gewordenen Produkts aussagt und höchstens und nur Auskunft über ihren mehr oder minder beschränkten Anteil an der Bildung jenes Marktwertes gibt, erhalten die Handeltreibenden nicht etwa nur freie Hand, sondern sehen sich durch das akkumulationsorientierte Prinzip ihres ökonomischen Tuns und Treibens regelrecht dazu genötigt, bei jeder sich bietenden Gelegenheit an diesem Verhältnis zwischen Wertanteil der Produzenten und Marktwert des Produkts zu drehen und es zu ihrem Vorteil, sprich, im Interesse einer beschleunigten Kapitalbildung zu verändern.

Um diese Veränderung der Wertverteilungsproportion zu ihren Gunsten und zu Lasten der Produzenten – das heißt aber nun, zu Lasten der Gesamtheit von Arbeitenden, von produktiv Tätigen und zirkulativ Beschäftigten, die mittlerweile als Träger der Produktion firmieren, – zu erreichen, stehen den Handeltreibenden im Prinzip zwei Wege offen: Sie können den Wertanteil der Produzenten verringern, oder sie können den Marktwert ihrer Waren erhöhen. Mit anderen Worten, sie können den Arbeitenden in ihrer Rolle als Erzeuger für die Produkte, die diese dem Markt verkaufen, weniger Geld zahlen, das heißt, einen Teil des Wertanteils, den die Produzenten bis dahin für ihre Leistungen bekamen, einbehalten, oder sie können den Arbeitenden in ihrer Rolle als Verbraucher für die Waren, die sie ihnen verkaufen, mehr Geld abfordern, das heißt, den Verbrauchern für den Wertanteil, den diese in Geldform gegenüber dem Markt als Anspruch geltend machen, weniger Ware als bislang überlassen. Weil durch die Erhöhung des Gesamtwerts der Waren der Wertanteil der Produzenten relativ sinkt, können diese nur noch ein entsprechend vermindertes Kontingent Waren erstehen, und es bleibt also in letzterem Fall nach Abschluß des Austauschprozesses zwischen Produzenten und Handeltreibenden ein größeres Kontingent Waren in den Händen der Handeltreibenden zurück, das sie anderweitig verkaufen, gegen Geld austauschen können. Damit ist aber klar, bei welcher Gelegenheit diese Strategie zur Veränderung der Wertverteilungsproportion überhaupt nur anwendbar ist, unter welcher Bedingung sie einzig funktionieren kann. Voraussetzung für ihr Funktionieren ist, daß genug potentielle Konsumenten für das größere Kontingent Waren, das bei den Handeltreibenden verbleibt, genug Interessenten also mit genügend Geld vorhanden sind, um den relativ vergrößerten Warenposten kaufen. Unmittelbar wirkt sich demnach diese an der Konsumentenseite ansetzende Mehrwertvergrößerungsstrategie, die in der Geldfunktion ihre Bedingung der Möglichkeit hat, im Sinne einer Erweiterung des Abnehmerkreises und einer entsprechenden Umverteilung aus, durch die ein Teil der Waren den Produzenten entzogen und den neuen Konsumenten zugewendet werden. Wie materiell die Strategie einer Mehrwertvergrößerung durch Marktwerterhöhung den neuen, mit genügend Geld versehenden Käufergruppen zugute kommt, deren Existenz zugleich die Bedingung der Möglichkeit ihres Funktionierens ist, so zahlt sie sich reell für die Handeltreibenden aus, die am Ende des Austauschvorgangs mit einem der Marktwerterhöhung entsprechenden Mehr an Geld dastehen.

Indes erweist sich bei genauerem Hinsehen der vermeintlich reelle Gewinn für die Handeltreibenden doch eher wohl als ein formeller. Was sie durch ihre Strategie gewinnen, ist ein Mehr an Geld, ohne daß diesem Mehr ein Zuwachs an Gütern entspräche. Durch die Erhöhung des Marktwerts der Waren verschaffen die Handeltreibenden einfach nur neuen konsumtiven Ansprüchen in Geldform Zutritt zum Markt, die, wenn sie geltend gemacht werden, eine Umverteilung der vorhandenen Gütermenge bewirken, weil durch die Vergrößerung der Summe der geldförmigen Ansprüche die Größe des einzelnen Anspruchs relativ sinkt und dementsprechend auch der Anteil an der Gütermenge, über den dieser einzelne geldförmige Anspruch Verfügung verleiht, seine Kaufkraft also, absolut abnimmt. So gesehen, handelt es sich bei der mittels Erhöhung des Marktwerts der Waren verfolgten Strategie nicht etwa um ein Verfahren zur Steigerung des Gesamtwerts der Waren, sondern bloß um eine Prozedur zur Vermehrung des diesen Wert verkörpernden Geldes und mithin um eine Technik zur relativen Herabsetzung, zur Entwertung der in Geldform bereits vorhandenen Anteile am Gesamtwert und das heißt, Reduzierung der darin objektivierten Ansprüche auf die Waren, in deren Gestalt der Gesamtwert erscheint. Kurz, die Marktwerterhöhung ist ein rein nomineller Akt, ist in Wahrheit nur eine Preiserhöhung, ein Vermehrungsakt auf Seiten der Wert verkörpernden Geldmenge, der als Entwertungsvorgang auf die einzelnen Geldanteile zurückschlägt und unmittelbar nur den einen Effekt haben kann, zu Lasten bereits vorhandener Ansprüche an den Markt neuen konsumtiven Ansprüchen Geltung zu verschaffen. Ist dieser Effekt erzielt und bleibt der Handeltreibende mit seiner kraft Preiserhöhung überproportional vermehrten Geldmenge zurück, so stellt das Mehr an Geld in seiner Hand nicht etwa ein Mehr an Wert dar, sondern bloß eine Hypothek, die er im Zweifelsfall gut beraten ist, rasch wieder aus der Welt zu schaffen, genauer gesagt, aus dem tauschprozessualen Verkehr zu ziehen. Beläßt er dies Mehr an Wert nämlich in der Zirkulation und macht es im Vertrauen darauf, daß es sich dabei um ein vollwertiges Äquivalent für Waren handelt, abermals wie vorher als geldförmigen Anspruch an den Markt geltend, um sich selbst oder ihm nahestehenden Gruppen zu einem besseren Lebensstandard zu verhelfen, so wird er bald feststellen, wie wenig dies Mehr wert ist und wie sehr in Wahrheit seine Funktion sich in einer zwecks Umverteilung von Waren wirksamen allgemeinen Entwertung des Geldes erschöpft: Indem er es im Sinne konsumtiver Ansprüche geltend macht oder machen läßt, kommen diese beim nächsten Austauschvorgang zu den per Preiserhöhung der Waren ins Spiel gebrachten konsumtiven Ansprüchen noch hinzu und treiben die Entwertung des Geldes weiter voran. Je länger der Handeltreibende mit seiner unter der Selbsttäuschungscamouflage einer Mehrwertvergrößerung praktizierten Umverteilungsstrategie fortfährt, um so mehr verschiebt er dabei, systematisch betrachtet, das Verhältnis zwischen dem Wertanteil, der produktive Leistungen repräsentiert, und dem Geldanteil, der einfach nur konsumtive Ansprüche vertritt, zugunsten der letzteren oder um so mehr bläht er, dynamisch genommen, die Geldmenge, die den Wert der Waren verkörpert, im Vergleich zu der Warenmenge, die diesen Wert erscheinen läßt, auf. Die Leidtragenden sind die Produzenten, die durch die fortlaufende monetäre Entwertung ihren materiellen Anspruch an den Markt immer weiter schwinden sehen, bis er unter die subsistentiellen Grenze sinkt und sie sich in veritable Lebensnot gestürzt finden.

Die einzige Möglichkeit, dieser schwindsüchtigen Entwicklung und katabolischen Fallkurve zu wehren, besteht für den Handeltreibenden darin, alles Mehr an Geld, das er durch die Preiserhöhung erwirbt, anschließend an Produzenten fließen zu lassen, sprich, zur Erzeugung und Beistellung von mehr Waren zu verwenden. Auf diese Weise wird erreicht, daß das Mehr an geldförmigen Ansprüchen an den Markt, das durch die Preiserhöhung quasi von außen und ohne zugrundeliegenden produktive oder zirkulative Leistung ins Spiel gebracht worden ist, nachträglich diesen Leistungsnachweis erbringt, sich als ein auf Beiträge gegründeter Anspruch im Nachhinein erweist und die Warenmenge seinem Wertausdruck entsprechend vergrößert; so wird verhindert, daß jenes Mehr an geldförmigem Anspruch ungebunden, frei flottierend im Marktsystem herumgeistert, sich mangels eigener Fundierung im Markt den übrigen geldförmigen Ansprüchen anheftet und sie ein Stück weit entwertet, als Repräsentanten von Leistungen entwirklicht. Allerdings handelt es sich dabei bloß um eine Reparatur, um die Einlösung einer auf die Warenmenge aufgenommenen Hypothek, die Rückzahlung eines auf künftige Produktion gewährten konsumtiven Kredits, die Begleichung einer im Vorgriff auf spätere Leistungen aufgelaufenen Anspruchsschuld. Das heißt, die Rückübersetzung des mittels Preiserhöhung von außen ins kommerzielle System eingeschleusten Mehr an Geld in ein durch das System gedecktes Warenäquivalent, seine Rückverwandlung in ein Entgelt für systemimmanente Leistungen stellt einzig und allein den Status quo vor dem Versuch einer Mehrwertaneignung durch Preiserhöhung wieder her, von dem aus bei unveränderter Preiserhöhungsstrategie das haargenau gleiche wie vorher passieren muß: die Erzielung eines Mehr an Geld, das auf die unverändert gleiche Warenmenge bezogen und daher in Wahrheit bloß nominell ist, dessen reelle Konsequenzen sich deshalb auch in einer Umverteilung der vorhandenen Warenmenge zum Nachteil der Produzenten erschöpfen und das sich nur dann in seinen die konsumtive Position der Produzenten immer weiter unterminierenden Auswirkungen neutralisieren läßt, wenn es abermals gelingt, es nachträglich auf das fundamentum in re einer ihm eigenen Arbeitsleistung zu stellen. Das aber bedeutet nun, daß, solange der Handeltreibende seine Preispolitik fortsetzt und mit der Strategie eines nachfragebedingt überhöhten Marktwerts operiert, zwar immer wieder das qualitativ gleiche, mitnichten aber das quantitativ selbe passiert: Weil vielmehr der Handeltreibende jedesmal, um einer Eskalation des Entwertungsprozesses zu wehren, das Mehr an Geld in einer vergrößerten Warenmenge sein Gegenstück finden lassen muß, kehrt auch jedesmal ein der Preisüberhöhung entsprechend größeres Mehr an Geld in seine Hände zurück und zwingt ihn, nach neuen Fundierungs- oder Substantiierungsmöglichkeiten für dies Mehr zu suchen, das heißt, nach neuen Gelegenheiten, es durch die Investition in produktiv-zirkulativen Leistungen zu neutralisieren.

In einer Art Status quo erhalten läßt sich demnach das durch die Strategie einer Mehrwertaneignung mittels Marktwerterhöhung destabilisierte kommerzielle System einzig und allein durch eine in geradezu geometrischen Sprüngen vor sich gehende ständige Expansion seines Tätigkeitsfeldes, die unaufhörliche Erweiterung des Konsumentenkreises, der dem Markt die durch Investition des Mehr an Geld beigeschafften neuen Waren abnimmt, ebenso wie der Produzentengruppen, die dem Markt das durch die neuen Waren beschaffte abermalige Mehr an Geld in noch mehr Waren umsetzen und in dieser Gestalt zurückgeben. So gesehen, ist also Voraussetzung dafür, daß diese am Marktwert des Produkts ansetzende geldgestützte Aneignungsstrategie des Handeltreibenden funktioniert, und das heißt aber: das kommerzielle System nicht unaufhaltsam in die Krise einer galoppierenden Entwertung des Geldes und einer dadurch effektuierten fortschreitenden Umverteilung des vom Markt verwalteten gesellschaftlichen Reichtums zu Lasten seiner Produzenten und zugunsten systemfremder Konsumenten führt, nicht nur, wie oben bemerkt, daß solche systemfremden Konsumenten existieren, die von draußen das Mehr an Geld beisteuern können, das die im Preis heraufgesetzten Waren kosten, sondern auch, daß es genügend systemfremde Produzenten gibt, um in ihre Arbeit das Mehr an Geld zu investieren und also durch Einbeziehung brachliegender Produktionskapazitäten in das System die andernfalls inflationäre Wirkung des Geldes jeweils wieder zu neutralisieren. Wenn und solange dies beides gegeben ist, kann das kommerzielle System in der Tat eine Mehrwertaneignungsstrategie durch Marktwerterhöhung praktizieren, ohne sich dem freien Fall einer unaufhaltsamen Geldentwertung auszuliefern, indem es nämlich der Fallsucht durch eine in geometrischen Sprüngen fortschreitende Expansion entgegenwirkt und auf diese Weise im prekären Balanceakt die im sprunghaften Vorwärtsstürmen bestehende Mitte zwischen Sturz und aufrechtem Gang, zwischen Fall und Fortbewegung hält.

Damit wird zugleich klar, daß unter bestimmten, als Ausnahmebedingungen unschwer erkennbaren Voraussetzungen die Mehrwertaneignung durch Marktwerterhöhung dem Handeltreibenden in dem Sinne von Nutzen sein kann, daß sie ihm eine rasante Vergrößerung seines Geschäftsvolumens, eine sprunghafte Erweiterung des kommerziellen Austauschzusammenhanges ermöglicht. Sind beide Faktoren, die kraft ihres Geldes Anspruch auf die Teilnahme am Markt erhebenden neuen Konsumentenkreise und die mittels dieses Geldes für die Teilnahme am Markt zu gewinnenden neuen Produzentengruppen, hinlänglich gegeben, so kann der Handeltreibende mit seiner Strategie einer Befriedigung der neuen konsumtiven Ansprüche durch eine per Geldentwertung effektuierte bloße Umverteilung der vorhandenen Warenmenge in der Tat eine Vergrößerung der Warenmenge und also eine Expansion des Austauschsystems erreichen, indem er dafür sorgt, daß die in Gestalt des Geldes nach dem Austauschprozeß in seiner Hand versammelten konsumtiven Ansprüche beim nächsten Austauschvorgang ausschließlich als Äquivalent für produktive Leistungen vergeben werden und also das aus unfundiert konsumtiven und produktiv fundierten Ansprüchen gemischte Anspruchsvolumen, das aus dem zweiten Teil des vorhergehenden Austauschprozesses, aus der Belieferung der Konsumenten mit Waren, hervorgeht, beim ersten Teil des folgenden Austauschprozesses, bei der Ausstattung des Marktes mit Produkten, als streng nur auf die Produzenten gemünztes neues Orientierungsniveau, als für den Produktionsbereich maßgebende Bezugsgröße zur Geltung gebracht wird. Gelingt dem Handeltreibenden dies, so kann er mit seiner Marktwert- oder Preiserhöhungsstrategie in der Tat ein wucherndes Wachstum des Marktsystems, eine krebsartige Ausdehnung seiner kommerziellen Vermittlungstätigkeit erreichen und damit nicht nur eine pauschale oder absolute Steigerung des in seinen Händen verbleibenden Mehrwerts erzielen, sondern auch seine ökonomische Macht und, darauf basierend, seinen politischer Einfluß vergrößern, kurz, das vollbringen, was vielleicht notgedrungen einziger Sinn seines kommerziellen Tuns und nämlich die exoterische Wirklichkeit des Strebens nach Autonomie und quasiherrschaftlicher Souveränität ist, das oben als das esoterisch letzte, als contradictio in adjectum solchen Tuns zur Selbstvereitelung verurteilte Motiv allen kommerziellen Beginnens erschien.

Indes, als eine funktionierende Markterweiterungsstrategie bleibt diese auf Geldbasis möglich werdende und qua Preiserhöhungspolitik ins Werk gesetzte Ankurbelung der in Warengestalt für den Markt erbrachten Leistungen durch eine vorauseilende Steigerung der in Geldform an den Markt gerichteten Ansprüche nicht nur gebunden an die genannten beiden Bedingungen, daß außerhalb des Systems geldbesitzende Konsumenten vorhanden sind und Geld in Waren verwandelnde Produzenten zur Verfügung stehen, sondern sie bleibt auch immer nur ein vorübergehendes Phänomen, eine Zwischenphase, weil ihr Erfolg eben darin besteht, jene äußeren Voraussetzungen für ihr Funktionieren aufzuzehren. Nichts anderes vollbringt ja diese Strategie einer Expansion des Marktes durch Preiserhöhung, als daß sie die äußeren Voraussetzungen, die sie ermöglichen, in marktspezifische Momente, systemimmanente Faktoren verwandelt und nämlich ebensosehr das von außen an den Markt herangetragene Geld in die Zirkulation integriert und als Repräsentant markteigener Werterscheinungen vereinnahmt, wie die außerhalb des Marktes liegenden Produktionskapazitäten durch dies vereinnahmte Geld mobilisiert und in Gestalt regelmäßiger Warenlieferungen dem Markte einverleibt. Ist beides vollbracht und hat also das kommerzielle System sich um die neuen Konsumenten- und Produzentengruppen erweitert und ihr Geld beziehungsweise ihre Produkte in seine Zirkulation, seinen Geltungsbereich eingebunden, so muß jene Markterweiterungsstrategie schleunigst fallengelassen, das heißt, der Marktwert oder Preis der Waren muß so weit zurückgeführt werden, daß er wieder der früheren langsameren und als Normalmaß bewährten, weil durch die immanente Produktivkraftentwicklung des kommerziellen Systems gedeckten Reichtumakkumulationsrate entspricht, kurz, den "tatsächlichen", aus dem Wertanteil der beteiligten – direkten oder indirekten – Produzenten und dem Mehrwert, den diese Produzenten aus eigener Kraft ihrem Wertanteil hinzufügen können, zusammengesetzten Wert der Waren widerspiegelt.

Geschieht das nicht, kommt es unaufhaltsam zu der oben beschriebenen inflationären Entwicklung, die höchstens und nur eine galoppierende Umverteilung der vorhandenen Warenmenge zu Lasten der Produzenten bewirkt und die damit aber nichts weiter leistet, als die Axt an das kommerzielle System selbst zu legen und nämlich die subsistentielle Position derer zu zerstören, die das System letztlich tragen. Mit anderen Worten, die Mehrwertaneignungsstrategie durch Marktwerterhöhung nimmt wieder jenen Charakter einer rein nominellen Aktion, einer Spiegelfechterei, an, der da macht, daß ihr einziger Erfolg die Unterminierung des kommerziellen Systems sein und sie einen irgend positiven, im Sinne des Handeltreibenden erwünschten Effekt höchstens und nur haben kann, wenn die beiden genannten außerordentlichen Bedingungen einer auf den Markt drängenden autogenen Kaufkraft und vom Markt rekrutierbarer heterogener Produktionskräfte simultan gegeben sind. Fehlen diese beiden äußeren Voraussetzungen, so kann die Strategie nichts als Negatives bewirken und legt bei ihrer sporadischen, durch das gelegentliche Auftreten der ersten Voraussetzung, durch den Einfluß fremder Kaufkraft, angeregten Aktivierung einzig und allein Zeugnis davon ab, zu welchen Irrungen und Wirrungen ein kommerzielles Akkumulationsverfahren führen kann, das durch Geld vermittelt ist und das im Geld das den tatsächlichen Gütern allem Anschein nach vorgeordnete, weil sie als seine eigenen Erscheinungen konstituierende, als abhängigen Ausdruck seiner selbst bestimmende, kurz, als Warenzusammenhang setzende Realfundament der wertförmigen Güterdistribution gewahrt.

Anders als zu Beginn der Neuzeit, wo die Strategie einer Mehrwertvergrößerung durch Marktwerterhöhung eine ebenso grundlegende wie vorübergehende Rolle im Dienste der sogenannten ursprünglichen Akkumulation zu spielen vermag, kann für den hier behandelten Zeitraum der klassischen Antike keine Rede davon sein, daß die für den Erfolg der Strategie unabdingbaren beiden Voraussetzungen gegeben wären. Weder verfügen die in den territorialherrschaftlichen Zusammenhang eingesprengten oder vielmehr an ihren mediterranen Küsten prekär postierten Polisgemeinschaften über genügend Herrschaftsgebiet oder Hinterland, um in dem erforderlichen Maßstab auf nicht schon vom kommerziellen System erfaßte Produktionskapazitäten zurückgreifen und sie für den Markt mobilisieren zu können, noch stehen ihnen vor allem jene systemfremden Konsumentengruppen zu Gebote, deren einziger Beitrag zum kommerziellen System in den geldförmigen Ansprüchen besteht, die sie an den Markt herantragen. Die polisexternen, am kommerziellen System von außerhalb partizipierenden Konsumenten, die benachbarten Territorialherrschaften und ihre Repräsentanten, treten ja nicht etwa als reine, geldbesitzende Konsumenten auf, sondern sind im indirekten Sinne der frondienstlich erwirtschafteten Überschüsse, die sie zu Markte tragen, ihrerseits Produzenten, die dank der Aktivität der Handeltreibenden der Polis untereinander und mit den Produzenten der Polis im kommerziellen Austausch stehen. Tatsächlich ist es ja der Handel mit den frondienstlichen Produkten herrschaftlicher Konsumenten, was die Polis überhaupt erst ins Leben ruft und selber zum ökonomisch gewichtigen und deshalb auch zunehmend politisches Gewicht erlangenden Handelspartner jener herrschaftlich produzierenden Konsumenten werden läßt. Letzteren mit jener Strategie einer Mehrwertsteigerung durch Preiserhöhung kommen zu wollen wäre verlorene Liebesmüh, da sich durch die nominelle Werterhöhung das reale Wertverhältnis zwischen den kommerziell ausgetauschten Produkten gar nicht veränderte und deshalb der von den Handeltreibenden bei den Produkten der Polis erhöhte Preis für die herrschaftlichen Produzenten beziehungsweise ihre Repräsentanten höchstens Anlaß wäre, ihre Produkte im Preis entsprechend anzuheben, um die alte Wertrelation wiederherzustellen – was bedeutete, daß der durch die Preiserhöhung verfolgte Zweck, mehr Geld aus den Waren der Polis herauszuschlagen, um damit gegebenenfalls die Expansion des kommerziellen Systems voranzutreiben, offensichtlich durchkreuzt und zunichte gemacht wäre.

Die zweite Akkumulationsstrategie besteht in der Mehrwertaneignung durch Verringerung des Wertanteils der Produzenten, und zwar entweder mittels absoluter Vergrößerung der produzierten Warenmenge oder mittels relativer Veränderung der Aufteilung ihres Wertes. Die absolute Vergrößerung der Warenmenge ist die Folge von Steigerungen der Produktivität, die in der Antike durchaus stattfinden, sich aber wegen des Produktivitätsgefälles zwischen der Polis und ihren territorialherrschaftlichen Nachbarn nicht nur für die Handeltreibenden, sondern auch für einen Teil der Produzenten in der Polis vorteilhaft auswirken, während ein anderer Teil der Produzenten durch die Steigerung der Produktivität in ökonomische Not gerät. Da das Produktivitätsgefälle wegen der "Arbeitsteilung" zwischen Polis und Territorialstaaten gleichzeitig auch eine Verschlechterung der ökonomischen Situation des agrarisch fundierten Mittelstandes mit sich bringt, gerät der Arbeitsmarkt unter Druck, was wiederum den Handeltreibenden ermöglicht, die Mehrwertaneignung durch relative Verkleinerung des Wertanteils der Produzenten zu praktizieren. Diese andere Form der Mehrwertaneignung ist zwar nicht gebunden an die Existenz der Geldform, wird aber durch deren kaschierende Funktion wesentlich erleichtert.

Die durch die Existenz des Geldes ermöglichte Strategie einer Mehrwertaneignung durch Marktwerterhöhung, jene Strategie also, die am zweiten Abschnitt des geldvermittelten Austauschprozesses ansetzt und die darin besteht, dem Konsumenten für die auf dem Markt zirkulierenden Waren mehr Geld abzuverlangen, als dem Produzenten dafür gezahlt worden ist, und zwar wohlgemerkt ein Mehr an Geld, das den gewohnten Geldanteil übersteigt, den der Handeltreibende dem Produzenten ohnehin nicht ausbezahlt, weil er ihn als einen ihm für seine Vermittlungstätigkeit zustehenden Wertabschlag, als seinen Gewinn, in Anspruch nimmt – jene Strategie einer nachträglichen Aufstockung oder nominellen Aufbesserung des in Geld ausgedrückten Wertanteils des Handeltreibenden hat also hier, in diesem Kontext, mangels der für ihr relatives Gelingen erforderlichen beiden Voraussetzungen vorhandenen fremden Geldes und verfügbarer neuer Produktionskapazitäten wenig oder keine Aussicht auf Erfolg. Fragt sich nun, wie es um die andere, durch die Dazwischenkunft des Geldes möglich werdende Aneignungsstrategie, die nicht am Marktwert des Produkts, sondern am Wertanteil des Produzenten ansetzende Mehrwertvergrößerung, bestellt ist, ob in diesem Kontext für sie die Bedingungen eher gegeben, die Voraussetzungen günstiger sind. Diese Aneignungsstrategie, die im ersten Abschnitt des geldvermittelten Austauschprozesses zum Tragen kommt und die darin besteht, dem Produzenten weniger Geld für seine Produkte zu überlassen, als dann der Konsument im zweiten Abschnitt des Austauschprozesses für sie als Waren bezahlt, wobei auch hier wieder wohlgemerkt der Witz bei der Sache ist, daß das Weniger an Geld den gewohnten Wertabschlag noch unterschreitet, den für seine Vermittlungstätigkeit der Handeltreibende dem Produzenten ohnehin in Rechnung stellt – diese andere Strategie ist, wenn man so will, die solidere von beiden. Anders als im ersten Fall, in dem der Handeltreibende den Konsumentenkreis aufs Geratewohl erweitert, sich auf gut Glück mehr Ansprüche in Geldform zu eigen macht, von denen er hofft, daß sie sich in einem entsprechenden Mehr an Leistungen niederschlagen, die Produzentenschar vergrößern werden, vergrößert er im zweiten Fall die Gütermenge, eignet sich mehr

Leistungen in Warenform an, in der Erwartung, mehr geldförmige Ansprüche damit befriedigen und auf diese Weise ein Mehr an Geld für die Vergrößerung der Produzentenschar gewinnen zu können.

Das Ziel, die Vermehrung des kommerziellen Reichtums zwecks vermehrter Produktion kommerziellen Reichtums, ist bei beiden Strategien dasselbe und beide setzen insofern die traditionelle handelskapitale Akkumulationsabsicht mit anderen, durch das Geld ermöglichten, einschneidenderen Mitteln fort. Aber während die erste Strategie, die darin besteht, durch Preiserhöhung mehr Geld für die auf dem Markt vorhandenen Waren einzutreiben, eine echte Kopfgeburt des Geldes ist und die mit dem Geld eingetretene Verdoppelung der Wertebene dazu nutzt, die angestrebte vergrößerte Warenmenge kurzerhand schon einmal in Geldform zu simulieren oder zu setzen und darauf zu hoffen, daß diese Setzung nachträglich in Arbeitsleistungen umsetzbar ist und so die nur erst simulierte Vergrößerung der Warenmenge tatsächlich nach sich zieht, bleibt die zweite Strategie, die darauf hinausläuft, durch Verringerung des Wertanteils der Arbeitenden mehr Güter für die auf dem Markt vorhandene Geldmenge aufzutreiben, durchaus im Rahmen der traditionellen Vorgehensweise und macht sich das Geld und die mit ihm eingetretene Ebenenverdoppelung, genau genommen, nur insofern zunutze, als die Geldform dem Handeltreibenden erlaubt, das Faktum der mittels absoluter Vermehrung der Waren oder relativer Neuaufteilung ihres Werts erzielten Vergrößerung der in Waren erscheinenden Wertsumme zugunsten des Anteils, der ihm davon zufällt, hinter der undurchdringlichen Fassade der im Geld als synthetischem Konstitutiv versammelten leistungsfundierten gesellschaftlichen Ansprüche oder Wertanteile des arbeitenden Kollektivs Deckung finden zu lassen und in der Tat zum Verschwinden zu bringen, mit anderen Worten, die in Warengestalt erscheinenden Wertanteile, die er den Produzenten zusätzlich entzieht und sich aneignet, Konsumenten von außerhalb des Produktionszusammenhanges zuzuwenden, ohne daß – wegen der durch die Geldform gewährleisteten Ununterscheidbarkeit der Ansprüche jener neuen Konsumenten von denen der Produzenten selbst, wegen der Unentwirrbarkeit also der unter der Camouflage des Geldes synthetisierten heterogenen Forderungen an den Markt – die tatsächliche expropriative Wertverschiebung, die eigennützige "Veruntreuung", die der Handeltreibende begeht, für die Produzenten sichtbar, geschweige denn durchschaubar würde.

Absolute Vermehrung der Waren oder relative Neuaufteilung ihres Werts – dies sind die beiden Grundtechniken, die der am Wertanteil des Produzenten ansetzenden Strategie einer Mehrwertvergrößerung zur Erreichung ihres Zieles zu Gebote stehen. Entweder der Handeltreibende kann erreichen, daß er für die gleiche Wertsumme in Warengestalt eine geringere Summe in Geldform ausgeben muß, oder er kann dafür sorgen, daß er für die gleiche Wertsumme in Geldform eine größere Summe in Warengestalt erhält. Die Voraussetzung für letzteres, dafür also, daß der Handeltreibende, systemimmanent gesprochen, mehr vergegenständlichte Arbeitsleistung für sein Geld bekommt, liegt auf der Hand: es ist die Erhöhung der Produktivität, die durch technische Entwicklungen oder durch qualitative Verbesserungen der Arbeitskraft bewirkte Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Arbeitenden. Indem sie in der einen oder anderen Hinsicht oder auch in beiden zugleich effektiver arbeiten, schaffen die Arbeitenden in der gleichen Arbeitszeit wie vorher ein größeres Produktkontingent und liefern mithin dem Handeltreibenden, falls sie ihm das Kontingent zum gleichen geldförmigen Gegenwert wie vorher überlassen müssen, eine in Warenform erscheinende vergrößerte Wertsumme. Die Voraussetzung selbst, die technisch-qualitative Steigerung der Produktivkraft, ist in dem hier erörterten Zeitraum des politisch-ökonomischen Aufstiegs der Polis durchaus gegeben. Wie oben ausgeführt, sorgen die Absatzchancen, die der expandierende Handel der Polis eröffnet, im polisspezifischen handwerklichen Produktionsbereich für eine Spezialisierung der Techniken und Intensivierung der Tätigkeiten, deren unmittelbares Resultat die Erhöhung der Produktivität der betreffenden Handwerke und also die Erfüllung der angegebenen Voraussetzung für die Erzeugung eines Mehrprodukts ist.

Daß allerdings auch die zu dieser Voraussetzung komplementäre Bedingung für eine erfolgreiche Aneignung des Mehrprodukts durch den Handeltreibenden gegeben wäre und daß nämlich die Produzenten der Nötigung unterlägen, die im Mehrprodukt vergegenständlichte vergrößerte Wertmenge dem Handeltreibenden zum gleichen geldförmigen Gegenwert wie vorher zu überlassen, ihm mithin das Mehrprodukt regelrecht abzutreten – davon kann unter den Produktionsverhältnissen der im Aufstieg begriffenen Polis keine Rede sein. Damit der Handeltreibende die Produzenten zu solch einer Abtretung ihres Mehrprodukts zwingen könnte, müßten diese ja in ganz anderer Weise abhängig von ihm sein, als sie es tatsächlich sind. Sie müßten sich in einer Situation befinden, in der er Herr über ihre Produktionsbedingungen und Arbeitsmittel wäre und in der sie sich gleichzeitig untereinander genug Konkurrenz machten, um sich seinem Diktat nicht durch einen Wechsel des Arbeitgebers entziehen zu können. Kurz, sie müßten in einem neuzeitlichen Lohnarbeitsverhältnis unter Bedingungen eines Überangebots an Arbeitskräften stehen. Die vornehmlich handwerklichen Produzenten der Polis indes sind bei aller Marktbezogenheit ihrer Produktion selbständig und das heißt, sie arbeiten auf eigene Rechnung und mit eigenen Produktionsmitteln; zugleich stehen sie dank der Expansion des polisgestützten Marktes, die ja auch der Anlaß für die Steigerung ihrer Produktivkraft ist, nicht etwa unter Konkurrenzdruck, sondern sind im Gegenteil gefragte, mit dem Markt von Gleich zu Gleich kontrahierende Lieferanten. Sie haben also keinen Grund, ihr Mehrprodukt beziehungsweise den darin vergegenständlichten Mehrwert dem Handeltreibenden ohne Gegenwert abzutreten. Zumindest beteiligt werden wollen sie an dem vermehrten Wert, den die Steigerung ihrer Produktivkraft dem Handeltreibenden beschert. Und warum sollte dieser sie nicht beteiligen? Teilt er das produktivitätsbedingte Mehr an Wert mit den Produzenten, so hat er immer noch die Hälfte des unverhofften Zugewinns für sich. Er profitiert von einem Mechanismus, den er zwar durch sein kommerzielles Tun und dessen ökonomische und politische Konsequenzen, die Schaffung von Absatzchancen und die Stiftung der Polis, objektiv auslöst und in Gang hält, den er aber nicht beabsichtigt hat und nicht bewußt steuert und dessen Früchte ihm insofern unverhofft in den Schoß fallen. Und er profitiert mehr noch dauerhaft davon, weil der Handelsverkehr zwischen Polis und Territorialstaaten, der Austausch zwischen den einander im übrigen ausschließenden beiden Systemen einer handwerklich-kommerziell orientierten und einer frondienstlich-traditionell fundierten Wirtschaft dafür sorgt, daß sich der Zuwachs an Produktivkraft in der Polis in einem stabilen intersystematischen Produktivitätsgefälle niederschlägt, das dem Handeltreibenden erlaubt, den Mehrwert, den das Mehrprodukt unmittelbar bedeutet im Austausch mit den Territorialstaaten voll und ganz zu realisieren.

Unter beiden Aspekten, das heißt, in Hinsicht auf die Entstehung des Produktivitätszuwachses ebensosehr wie im Hinblick auf die Beständigkeit des dadurch hervorgerufenen Produktivitätsgefälles, unterscheidet sich nun aber die Situation der klassischen Antike von der der Neuzeit geradeso grundlegend wie in bezug auf die ökonomische Stellung derer, die das Mehrprodukt und den darin vergegenständlichten Mehrwert produktivkräftig schaffen. Anders als in der Antike ist in der Neuzeit die der Spezialisierung und Intensivierung der Arbeit entspringende Steigerung der Produktivität kein naturwüchsiges Resultat der kommerziellen Veranstaltungen, sondern eine im Rahmen der kommerziellen Tätigkeit gezielt verfolgte Strategie – eine Strategie, deren Beweggrund das kapitalistische Konkurrenzprinzip ist und die also dem Bemühen des nicht mehr nur Handel treibenden, sondern die Handelswaren mehr noch in eigener Regie produzierenden Kapitaleigners entspringt, durch Verwohlfeilerung seiner Waren die Konkurrenten auf dem Markt auszustechen. Statt den qua Mehrprodukt erzeugten Mehrwert nach Möglichkeit zu realisieren, gibt ihn der Kapitaleigner freiwillig preis, um durch verbilligte Waren seine Konkurrenten aus dem Felde zu schlagen. Und anders als in der Antike nimmt er damit vorweg, was die Entwicklung ohnehin erweisen wird: daß nämlich das Mehrprodukt gar keinen wirklichen Mehrwert bedeutet, weil das entstandene Produktivitätsgefälle nur einen Zwang für die anderen schafft, mit der neuen Produktivkraft ihres erfolgreichen Konkurrenten gleichzuziehen. Wollen die anderen Kapitaleigner nicht vom Markt verdrängt werden, müssen sie ihre Produktion dem Produktivitätsniveau des vorpreschenden Konkurrenten anpassen und damit aber den Nachweis führen, daß die vermehrte Produktmenge das neue durchschnittliche Soll oder normative Quantum vergegenständlichter Arbeitszeit ist und insofern als Niederschlag der gleichen wertbildenden Substanz wie vorher keinerlei Mehrwert darstellt.

Anders als in der Neuzeit, in der die Strategie der Mehrwertvergrößerung durch Ausnutzung der Produktivkraftentwicklung als bewußte Vorgehensweise durch das kapitalistische Konkurrenzprinzip motiviert ist und ihren unmittelbaren Zweck tatsächlich gar nicht erfüllt, weil sie, statt den Mehrwert zu vergrößern, sich darin erschöpft, einerseits in praktisch-funktioneller Hinsicht den konsumtiven Nutznießern des ökonomischen Systems zugute zu kommen und nämlich die durch den Markt Begünstigten mit einem immer umfangreicheren und vielfältigeren Warensortiment zu versorgen und andererseits unter systematisch-strukturellen Gesichtspunkten der Entfaltung der Organisation und Entwicklung der Produktivkräfte zu dienen – anders als in der Neuzeit also erfüllt in der klassischen Antike diese Strategie der Mehrwertvergrößerung durch Produktivkraftentwicklung, die gar nicht als bewußte Strategie, sondern als unwillkürliche Konsequenz der Handelsbeziehung zwischen Polis und Territorialstaaten zustandekommt, tatsächlich den angegebenen Zweck einer beschleunigten Akkumulation von Mehrwert auf der Seite des Marktes. Weil hier die Produktivkraftentwicklung nicht Faktor kapitaler Konkurrenz in ein und demselben, absolut kontinuierlichen ökonomischen System, sondern Folge kommerziellen Austauschs zwischen zwei verschiedenen, relativ diskreten Wirtschaftszusammenhängen ist, entsteht ein Produktivitätsgefälle zwischen den beiden Zusammenhängen, das ebenso beharrlich und nivellierungsunlustig ist, wie die beiden Zusammenhänge, abgesehen von ihrer kommerziellen Austauschaktivität, gegeneinander abweisend und füreinander undurchdringlich bleiben, und das deshalb den Handeltreibenden der Polis erlaubt, dauerhaft oder jedenfalls jeweils auf längere Sicht das produktivitätsbedingte Mehrprodukt tatsächlich auch als Mehrwert zu realisieren. Die in diesem Sinne erfolgreiche Mehrwertvergrößerung auf Basis einer Steigerung der Produktivkraft findet aber demnach nicht auf dem Rücken der vornehmlich handwerklichen Produzenten des Mehrprodukts statt, geht also nicht etwa, wie die obige Rede von einem "Mehr an Arbeitsleistung für das gleiche Geld" suggeriert, in der Weise vor sich, daß die Handeltreibenden sich unter der Hand der Geldform die produktivitätsbedingten Früchte der Arbeit der handwerklichen Produzenten ohne finanzielle Gegenleistung, ohne Entgelt, aneignen. Vielmehr beteiligen ja die Handeltreibenden die handwerklichen Produzenten an dem vergrößerten Mehrwert, teilen ihn mit den letzteren und lassen insofern diese produktivitätsbedingte Mehrwertvergrößerung zu einem polisintern gemeinsamen Anliegen, einer für Produzenten und Marktrepräsentanten gleichermaßen profitablen und deshalb auch von beiden affirmierten und betriebenen Strategie werden.

Die Zeche dieser produktivitätsbedingten Mehrwertsteigerung zahlen statt dessen die territorialen Nachbarn, die herrschaftlichen Außenhandelspartner, die dank des zwischen den Austauschsystemen herrschenden und der Nivellierung trotzenden Produktivkraftgefälles den Handeltreibenden der Polis das produktivitätsbedingte Mehrprodukt zu den dem eigenen, alten Produktivitätsstand entsprechenden Konditionen abkaufen beziehungsweise ihnen mehr von den der Fronarbeit abgepreßten eigenen Produkten dafür überlassen und ihnen auf diese Weise die dauerhafte Realisierung des Mehrprodukts als Mehrwert ermöglichen. Wohl also kennt die klassische Antike eine durch den Markt praktizierte geldgestützte Aneignung von vergrößertem Mehrwert, der der Produktivkraftentwicklung entspringt, aber weil die Aneignung nicht die Konsequenz eines polisinternen Konkurrenzkampfs zwischen den Handeltreibenden ist, der auf dem Rücken der für die Erhöhung der Produktivkraft verantwortlichen poliseigenen Produzenten ausgetragen würde, sondern das Resultat eines Austauschprozesses zwischen der Polis und ihren territorialherrschaftlichen Außenhandelspartnern, der dank der unvermittelten Produktivitätsdifferenz zu Lasten der fronarbeitenden Produzenten des anderen Systems geht, stellt weder die Geldform eine zwecks Kaschierung des Aneignungsvorgangs sozial unabdingbare Voraussetzung dar, noch wirkt sich die Aneignung negativ auf das Verhältnis der beteiligten Gruppen in der Polis, der Handeltreibenden und der handwerklichen Produzenten, aus. Weil vielmehr diese Mehrwertaneignungsstrategie nicht als eindeutige Enteignung der handwerklichen Produzenten durch die Handeltreibenden vor sich geht, sondern als ein im beiderseitigen Interesse und zum beiderseitigen Vorteil von den Handeltreibenden bei den territorialen Nachbarn unternommener kommerzieller Beutezug erscheint, stiftet sie nicht – wie von der strategischen Intention her eigentlich zu erwarten – Zwietracht zwischen den betreffenden Gruppen, sondern stellt wieder Erwarten zusätzlichen Kitt für den Zusammenhalt in der Polis dar.

Ohne alle polisintern negativen Auswirkungen bleibt allerdings diese Strategie einer produktivkraftbedingten Aneignung von Mehrwert deshalb mitnichten schon. Mögen die unmittelbaren Produzenten des produktivkraftbedingten Mehrwerts dank des Handels mit den territorialherrschaftlichen Nachbarn der Polis und dank des Produktivitätsgefälles zwischen den beiden Handelspartnern Vorteil von ihrer gesteigerten Produktionsleistung haben und imstande sein, sich das Mehrprodukt, das sie schaffen, im Verein mit den Handeltreibenden als einen Mehrwert anzueignen und sei's zur Ausweitung ihrer ökonomischen Aktivität, sei's zur Hebung ihres persönlichen Konsums zu nutzen – der gleiche Umstand eines systemübergreifenden kommerziellen Austauschs, der ihnen zum Vorteil gereicht und zu Wohlstand verhilft, setzt eine andere polisinterne Gruppe unter ökonomischen Druck und bedroht damit zugleich deren politisch-soziale Position. Weil, wie bereits bemerkt, der kommerzielle Austausch zwischen der Polis und ihren territorialstaatlichen Nachbarn eine natürliche "Arbeitsteilung" impliziert und befördert, derzufolge die Polis sich hauptsächlich durch handwerkliche Produkte hervortut, während die Territorialstaaten vornehmlich landwirtschaftliche Erzeugnisse anzubieten haben, wirkt sich die produktivitätsbedingte Mehrwertaneignung, die von den Handeltreibenden und handwerklichen Produzenten der Polis mittels des Güteraustausches mit den territorialen Nachbarn und das heißt, formell auf Kosten der Territorialherrschaften, materiell zu Lasten der für die Territorialherrschaften fronenden Bauern, betrieben wird, zwangsläufig im Sinne einer reichlichen oder auch überreichlichen Versorgung der Polis mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus, was die poliseigenen landwirtschaftlichen Erzeugnisse unter Preisdruck setzt und die Wettbewerbsposition ihrer Anbieter zunehmend verschlechtert. Nicht zwar die großen Oikos-Besitzer, die führenden Aristokraten, die mit ihren ausgedehnten Landgütern entweder quantitativ genug produzieren, um finanzielle Einbußen verschmerzen zu können, oder imstande sind, sich qualitativ in ihrer Produktion zu spezialisieren und auf den Marktbedarf umzustellen, wohl hingegen die kleinen Landbesitzer, die Gruppe des niederen Adels oder der wehrfähigen Freien sind die Leidtragenden der Entwicklung, diejenigen, deren ökonomische Stellung ins Wanken gerät. Von den landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die der Außenhandel in die Polis fließen läßt, in wachsendem Maße auskonkurriert, büßen die Mitglieder dieser Gruppe entweder ihre subsistentielle Basis überhaupt ein, indem der Ertrag aus ihrer landwirtschaftlichen Produktion nicht mehr ausreicht, um den Landbesitz instandzuhalten und den Verpflichtungen gegenüber Familie, Gesinde und Gemeinschaft nachzukommen, oder sie müssen zumindest eine mehr oder minder spürbare Einschränkung ihres Zugriffs auf den Markt und damit eine Verschlechterung ihrer Lebensverhältnisse und Minderung ihres an den Lebensstandard geknüpften sozialen Prestiges hinnehmen. Was Wunder, daß dieser gesellschaftliche Mittelstand unzufrieden ist und eines der Probleme und Konfliktpotentiale darstellt, mit denen die aristokratische Führung der Polis im Verein mit den Neureichen aus Handel und Gewerbe, die sie, um deren ökonomisch gegründeten Anspruch auf Beteiligung an den Staatsgeschäften zu befriedigen, als Juniorpartner ins Staatsschiff aufnimmt, fertig werden muß?

Dies also ist das soziale Problem, das die von den Handeltreibenden nicht zwar zielstrebig eingesetzte und verfolgte, wohl aber unwillkürlich in Gang gesetzte und betriebene Strategie einer Mehrwertsteigerung durch Erhöhung der Produktivkraft nicht in funktionsspezifisch unmittelbarer Konsequenz, sondern im systemeigentümlich mittelbaren Effekt nach sich zieht. Und indem sie das tut, bereitet sie nun aber nolens volens den Boden für ihr direktes Komplement, nämlich für die andere am Wertanteil des Produzenten ansetzende strategische Spielart der Mehrwertvergrößerung und bringt sie also fast zwangsläufig die Strategie einer Steigerung des Mehrwerts nicht durch Vergrößerung der Produktmenge, die der Produzent für den gleichen Wertanteil wie vorher liefert, sondern einer Verkleinerung des Wertanteils, den der Produzent für die gleiche Produktmenge wie vorher erhält, ins Spiel. Die Voraussetzung für diese Strategie der Aneignung von Mehrwert durch Verringerung des geldförmigen Gegenwerts, den der Arbeitende für seine Arbeitsleistung bekommt, liegt auf der Hand. Damit die Strategie erfolgreich sein kann, müssen die Arbeitenden hinlänglich unter ökonomischem Druck und deshalb erpreßbar sein, müssen sie sich durch die objektiven Umstände soweit in die Klemme gebracht finden, daß der Handeltreibende sie vor die kruzifikatorische Alternative stellen kann, entweder in eine Verringerung des subsistentiellen Anteils am Wert ihrer Leistung, den sie vom Handeltreibenden erhalten, einzuwilligen oder aber zu riskieren, daß sie ihrer Arbeit und der darin gründenden subsistentiellen Beteiligung am ökonomischen Geschehen überhaupt verlustig gehen.

In diese Zwangslage, die sie erpreßbar macht, bringen sich die Arbeitenden, funktionell oder von der tatsächlichen Mechanik her gesehen, selbst: indem sie unter Bedingungen des florierenden kommerziellen Systems schneller an Zahl zunehmen, als die Arbeitsmöglichkeiten wachsen, die das System schafft und zur Verfügung stellt, geraten sie in ein Konkurrenzverhältnis zueinander, machen sich gegenseitig ihr Subsistenzrecht streitig und sind bereit, subsistentielle Einbußen hinzunehmen, wenn sie damit ihre beschäftigungsuchenden Genossen ausstechen und sich in Arbeit und Brot erhalten können. Strukturell oder von der ursächlichen Dynamik her betrachtet, ist es natürlich das florierenden kommerzielle System, das die Arbeitenden in diese Zwangslage versetzt. Teils negativ durch die sozialen Umwälzungen, die es intern auslöst, teils positiv durch die phänomenale Anziehungskraft, die es extern ausübt, sorgt das System für eine stetige oder auch sprunghaft Zunahme von Arbeitsuchenden und damit für die Entstehung der im Interesse einer Mehrwertvergrößerung durch Verkleinerung der Wertanteils der Produzenten erwünschten Konkurrenzsituation auf dem Arbeitsmarkt. Der wichtigste negative Faktor, der für die Vermehrung der Zahl der Arbeitsuchenden in der Polis verantwortlich ist, wurde bereits genannt: Es ist die Strategie der Mehrwertvergrößerung durch Erhöhung der – vornehmlich handwerklichen – Produktivität, die mit ihren indirekt nachteiligen Auswirkungen auf die kleine und mittlere Landwirtschaft und den sie betreibenden landbesitzenden Mittelstand dafür sorgt, daß, wenn schon nicht der Mittelstand selbst, so doch aber Teile seiner Sippschaft, seines Gesindes und seiner Klientel einem Prozeß ökonomischer "Freisetzung" und sozialer Deklassierung unterworfen sind.

Und damit nicht genug, führt die gleiche Strategie einer Mehrwertvergrößerung durch Produktivkrafterhöhung schließlich auch zu vergleichbaren "Freisetzungs-" und Deklassierungserscheinungen in jenen ökonomischen Bereichen, die Träger der Strategie und eigentlich Nutznießer der durch sie vorangetriebenen Entwicklung sind. Sosehr die Produktivitätssteigerung, zu der die vom Außenhandel eröffneten Marktchancen anregen, erst einmal vornehmlich in der Form manufaktureller Spezialisierung und technischer Mechanisierung vor sich geht und in dieser Form Beweis für uneingeschränktes wirtschaftliches Wachstum ist, das seinen plastischen Ausdruck in einem ebenso uneingeschränkten Bedarf an Arbeitskräften findet, sosehr tendiert aber sei's aus den freien Stücken rein innerer Folgerichtigkeit, sei's unter dem Zwang einer gewissen Abschwächung der Nachfrage oder Sättigung des Marktes diese primäre Form der Produktivitätssteigerung, eine sekundäre Erscheinung ihrer selbst hervorzutreiben, die in Gestalt organisatorischer Konzentration und betrieblicher Rationalisierung eine zunehmende Differenzierung der Größe und Leistungskraft der Betriebe zur Folge hat. Diese Differenzierung wiederum führt dazu, daß die größeren Betriebe dank größerer Effektivität und Rentabilität privilegierte Marktpositionen erringen und den kleinen Betrieben beziehungsweise den einzelnen Handwerkern den Zugang zum Markt immer mehr erschweren oder versperren, mit dem Ergebnis, daß die letzteren als selbständige Unternehmungen oder Einzelunternehmer nicht mehr überlebensfähig sind und sich zwecks Übernahme in ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis der Schar der "Freigesetzten", die sich aus dem landwirtschaftlichen Bereich rekrutieren, beigesellen. Schließlich kommen zu dieser großen Schar noch diejenigen hinzu, die durch die positive Ausstrahlung, die vom florierenden ökonomischen System der Polis ausgeht, auf den Plan gerufen werden, all jene also, die der radialen Anziehungskraft der Polis folgen und als Flüchtlinge, Arbeitsuchende, Abenteuerlustige in die Stadt kommen, um sich in ihr niederzulassen und in ihr Schutz, ein Auskommen zu finden oder auch ihr Glück zu machen.

Die Menge von Beschäftigungsuchenden, die so durch die negativen internen Auswirkungen und durch die positive externe Ausstrahlung des florierenden kommerziellen Systems der Polis produziert wird, ist groß genug, um die wachsende Nachfrage des Systems nach Mitwirkenden zu befriedigen, den steigenden Bedarf an Arbeitskräften zu decken, den das System im Zuge seiner eigenen Ausdehnung und Entfaltung schafft und der sich in wachsendem, durch die Erhöhung der Produktivkraft definiertem Maße nicht nur und nicht sowohl auf materiell Werktätige richtet, auf solche, die produktiv für den Markt tätig sind, ihn mit Gütern versorgen, sondern ebensosehr und vielmehr auf strukturell Dienstleistende, auf solche, die den Markt als solchen zirkulativ betreiben, ihn als den Mechanismus zur Verteilung der Güter, der er ist, in Funktion erhalten. Tatsächlich aber wächst die Menge der durch den Anstieg der Produktivkraft in specie und durch das Gedeihen des kommerziellen Systems in genere erzeugten Beschäftigungsuchenden noch schneller, als der durch die quantitative Ausdehnung und die qualitative Entfaltung des Marktes bedingte Bedarf an Arbeitskräften steigt, und ist also mehr noch groß genug, die Beschäftigungsuchenden in die besagte, als Konkurrenzsituation auf dem Arbeitsmarkt bestimmte Zwangslage zu versetzen, die gleichermaßen Voraussetzung und Motiv für den Handeltreibenden ist, die Strategie einer Vergrößerung und Aneignung von Mehrwert mittels Verringerung des den Arbeitenden überlassenen Wertanteils anzuwenden. Weil dank des Wachstums und Gedeihens des kommerziellen Systems insbesondere bei den abhängig Beschäftigten, den von Handel und Gewerbe benötigten Handlangern und Hilfskräften ein Überangebot an Arbeitsuchenden entsteht, können die Handeltreibenden und die ihnen zuarbeitenden handwerklichen Betriebe die Suchenden gegeneinander ausspielen, ihnen unter Verweis auf die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt Lohnsenkungen abnötigen und so auf Kosten der Arbeitenden ihren eigenen Anteil am Gesamtwert der zu Markte getragenen Produkte vergrößern.

So einfach diese Mehrwertaneignungsstrategie funktioniert, so gewiß sie bloß darin besteht, dem einzelnen Arbeitenden unter Hinweis auf seine zahlreichen Kollegen oder vielmehr Konkurrenten einen Lohnverzicht abzunötigen, ihn mit anderen Worten mittels seinesgleichen zu erpressen, sosehr ist nun allerdings gerade diese Strategie abhängig von der kaschierenden Geldform, ist sie überhaupt nur auf Basis des als ausdrückliche Synthesis von Arbeitsleistungen, als synthetisches Konstitutiv des Werts der Waren firmierenden Geldes denkbar. Was die Geldform mit sich bringt, ist ein Schein von objektiver Notwendigkeit, sachbedingter Zwangsläufigkeit, ist der Anschein, daß jene Mehrwertaneignungsstrategie den im Geld als synthetischem Konstitutiv verkörperten kalkulatorischen Rücksichten entspringt, die den Handeltreibenden eine aus diversen und unter Umständen sogar disparaten Arbeitsleistungen bestehende Wertbildung durchgängig zu nehmen zwingt. Indem der Handeltreibende sich für seine Strategie der Geldform bedienen kann, verleiht er seinem erpresserischen Handel das im Geld als ehrlichem Makler diverser wertbildnerischer Interessen, als neutralem Repräsentanten pluraler gesellschaftlicher Ansprüche gelegene Ansehen eines zur Distribution von Wertanteilen unter mehrere Anspruchsberechtigte abgewickelten, reellen Geschäfts, simuliert er also die Objektivität und Solidität eines von ihm, dem Handeltreibenden, zwischen den leistungsbedingten Ansprüchen mehrerer Werktätiger angestrengten Feststellungsverfahrens und kaschiert so den Mißbrauch, den er mit dem im Geld verkörperten zirkulativen Synthesisprinzip und konsumtiven Distributionskriterium tatsächlich treibt. Wenn er dem Arbeitenden mit dessen notgedrungener Zustimmung das finanzielle Entgelt für den per Arbeitsleistung geschaffenen und dem Markt überlassenen Wert kürzt, so unter dem durch die Geldform gedeckten Vorgeben, Rücksicht auf andere Arbeitsleistende nehmen und deren finanziellen Ansprüchen Rechnung tragen, das heißt, sie in die Kalkulation als den Gesamtwert mitbestimmende und also auch über die Höhe des Entgelts für ersteren mitentscheidende Posten einbeziehen zu müssen, während doch jene anderen Ansprüche in Wahrheit nur zum – durch die Geldform gedeckten Schein – in der Kalkulation figurieren und nämlich einzig dem Zweck dienen, dem Arbeitenden die Zustimmung zur Kürzung seines Wertanteils abzupressen, um danach aus der Kalkulation folgen- und spurlos wieder zu verschwinden und jenes Stück Wertanteil, das sie dem Arbeitenden abzupressen gedient haben, als ein wirkliches Resultat ihres gespenstischen Auftretens dem Handeltreibenden zu hinterlassen. Der Handeltreibende nutzt also den Schein von wertkonstitutiver Synthesis, den das Geld wahrt, um das Gegenteil von Synthesis, einen Verdrängungswettbewerb zu veranstalten, bei dem er sein privatives Mehrwertaneignungsinteresse hinter den Ansprüchen der anderen Arbeitleistenden versteckt, um diese Ansprüche, sobald sie ihre Wirkung getan und den Arbeitenden veranlaßt haben, sich mit Rücksicht auf sie in seinem eigenen Anspruch einzuschränken, als bloßen Vorwand fallenzulassen und selber als der Gewinner, nämlich als derjenige, der den Arbeitenden ein Stück weit zu seinen Gunsten verdrängt hat, dazustehen.

Nicht, daß die Arbeitenden das doppelte Spiel, das dank der Geldform der Handeltreibende mit ihnen treibt, nicht durchschauten oder jedenfalls als ein Geschehen, bei dem nicht alles mit rechten Dingen zugeht, wahrnähmen; aber eben weil das verräterische Tun des Handeltreibenden durch die konstitutive Synthesisfunktion des Geldes gedeckt und sanktioniert ist, könnten sie gegen dies Tun auch nur in der Weise vorgehen, daß sie entweder den in der Geldform als zentralem Distributionsforum kodifizierten grundlegenden Gesellschaftsvertrag aufkündigten oder aber eine unmittelbar-reale Solidarisierung aller in der Geldform bloß repräsentativ-symbolisch zusammengeschlossenen – eben synthetisierten – Arbeitleistenden erreichten, um sich leibhaftig-solidarisch gegen den Mißbrauch der geldförmig-symbolischen Ebene ihrer Vergesellschaftung verwahren zu können. Beides indes ist aus ein und demselben Grunde unmöglich – ist unmöglich, weil nach der Abdankung einer unmittelbar herrschaftlichen Organisation der Gesellschaft die geldförmige Synthesisebene, die der Markt den Arbeitenden zur Verfügung stellt, all ihrer bloß symbolisch-repräsentativen Natur zum Trotz die vorläufig einzige, konstitutiv-reale Vergesellschaftungsebene darstellt und weil insofern der diese Ebene wahrende und verwaltende Handel eine ebenso unangreifbare wie unabdingbare Funktion des zunehmend auf Arbeitsteilung und Produktenaustausch gegründeten Daseins der Arbeitenden bildet.

Wenn in Verfolgung der seinem ökonomisch-konsequenten Tun eingeschriebenen quasipolitisch-paradoxen ultima ratio der Handeltreibende diese Ebene mißbraucht, um unter dem Deckmantel ihrer objektiven Mechanismen sich selbst zu bereichern und nach Möglichkeit in die eigene Tasche zu wirtschaften, so muß die Arbeitenden dies zwar mit Ressentiment erfüllen und muß sie in dem Maß, wie es ihre eigene Subsistenz schmälert und beeinträchtigt, zu politischem Protest und sozialem Aufruhr anstacheln; die durch den Handel geschaffene und gewahrte geldförmige Synthesisebene aber als solche in Frage zu stellen und zu verwerfen werden die Arbeitenden nie und nimmer geneigt oder gar bereit sein – jedenfalls nicht, solange die durch die Synthesisfunktion des Geldes kaschierten Machenschaften des Handeltreibenden die Subsistenz der Arbeitenden nicht so weit minimisieren, daß diese sich dem Hungertod preisgegeben und in ihrem Überleben bedroht finden. Solange die vom Handeltreibenden durch Verringerung des Wertanteils der Arbeitenden verfolgte Mehrwertaneignungsstrategie die Subsistenz als solche unangetastet läßt, solange sie den Arbeitenden die Möglichkeit beläßt, sich durch ihrer Hände Arbeit ein wie immer bescheidenes, wie immer relativ – das heißt, im Vergleich mit dem Wohlstand anderer gesellschaftlicher Gruppen – verschwindendes Auskommen zu sichern, werden die Arbeitenden an der geldförmigen Synthesisebene, unter deren Camouflage der Handeltreibende seine Aneignungsstrategie betreibt, mit Sicherheit festhalten – weil nämlich wegen der verhältnismäßigen sozialen Bewegungs- und politischen Handlungsfreiheit, die dieses Modell gesellschaftlicher Synthesis ihnen verschafft, die Arbeitenden allemal Grund haben, ihm vor der einzigen ihnen bekannten Alternative, der Synthesis durch herrschaftlich organisierte Fronarbeit, der Vergesellschaftung zum Zwecke der Produktion herrschaftlichen Reichtums, den Vorzug zu geben.

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